Pferderennen
7800 Turf-Fans sahen in Aarau den Favoriten straucheln

Cardiff de Beaune aus dem Zürcher Stall «Falk + Thommen» fügte im Grossen Preis der Schweiz in Aarau Oh Calin eine unerwartete Niederlage bei. Der französische Jockey Chameraud liess dem haushohen Favoriten im Einlauf nicht den Hauch einer Chance.

Willi Bär
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Jagdrennen Grosser Preis der Schweiz in Aarau
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Sieger Boris Chameraud auf Cardiff de Baune (links) vor Chantal Zollet auf Vendome (rechts).
Sieger Boris Chameraud auf Cardiff de Baune mit Akrobatikeinlage beim Hindernis.
Sieger Boris Chameraud auf Cardiff de Baune.
Bertrand Thelier (links) auf Toscan des Brosses stuerzt neben Jo Audon mit Calla Cameo (rechts).

Jagdrennen Grosser Preis der Schweiz in Aarau

Foto Wagner

Traditionell bildet der mit 50 000 Franken dotierte Grosse Preis der Schweiz den Höhepunkt des letzten Aarauer Renntags. Nach dem Rückzug von Mount Gabriel nahmen noch sechs Pferde die 4200 Meter des wichtigsten Jagdrennens der Schweiz in Angriff. Toscan des Brosses übernahm sogleich das Kommando. Doch am zweiten Hindernis, dem Tribünensprung, zögerte der Leader, sprang schliesslich fast aus dem Stand doch noch ab und kam auch über die mächtige Hecke, doch Reiter Bertrand Thélier konnte sich bei dem Manöver nicht im Sattel halten und landete unsanft im Gras.

In der Folge übernahm Boris Chameraud mit Cardiff de Baune die Führung. Dahinter galoppierten Vendome, Kilary und Calla Cameo. Der von Silvia Casanova gerittene Favorit Oh Calin bildete wie gewohnt vorerst das Schlusslicht. Doch auf der Gegenseite verbesserte er sich an die dritte Stelle. Später überholte er auch noch Vendome, von der zweiten Position aus kam er aber nicht mehr weiter. Cardiff de Baune wehrte den Angriff des Favoriten von der Spitze aus sehr sicher ab und kreuzte den Zielpfosten mit zwei Längen Vorsprung. Dritter wurde mit Vendome (Chantal Zollet) der grösste Aussenseiter des Sechserfeldes.

«Wir fahren nach Aarau, um den GP der Schweiz zu gewinnen», hatte sich Andreas Schärer, der Cardiff de Baune in Dielsdorf, trainiert, im Vorfeld ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt, denn Oh Calin galt bei allen Experten als klarer Favorit des Rennens. Doch wie schon vor einem Jahr, als ihm die Franzosenstute County Fun vor der Sonne gestanden war, musste der Seriensieger auch diesmal mit dem Ehrenplatz vorliebnehmen.

Der Optimismus von Andreas Schärer begründete sich auf dem zweiten Rang, den sein Schützling vor einer Woche belegt hatte. «Als Boris Chameraud damals nach dem Rennen aus dem Sattel stieg, sagte er zu mir: Lass mich dieses Pferd in einem Rennen über längere Distanz reiten und wir werden alle schlagen.» Chameraud und Schärer wissen beide, was es braucht, um den Grossen Preis der Schweiz zu gewinnen, konnten sie sich doch bereits zum dritten Mal in die Siegerliste dieses Highligts der Aarauer Pferderennen einschreiben.

Aargauer Sieg durch Erhard Schneider

Für die Top-Meldung aus Aargauer Sicht sorgte Erhard Schneider. Der Zofinger Bezirkslehrer gewann mit seinem Wallach Top Gun du Citrus ein mit 10 000 Franken dotiertes Trabrennen. Obwohl der in Schöftland aufgewachsene Lehrer aus Zofingen in der Schweiz bislang rund 20 Rennen gewonnen hat, war dies sein erster Sieg auf der Heimbahn. «Es war wie ein Fluch. Mit meinem anderen Pferd Orélius Gentil hatte ich die schlechtesten Rennen immer auf dem Schachen. Doch jetzt ist der Bann hoffentlich gebrochen.» Mit Top Gun du Citrus, den er in Frankreich erworben hat, gelang Lucky Schneider ein wahrer Glücksgriff. Der sechsjährige Wallach, der in Frankreich wegen zu geringer Gewinnsumme nicht mehr startberechtigt gewesen wäre, hat in den letzten Monaten in der Schweiz bei sieben Starts fünf Siege und zwei weitere Podestplätze erzielt. Qrack de la Frette, der den Birmenstorfer Stall Black point vertritt, belegte im Grossen Preis der Stadt Aarau (3725 Meter/15 000 Franken) nach einem offensiven Rennen Rang vier.

Grosser Name gewinnt Trabrennen

Im Grossen Preis der Stadt Aarau, dem trabsportlichen Hauptereignis des Tages, triumphierte Joey Vignoni mit Admiral As. Der von Springreit-Olympiasieger Alwin Schockemöhle gezüchtete Hengst verfügt über einen sehr interessanten familiären Hintergrund. Mit Abano As und Ambassador As haben zwei seiner Brüder in Berlin das deutsche Traberderby gewonnen. Abano As entwickelte sich in der Folge zum schnellsten und gewinnreichsten deutschen Traber aller Zeiten. Die Krönung seiner Karriere gelang ihm 2003, als er in Paris mit dem Prix d’Amérique das bedeutsamste Trabrennen der Welt für sich entschied. Sein jüngerer Bruder Admiral As wechselte erst vor kurzem in die Schweiz, wo er in Effretikon von Ludovic Theureau trainiert wird. Besitzer ist Nico Hermann aus Ebnat-Kappel.

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