Orientierungslauf
Aargauer Baumeister ermöglichten die besten Staffeln der Welt

Bei allen «viereinhalb» WM-Titeln der Schweizer Männer waren Läufer aus der Region in den Hauptrollen.

Rainer Sommerhalder
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Der Aargauer Thomas Bührer war als Athlet dreimal Staffelweltmeister und scheiterte als Trainer mit dem gleichen Vorhaben sechsmal.

Der Aargauer Thomas Bührer war als Athlet dreimal Staffelweltmeister und scheiterte als Trainer mit dem gleichen Vorhaben sechsmal.

KEYSTONE

Der Sieg der Männer-Staffel war das emotionale Highlight der OL-Weltmeisterschaften in Inverness in dieser Woche. Es weckte Erinnerungen an eine historische Schweizer Serie zu Beginn der Neunzigerjahre, aber auch an 15 vergebliche Anläufe und eine Goldmedaille ohne Glanz.

Mindestens ein Aargauer

Eine Gemeinsamkeit hatten sämtliche WM-Auftritte der Schweizer Staffel seit dem ersten Titelgewinn 1991: Immer war mindestens ein Aargauer Orientierungsläufer im Team dabei. Am Mittwoch durfte der Fricktaler Matthias Kyburz mit seinem Zieleinlauf die zwanzigjährige Durststrecke an 15 Weltmeisterschaften seit der letzten Goldmedaille (1995) beenden.

Zehn Anläufe mit nur einem «halben» Goldgewinn als Ausbeute unternahm Matthias Merz, der Einzelweltmeister von 2007. «Achtmal davon stiegen wir mit realistischen Siegeschancen ins Rennen», sagt der Aarauer. Doch nie wollte es klappen. 2009 lief Merz zwar als Erster ins Ziel und erhielt für diese Leistung auch eine offizielle Goldmedaille.

Weil aber drei vor ihm gestartete Athleten dem führenden Schweden nach einem Sturz unterwegs erste Hilfe leisteten, konnte sich das Schweizer Team über diesen Erfolg nicht freuen. An der Siegerehrung nahmen Merz, Daniel Hubmann und Baptiste Rollier die Medaille stillschweigend in die Hand, anstatt sie sich um den Hals hängen zu lassen.

Titel ohne Wert

Merz führte diesen Erfolg nie in seinem Palmarès auf. Seine Begründung: «Wir waren an jenem Tag ganz einfach nicht die Besten.» Er gibt zwar zu, dass man während seiner Kaderzeit oft diskutiert habe, wieso der Staffel-Titel unerreicht blieb, «aber verkrampft habe ich mich deswegen nie».

Der erfolgreichste Schweizer Staffelläufer der Geschichte ist Thomas Bührer aus Endingen. Er war 1991 bei der damals völlig unerwarteten Goldpremiere im Schweizer OL dabei und auch bei den zwei Titelverteidigungen 1993 und 1995. Zwischen 2005 und 2010 verantwortete Bührer als Nationaltrainer zwar 16 WM-Einzelmedaillen seiner Schützlinge, ein Staffeltitel blieb ihm aber verwehrt.

Wieso brauchte es 20 Jahre bis zum Titel? «Ich glaube, während meiner Trainerphase legten die Athleten mehr Wert auf die Einzelrennen. Inzwischen haben alle drei Staffelläufer von Inverness mehrere WM-Medaillen im Palmarès und damit die nötige Lockerheit, um diesen gemeinsamen Titel zu holen. Zuvor sind wir dieses Unterfangen ein Weilchen lang zu verkrampft angegangen», übt Bührer rückblickend Selbstkritik. Er freut sich vor allem darüber, «dass die drei nun erstmals einen Erfolg erleben, den sie miteinander teilen können. Das ist ein emotional sehr starkes Gefühl.»

Nicht mehr als ein Sackgeld

Mit dem Titel-Hattrick in den Neunzigerjahren katapultierten die Schweizer Männer die Sportart OL in eine breite Öffentlichkeit. Davon profitierte vor allem die Generation nach den Staffel-Helden, wie der Schafisheimer Daniel Hotz, Weltmeister von 1995, betont: «Wir erhielten für unseren Erfolg nicht mehr als ein Sackgeld». Dafür staunt Hotz, dass er in Aargauer Sportkreisen auch 20 Jahre später immer noch als Weltmeister wahrgenommen wird.