Ausgerechnet Mickael Almeida! Ausgerechnet der zu Saisonbeginn hochgelobte, seither aber tief gefallene 19-jährige Portugiese erzielt in der 92. Minute den Siegestreffer zum 3:2! Chiasso-Torhüter Anthony Mossi lässt einen 23-Meter-Freistoss von Olivier Jäckle nach vorne abprallen – und der gedankenschnelle Almeida schiesst den Ball aus vier Metern in die Maschen.

Der Jubel im Aarauer Lager kennt kaum Grenzen. Geschafft! Das ist der Sieg! Und Almeida? Der junge Mann lässt sich von seinen Mitspielern und den Fans zwar feiern, zeigt aber im Moment seines persönlichen Triumphs keine überschwänglichen Emotionen. «Natürlich bin ich glücklich über diesen wichtigen Erfolg», sagt er. «Aber es geht in dieser schwierigen Situation am Tabellenende nicht in erster Linie um mich, sondern um die Zukunft des FC Aarau. Eine Niederlage in Chiasso hätte den Abstiegskampf extrem verschärft. Nun bleiben wir am Mittelfeld dran.»

Kein Zweifel; Almeidas Treffer zum 3:2 ist für den FC Aarau Gold wert. Und was ging Almeida in den Sekunden vor dem Torschuss durch den Kopf? «In solchen Momenten geht einem nichts durch den Kopf», erklärt er und lächelt keck. «In solchen Situationen hofft man auf Glück und man verlässt sich auf seinen Instinkt. Solche Szenen hat man als Stürmer immer wieder. Oft klappt es nicht. Diesmal aber hat es geklappt.»

Hochverdient, aber nicht selbstverständlich

Almeida strahlt. Das Glück ist ihm ins Gesicht geschrieben. Und dieses Glück hat sich der Dribbler mehr als verdient. Nach 83 Minuten verpasst er den Treffer zum 2:2 noch um Haaresbreite. Was für ein Pech, dass sein Kopfball aus acht Metern nur an der Latte landet! Neun Minuten später sichert Almeida den Aarauern mit dem zweiten Saisontreffer den dritten Sieg. Ein Sieg, der im Endeffekt zwar hoch verdient, aber keineswegs selbstverständlich ist.

Was sich in den 94 Minuten im Stadion Riva IV abspielte, war der pure Wahnsinn. Der FC Chiasso führt nach 86 Minuten noch mit 2:1. Aus Sicht des FC Aarau und der Beobachter ist dieses Resultat ein Witz! Ein schlechter Witz allerdings: Die Mannschaft von Trainer Patrick Rahmen ist von Beginn an besser und spielbestimmend. Nach einer Viertelstunde hätte das Schlusslicht der Challenge League 2:0 führen können, ja führen müssen. Michael Perrier verpasste den Führungstreffer mit einem Abschlussversuch aus zwei Metern schon nach gut einer Minute.

Aarau dominiert von A bis Z

Perriers Fehlschuss ist der Auftakt zu einer ersten Halbzeit, in welcher der FC Aarau mit Ausnahme der Chancenverwertung vieles richtig macht. Er dominiert den Gegner von A bis Z, vergibt aber eine hochkarätige Möglichkeit nach der andern.

Weil im Fussball nun mal nur Tore zählen, geht das zwar biedere und ideenlose, aber effiziente Chiasso dank einem Treffer von Zoran Josipovic (17.) 1:0 in Führung. Und nach Stefan Maierhofers eiskalt verwertetem Penalty zum 1:1 nach gut einer halben Stunde bringt Batista Facundo die Tessiner eine Viertelstunde vor Schluss erneut in Führung.

Aus sieben mach einen Punkt

Es folgt die nervenaufreibende Schlussphase: Aarau-Captain Elsad Zverotic sorgt mit einem Kopfball (87.) für das 2:2. Und als die gerade mal 600 Zuschauer mit einer Punkteteilung rechnen, sorgt Almeida für den Schlusspunkt und das Happy End für den FC Aarau. Für Chiasso ist das Tor ein Stich ins Herz. Für den FC Aarau hingegen könnte sich der Erfolg noch als überlebenswichtig im Abstiegskampf herausstellen.

Stellen Sie sich vor: Nach 86 Minuten beträgt der Rückstand des FCA auf Chiasso und den Nichtabstiegsplatz sieben Punkte. Sechs Minuten später ist es noch ein Punkt. Wahnsinn!

Stimmen zum Spiel FC Chiasso - FC Aarau (2:3)

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