Der FC Aarau verlängert den Vertrag mit Trainer Patrick Rahmen bis 2021. Warum? Und warum jetzt?

Sandro Burki: Weil Patrick seit letztem Sommer einen hervorragenden Job macht und wir überzeugt sind, dass er der richtige Trainer für den FC Aarau ist. Die Frage nach dem Zeitpunkt verstehe ich nicht, wir sind seit der Sommerpause im Gespräch.

Mit Verlaub: Nach drei Meisterschaftsniederlagen in Folge den Vertrag zu verlängern, kann den einen oder anderen irritieren. Das verstehen Sie doch, oder?

Wenn in der normalen Berufswelt die Führung von einem ihrer wichtigsten Angestellten überzeugt ist, gibt es kein Aufmucken, wenn dieser langfristig gebunden wird. Aber Fussball ist nicht normal, für Medien und Zuschauer ist die Momentaufnahme entscheidend für die Meinungsbildung. Als Sportchef darf mich ein einzelnes Resultat nicht von meiner Überzeugung abbringen.

Die Vertragsverlängerung bis 2021 bedeutet, dass der FC Aarau mit Rahmen in der nächsten Saison den Aufstieg schaffen will.

Genau. Vorausgesetzt, die Super League wird auf die Saison 2021/22 hin von zehn auf zwölf Mannschaften aufgestockt und das Aarauer Stimmvolk sagt am 24. November 2019 zweimal Ja zum Stadion.

Ist Patrick Rahmen in dieser Saison unentlassbar, weil der Fokus bereits auf 2020/21 liegt?

Das stimmt so nicht, wir haben auch in dieser Saison Ziele. Wir haben gesagt, dass es schwierig bis unmöglich wird, um den Aufstieg mitzuspielen, aber dass wir uns zwischen Rang 3 und 5 sehen. Dazu stehen wir. Und zum Trainer: Für ihn gilt wie für mich und die Spieler das Leistungsprinzip.

Ist es richtig, dass Sie das Okay für die Vertragsverlängerung mit Rahmen vor allem beim designierten Präsidenten Philipp Bonorand abgeholt haben?

Bis Ende dieser Saison tragen Alfred Schmid und Roger Geissberger die Verantwortung, sie sind in alle Vorgänge involviert. Aber natürlich wollte ich die Zustimmung von Philipp, er ist ab Sommer 2020 der Klubboss. Genauso wollte ich vor meiner Vertragsverlängerung von ihm wissen, ob er mit mir als Sportchef plant. Wer beim FC Aarau Sportchef und Trainer ist, entscheidet der Verwaltungsrat.

Als Sie verlängerten, hiess es von der Klubführung, in der neuen Saison wolle man angreifen und das Budget erhöhen. Wie gross ist die Ernüchterung, dass der finanzielle Spielraum nun kleiner, das Kader schwächer und der Aufstieg unrealistisch ist?

Natürlich hätte ich auf dem Transfermarkt gerne zwei Millionen mehr zur Verfügung. Eine grosse Stärke des FC Aarau ist der sorgfältige Umgang mit den Finanzen. Ich kenne den FC Aarau und die Verhältnisse hier, das darf mich nicht frusten. Ich schätze es, wie bei diesem Verein mit den Finanzen umgegangen wird.

Im aktuellen Kader sind die letztjährigen Schlüsselspieler Bürgy, Nikolic, Obexer und Tasar nicht oder nicht gleichwertig ersetzt. So gesehen haben Sie als Sportchef die Hausaufgaben nicht gemacht.

Nehmen wir das Beispiel Tasar: Im Sommer 2018 stand er wegen Undiszipliniertheiten vor dem Rauswurf, ein halbes Jahr später haben wir ihn für viel Geld an Servette verkauft. Ein gleichwertiger Ersatz für Tasar hätte uns mindestens eine halbe Million gekostet, ein Ersatz für Bürgy bis zu einer Million. Spieler, die uns in eine höhere Liga verlassen, können wir nicht gleichwertig ersetzen. Unsere Aufgabe ist es, neuen Talenten eine Plattform zu geben und sie dahin zu bringen, wo Tasar und Bürgy bei ihrem Abgang waren.

Werden wir konkret: Statt einen neuen Abwehrchef zu holen, setzten Sie und Patrick Rahmen auf das Trio Thaler, Leo und Schindelholz. Bislang hat keiner seine Tauglichkeit als Abwehrchef unter Beweis gestellt.

Bislang – ja. Ich bin überzeugt, dass die drei sich steigern werden und überdurchschnittliche Verteidiger in der Challenge League sind.

Hinten links setzen Sie auf den letztjährigen Reservisten Mehidic, prompt ist diese Position die grösste Schwachstelle.

Auch er kann mehr.

Würden Sie angesichts der Abwehr-Probleme erneut auf den 18-jährigen Ammeter im Tor setzen, der gute Leistungen zeigt, dessen Unerfahrenheit aber nicht förderlich für die Stabilität ist?

Es ist kein Geheimnis, dass wir Nikolic ein weiteres Jahr vom FC Basel ausleihen wollten. Nun ist Ammeter ein Jahr früher als geplant unser Stammgoalie und macht seine Sache gut.

Und was ist eigentlich mit Marco Schneuwly los?

Er wird leider nur an Toren gemessen, in der letzten Saison aber hatte er auch andere Aufgaben und diese mehr als erfüllt. Sonst wäre er nicht in jedem Spiel unserer Aufholjagd in der Startelf gestanden. In der neuen Saison tut er sich schwer, er muss und wird sich steigern.

Ihre Handschrift als Sportchef beinhaltet die Verpflichtung von ehemaligen Super-League-Grössen im fortgeschrittenen Alter. Ausgerechnet diese enttäuschen in dieser Saison.

Zuletzt hat keiner der Spieler sein Leistungsniveau erreicht, auch keiner der Jungen. Von den Routiniers erwarten wir, dass sie vorangehen.

Themawechsel: Der Aarauer Einwohnerrat hat dem Stadionprojekt im Torfeld Süd zugestimmt. Einverstanden, dass die Leistungen des FC Aarau in den Monaten bis zur Volksabstimmung das Zünglein an der Waage spielen?

Nein, das darf nicht sein. Die meisten Stimmbürger wissen schon heute, wie sie abstimmen werden. Die Unentschlossenen, so hoffe ich, lassen sich nicht beeinflussen von den paar Resultaten in diesem Herbst, egal, ob wir alles gewinnen oder alles verlieren. Es geht um viel mehr: um zahlreiche Arbeitsplätze, um die Perspektiven Tausender Junioren, um die Zukunft des Aargauer Spitzenfussballs und um ein neues Wohnquartier in Aarau.