Es ist schwierig, Giorgio Contini aus der Reserve zu locken. Der Trainer von Lausanne ist ein cooler Typ. Er bleibt nach Niederlagen ruhig und versucht, das Geschehen nüchtern und sachlich einzuordnen. Das heisst aber nicht, dass er die Gesetze des Fussballs nicht kennt. Ein Zitat von Contini während eines lockeren Gesprächs ist mir in bester Erinnerung geblieben. «Als Trainer muss man sich über eine Sache im Klaren sein», sagte er. «Wenn es gut läuft, dann ist der Trainer kein Thema. Wenn es schlecht läuft, dann ist der Trainer das schwächste Glied in der Kette.»

Ist es mit dem Abrutschen von Rang zwei auf Rang drei schon schlecht gelaufen für Lausanne? Ist es schon schlecht gelaufen für Contini? Wie reagiert der Hauptsponsor «ineos», der einen Millionenbetrag in die erste Mannschaft pumpt, auf die Rückschläge? Muss Contini im Schlussspurt der Saison trotz Vertrags bis 2020 um seinen Job bangen?

Knacknuss Auswärtsspiel Chiasso?

Fakt ist: Nach vier Siegen in Folge haben die Waadtländer zuletzt zweimal verloren. Nach dem 0:3 gegen Aarau und dem 1:3 gegen Servette steht Lausanne im Kampf um den Barrage-Platz mit dem Rücken zur Wand. Der Rückstand auf das zweitklassierte Aarau beträgt drei Runden vor Schluss allerdings nur ein Punkt. Aber dieser Punkt kann im Endeffekt entscheidend sein.

Contini macht sich im Fernduell nichts vor. «Wir können es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen», sagt der 45-Jährige. «Diesen Vorteil haben wir aus den Händen gegeben. Das ist ärgerlich. Für mich ist die Ausgangslage klar: Wir brauchen gegen Schaffhausen, Kriens und Vaduz drei Siege und sind nicht einmal in diesem Fall sicher, ob es reichen wird.»

Ähnlich sieht es der frühere Aarauer Publikumsliebling und aktuelle Lausanne-Verteidiger Igor Nganga: «Ich traue dem FCA drei Siege zu», sagt er. «Die zwei Heimspiele gegen Kriens und Rapperswil-Jona sind auf dem Papier eher leichte Aufgaben. Schwieriger könnte das Auswärtsspiel gegen Chiasso werden. Die Tessiner sind ein undankbarer Gegner und stecken erst noch mitten im Abstiegskampf. Wer weiss? Unsere einzige Hoffnung ist wohl, dass Aarau in Chiasso Punkte liegen lässt.»

Zurück zu Contini, der momentan schwierige Zeiten durchmacht. Die Kür hat er mit dem direkten Aufstieg längst verpasst. Schafft er mit dem Barrage-Platz wenigstens die Pflicht? Alles ist möglich. Angst vor einer Entlassung hat Contini nicht. Muss er wohl auch nicht haben. Aber eine kritische Anmerkung sei erlaubt: Lausanne verfügt dank Spielern wie Stjepan Kukuruzovic, Maxime Dominguez, Francesco Margiotta, Anthony Koura und Cameron Puertas über viel individuelle Klasse.

Aber dem Betrachter fällt auf, dass die Mannschaft nur wenig Ausstrahlung hat und schon gar nicht über sich hinauswachsen kann. Etwas salopp formuliert: Man wird den Eindruck nicht los, dass die Spieler ihr Programm runterspulen. Ihnen fehlen Tugenden wie Willensstärke, Herzblut und Leidenschaft.

53 Punkte aus 22 Spielen

Das kann man von den Spielern des FC Aarau wahrlich nicht behaupten. Um das Ziel Barrage zu erreichen, sind sie bereit, an ihre Grenzen zu gehen. Sie sprühen schier vor Spielfreude. Die Winner-Mentalität ist extrem. Kommt hinzu, dass der Gewinn von 53 Punkten aus den vergangenen 22 Spielen das Selbstvertrauen gestärkt hat. Ob der Höhenflug weitergeht, wird sich in den nächsten zwei Wochen zeigen.

Einer bleibt so oder so auf dem Boden der Realität: Patrick Rahmen! «Es ist ein kleiner Vorteil, dass wir einen Punkt mehr haben als Lausanne», sagt der Trainer des FC Aarau. «Ich schaue von Spiel zu Spiel. Es muss uns aber bewusst sein, dass die nächsten Gegner Kriens und Chiasso im Abstiegskampf sind. Sie haben das Messer am Hals und werden entsprechend aggressiv spielen.»

Trainer Patrick Rahmen über das FCA-Märchen und das harte Stück Arbeit in Schaffhausen

Trainer Patrick Rahmen am Samstag über das FCA-Märchen und das harte Stück Arbeit in Schaffhausen

Mal schauen, wie das Fernduell zwischen Lausanne und Aarau ausgehen wird. Um es in der Boxersprache zu sagen: Am Mittwoch geht die erste von drei Runden über die Bühnen. Der FC Aarau empfängt Kriens, Lausanne empfängt Schaffhausen! Es riecht nach zwei Heimsiegen. Oder etwa nicht? Vielleicht verliert einer der beiden Anwärter auf den Barrage-Platz schon in dieser Woche die Nerven. Wenn, dann wohl eher Lausanne als Aarau.

 FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - die Matchhighlights:

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - die Matchhighlights