Lenzburg, Aargauer Cupfinal. Es läuft die Schlussphase zwischen Klingnau und den Eagles aus Aarau.

Klingnaus Stürmer Nexhdet Gusturanaj liegt verletzt am Boden. «Bring ihm Wasser», schreit Kult-Trainer Radi Schibli seinen Assistenztrainer an. Dieser begibt sich zum Wasser, doch es ist schon zu spät. «Dann mach ich es halt», poltert Schibli und reisst ihm die Trinkflasche aus der Hand. Der 68-Jährige rennt aufs Spielfeld und verarztet seinen Schützling. Die Zuschauer lachen amüsiert.

Das Siegtor im Aargauer Cupfinal 2016: Tasar Varol Salman erzielt in der 92. Minute das entscheidende Tor zum Cupsieg für den FC Klingnau

Das Siegtor im Aargauer Cupfinal 2016: Tasar Varol Salman erzielt in der 92. Minute das entscheidende Tor zum Cupsieg für den FC Klingnau

Es ist eine typische Szene für den hochemotionalen Trainer. Das ganze Spiel über steht Schibli an der Seitenlinie.

Immer wieder gestikuliert er wild mit den Händen. Flucht über alles, was den Erfolg seiner Mannschaft gefährden könnte. Nur jemanden nimmt er konsequent von seinen Schimpftiraden aus: den Schiedsrichter. Bemerkenswert.

Der Moment des Triumphs: Radi Schibli und "sein" FC Klingnau im Freudentaumel

Der Moment des Triumphs: Radi Schibli und "sein" FC Klingnau im Freudentaumel

94. Minute. Der Schiedsrichter bläst dreimal in seine Pfeiffe. Radi Schibli und Klingnau jubeln über den Aargauer Cup-Titel

Vierter Aargauer Cup-Titel

Radi Schibli ist eine Trainerlegende. Als Assistenztrainer von Ottmar Hitzfeld gewann er vor fast 31 Jahren den Schweizer Cup mit dem FC Aarau.

Gestern stand er im Aargauer Cupfinal und holte mit Klingnau seinen insgesamt vierten kantonalen Cup-Titel. «Ich bin überglücklich. Es ist ein fantastisches Gefühl», sagt er bei der Pokalübergabe.

Es ist ein nervenaufreibender Abend. Schiblis Klingnau läuft es in den Startminuten nicht nach Wunsch.

Der Kult-Trainer regt sich schon früh auf: «Das kann es doch nicht sein, spiel den Ball früher ab», ruft er einem Spieler zu.

Als in der 12. Minute das Führungstor für die Eagles aus Aarau fällt, dreht er sich wütend vom Spielfeld ab. «Unglaublich, unglaublich so etwas», schimpft er gegen die Spielerbank.

Sein Team wird mit Fortdauer der Partie immer besser – und Schibli ruhiger. Er verschränkt seine Hände hinter dem Rücken und beobachtet das Geschehen. Der Ausgleich will vor der Pause aber nicht mehr fallen.

Schibli wechselt beide Torschützen ein

Nach Wiederanpfiff in der zweiten Halbzeit ist Schibli wieder ganz der Alte: «Hey, was soll das? Nein, nein. Was habe ich in der Pause gesagt? Konzentriert euch Klingnau», poltert er nach einem Fehlzuspiel. In der 67. Minute der erste Jubelschrei. Schiblis Joker Gusturanaj Nexhdet gleicht zum 1:1 aus. Der Trainerfuchs klatscht mit einem Zuschauer ab.

In der Schlussphase drückt Klingnau auf den Siegestreffer. Schibli geht mit. Er motiviert sein Team: «Vorwärts Jungs, vorwärts», ruft er immer wieder. Und tatsächlich: In der zweiten Minute der Nachspielzeit erzielt Tasar Varol Salman das 2:1. Jetzt brechen alle Dämme. Die Trainerlegende umarmt jeden, der ihm gerade in die Hände fällt. Unfassbar: Auch Varol Salman hatte Schibli zuvor eingewechselt.

Radi Schibli über den Cupsieg, Ottmar Hitzfeld und die Titel-Party

Radi Schibli über den Cupsieg, Ottmar Hitzfeld und die Titel-Party

Der FC Klingnau und Radi Schibli sind Aargauer Cupsieger 2016. Im Interview nach Spielschluss zeigt sich Schibli überglücklich.

Schibli dankt Hitzfeld

«Ich habe gewusst, dass ich Spieler auf der Bank habe, die den Unterschied ausmachen können», sagt Schibli nach Spielschluss. Er verpasst vom vielen Händeschütteln sogar fast die Pokalübergabe. Die Fans mögen ihm den Triumph gönnen. «Er hat es verdient», sagt ein Anhänger des Verlierer Teams aus Aarau.

Im Siegesrausch erinnert sich Schibli an seinen alten Trainerkollegen. «Das SMS von Ottmar Hitzfeld hat mich sehr gefreut. Genau das hat es noch gebraucht. Danke, Ottmar», sagt er.

FC Klingnau gewinnt den Aargauer Cup 2016

Hier erhalten die Klingnauer den Aargauer Cup überreicht