Wer einen Blick auf die Tabelle der Aargauer 5.-Liga-Gruppe 1 wirft, der staunt nicht schlecht: Die zweite Mannschaft des FC Aarburg weist nach 24 Meisterschaftspartien satte 498 Strafpunkte auf.

Was ist passiert? Die Ursache für das hohe Strafmass findet sich im Heimspiel des FCA gegen die dritte Equipe des FC Entfelden. Es läuft die 65. Minute, als der bereits verwarnte Aarburger Mahsun Korkmaz beim Stand von 2:6 aus Sicht des Gastgebers ausgewechselt werden soll.

Weil sich Korkmaz beim Verlassen des Felds trotz des beträchtlichen Rückstands viel Zeit lässt, pfeift ihn der Schiedsrichter zu sich und zeigt ihm die zweite gelbe Karte. Der Platzverweis ist zu viel für Korkmaz, er verpasst dem Spielleiter einen Fusstritt in den Bauch. Kurz darauf wird die Partie abgebrochen.

Forfait-Niederlage

Während das Opfer Glück im Unglück hatte und mit Prellungen und Quetschungen davonkam, fallen die Konsequenzen für Mahsun Korkmaz ungemein heftiger aus. Der Aargauische Fussballverband (AFV) verhängte gegen ihn eine Sperre bis zum 31. Mai 2020, die für sämtliche Wettbewerbe gilt. Zusätzlich verliert Aarburg das Duell gegen Entfelden Forfait mit 0:3. «Man musste mit einer solchen Strafe rechnen», sagt FCA-Präsident Jérôme Wehrli. Aus seiner Sicht sei die Massnahme gerechtfertigt. «Der Spieler sieht ein, dass er einen Fehler gemacht hat», sagt Wehrli. Abgesehen davon, dass Mahsun Korkmaz vom Training suspendiert ist, verzichtet der Verein deshalb auf weitere interne Sanktionen.

Trotz der happigen Sperre verfolgt Mahsun Korkmaz die Übungseinheiten und Spiele seiner Mannschaft als Zuschauer. «Er will weiterhin mitmachen und zeigt Interesse», sagt Jérôme Wehrli und erklärt, das Korkmaz zuvor nie negativ aufgefallen sei. «Ich kenne ihn gut, er ist ein ruhiger Spieler», erzählt Wehrli. Der Oftringer ist aus diesem Grund überzeugt, dass der Vorfall aus den Emotionen heraus geschah. «Es war eine Kurzschluss-Reaktion», sagt Wehrli, «zehn Minuten nach dem Spielabbruch hat sich Mahsun beim Schiedsrichter entschuldigt.» Im gleichen Atemzug betont der Präsident aber, dass er das Geschehene nicht herunterspielen will. «Tätlichkeiten gehören nicht auf den Fussballplatz. Das schadet immer, bei jedem Verein», sagt Jérôme Wehrli.

Missachtung des Fairplays

Auch beim AFV zeigt man sich wenig erfreut über Mahsun Korkmaz’ Angriff auf den Schiedsrichter. «Solche Szenen sind unschön», sagt Geschäftsführer Hannes Hurter. Der Verband toleriere ein solches Verhalten keineswegs. «Wir wollen Fairplay auf dem Platz. Bei Missachtungen wird das entsprechend hart sanktioniert», begründet Hurter die dreijährige Sperre.

Gleichzeitig hält er fest, dass es sich bei rund 9000 Test- und Meisterschaftspartien in der zu Ende gehenden Saison um eine aussergewöhnliche Aktion handle. «Man kann keinen Rückschluss daraus ziehen oder einen Negativtrend erkennen», sagt Hurter, «trotzdem wollen wir diesen Vorfall nicht kleinreden.»