FC Aarau
Aarau vor Kellerduell: Der Druck auf Schällibaum steigt

Marco Schällibaum steht beim FC Aarau unter Druck. Gegen Chiasso trifft er heute Samstag auf seinen ehemaligen Arbeitgeber. Für Schällibaum wird es ein heisser Tanz werden.

Ruedi Kuhn
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Die Fans des FC Chiasso werden Aarau-Trainer Marco Schällibaum heute Samstag mit wenig Liebe begegnen.

Die Fans des FC Chiasso werden Aarau-Trainer Marco Schällibaum heute Samstag mit wenig Liebe begegnen.

Urs Lindt/freshfocus

Marco Schällibaum bittet in sein Büro im Brügglifeld. Er setzt sich. Das Gesicht des Trainers des FC Aarau sagt alles: Sieger sehen anders aus. Schällibaum wirkt angespannt. Das Unentschieden gegen den FC Biel zum Rückrundenauftakt war nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Der Trainer hat vor der zweiten Saisonhälfte alles unternommen, um den negativen Lauf des Super-League-Absteigers zu stoppen. War all die Mühe für die Katze?

«Für den FC Aarau geht es in den nächsten Monaten ums Überleben», erklärt Schällibaum. Nach dem Absturz ans Tabellenende der Challenge League in der Vorrunde versuchte der Nachfolger des erfolglosen Livio Bordoli nach der Winterpause alles Menschenmögliche, um an den Puls der Mannschaft heranzukommen. Er hat an die Gruppendynamik appelliert und den Spielern eingetrichtert, dass man nur gemeinsam aus der sportlichen Krise kommt. Er hat jede Menge Einzelgespräche geführt. Und er hat mit Bildern gearbeitet. Beispielsweise mit dem Matterhorn, welches als Motivationsspritze in der Welt des Sports geradezu ein Klassiker ist. Frei nach dem Motto: Wer den Weg auf den Gipfel des Zauberbergs oberhalb von Zermatt nicht scheut, der schafft auch den Ligaerhalt in der zweithöchsten Spielklasse.

Der Aufstieg aufs Matterhorn und das zähe Ringen um den Ligaerhalt – kein schlechter Vergleich! Schällibaum lässt sich etwas einfallen. Oberflächlich ist er nicht. An Erfahrung fehlt es dem 53-Jährigen sicherlich nicht. Schliesslich war er schon Trainer bei den Young Boys, Servette, Sion, dem FC Schaffhausen, Bellinzona und Lugano. Er kennt den Fussball wie kaum ein anderer. Reicht das aber, um den FC Aarau zurück auf die Spur zu bringen?

Ein egoistischer Entscheid

Es muss zumindest bezweifelt werden, ob Spieler wie Mart Lieder etwas mit dem Matterhorn anfangen können. In Holland ist alles flach. Doch lassen wir die Sprüche. Kehren wir zurück zu Schällibaum, der extrem unter Druck steht. Was würde der Trainer dafür geben, wenn er die Talfahrt des FC Aarau aufhalten könnte? Nach seiner Zeit in Montreal war er anderthalb Jahre arbeitslos. Dass ihn der FC Chiasso im April des vergangenen Jahres ein Jobangebot machte, hat er nicht vergessen. Sieben Monate nach dem Amtsantritt kehrte Schällibaum den Tessinern allerdings den Rücken. Er folgte dem Lockruf des FC Aarau. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits will er Tag für Tag bei seiner Familie in Gelterkinden sein, anderseits glaubt er an das Potenzial des FC Aarau. Felsenfest! Er ist also überzeugt, dass in Aarau mehr möglich ist als in Chiasso. «Ich gebe zu, dass mein Wechsel von Chiasso zu Aarau ein egoistischer Entscheid war», sagt Schällibaum. «Ein egoistischer Entscheid, der mit Emotionen verbunden war. Ich weiss genau, dass ich in Chiasso Leute enttäuscht habe. Leute, die auf mich gezählt haben. Das tut mir leid. Aber es ist nun mal so.»

Und nun spielt Schällibaum heute mit dem FC Aarau in Chiasso. Für den Trainer ist es eine Rückkehr der speziellen Art. Die Zuschauerzahl im Stadio Riva IV wird sich zwar in Grenzen halten, aber rund 1000 Tifosi werden am frühen Samstagabend Stimmung machen. Sie werden sich nicht scheuen, ihre Rolle als zwölfter Mann voll in die Waagschale zu werfen. Schliesslich liegt ihnen das Schicksal von Chiasso am Herzen. Sie werden den FC Aarau, sie werden vor allem Schällibaum auspfeifen. Schällibaum weiss das und versucht gar nicht erst, die Ausgangslage runter zu spielen. «Ich bin ein Frontmann, der gegen alle Widerstände kämpfen kann», sagt er. «Und auf diese Partie werde ich mich speziell vorbereiten.» Wie denn? «Mit mentalem Training. Ich versuche, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und alle Nebengeräusche zu ignorieren.» Ob das möglich ist? Schauen wir mal, wie Schällibaum im Stadio Riva IV auf die Buhrufe und den immensen Druck reagieren wird.

Die Zukunft steht auf dem Spiel

Die Akte Schällibaum ist die eine Sache. Das sportliche Schicksal des FC Aarau ist die andere. Langsam, aber sicher geht es ans Eingemachte. Existenzen, Jobs stehen auf dem Spiel. Die Relegation aus der Super League war zwar bitter, hat aber den Profibetrieb nicht infrage gestellt. Anders wäre das im Fall des Abstiegs aus der Challenge League. Oder, um es mit den Worten von Schällibaum zu formulieren: «In den nächsten siebzehn Partien geht es um die Zukunft des FC Aarau. Ein ganzer Apparat ist in Gefahr. Wir kommen da nicht einfach so raus. Alle Beteiligten müssen erkennen, dass es kein Selbstläufer ist.»

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