FC Aarau
5:1-Blamage im Tessin: Der FC Aarau verliert gegen Chiasso sein Gesicht

Der FC Aarau kassiert eine schallende Ohrfeige: Er unterliegt dem FC Chiasso 1:5. Das Team von Trainer Marco Schällibaum blamiert sich im Tessin bis auf die Knochen. Das Selbstvertrauen der Aarauer ist vor dem Cup-Viertelfinal gegen Luzern auf dem Nullpunkt.

Ruedi Kuhn
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Torhüter Ulisse Pelloni wird fünfmal geschlagen. Ein Formtief?
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Schlammschlacht: Zoran Josipovic entwischt Chiassos Simone Belometti.
FC Chiasso - FC Aarau (2016/17, 22. Runde)
Chiassos Veljko Simic (links) entwischt Igor Nganga.
Patrick Rossini (rechts) im Laufduell mit Marijan Urtic.
Igor Nganga vergibt gegen Chiassos Torhüter Andrea Guatelli eine Grosschance.
Die Aarauer jubeln nach dem 0:1 durch Juan Pablo Garat.

Torhüter Ulisse Pelloni wird fünfmal geschlagen. Ein Formtief?

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Pascal Thrier ist ein Profi. Durch und durch. «Es gibt keine wichtigen und weniger wichtigen Partien» sagte der Innenverteidiger vor dem Anpfiff. «Ob wir gegen Chiasso oder Luzern spielen, ist egal. Wir wollen immer gewinnen. Nur so kann ein Berufsfussballer mit dem nötigen Selbstvertrauen an die nächste Aufgabe heran gehen.»

Die nächste Aufgabe stellt sich dem FC Aarau schon am Mittwoch. Dann empfängt er im Cup-Viertelfinal im Brügglifeld den FC Luzern. Nach der 1:5-Pleite gegen Chiasso ist das Selbstvertrauen der Spieler auf dem Nullpunkt.

Vielleicht noch tiefer: Was die Spieler am Nachmittag im Stadio Riva IV in der zweiten Halbzeit gegen den Abstiegskandidaten der Challenge League zeigten, war nämlich schlecht, ja miserabel. Mehr noch. Der FC Aarau verlor zwischen der 58. und 73. Minute sein Gesicht und kassierte in dieser Viertelstunde sage und schreibe vier Treffer.

Marco Schällibaum wirkte trotz der Klatsche einigermassen gefasst. «Nach der starken ersten Halbzeit hätten wir führen müssen», sagte der Trainer des FC Aarau. «Aber im Lauf der zweiten Hälfte fiel die Mannschaft völlig auseinander. Es war teilweise desolat. Das war nicht das Image des FC Aarau. So etwas mit ansehen zu müssen tut weh. Sehr weh. Die Spieler werden von mir etwas zu hören bekommen. Und» fügte Schällibaum hinzu, «jetzt muss sich jeder einzelne Spieler selbst hinterfragen, warum so etwas passieren konnte. Ich kann nur hoffen, dass dieses bittere 1:5 gegen Luzern eine Trotzreaktion auslösen wird.»

Wer eine Erklärung für die schallende Ohrfeige sucht, tut sich schwer. Das Gewitter kam wie aus heiterem Himmel. Zu Beginn des Spiels gab es keine Anzeichen für ein solches Desaster. Der FC Aarau startete gut und ging Mitte der ersten Halbzeit verdientermassen in Führung. Juan Pablo Garat verwertete ein Zuspiel von Alessandro Ciarrocchi zum 1:0.

Das Tor war aber alles andere als ein Befreiungsschlag. Im Gegenteil. Nach dem Erfolgserlebnis schalteten die Aarauer zwei, drei Gänge runter und mussten sich vom immer stärker werdenden Gegner dominieren lassen.

Telegramm

FC Chiasso – FC Aarau 5:1 (1:1)

Comunale Riva IV. – 580 Zuschauer. – SR: Erlachner. – Tore: 21. Garat 0:1. 23. Said 1:1. 58. Marzouk 2:1. 60. Mujic 3:1. 65. Marzouk 4:1. 73. Simic 5:1.

Chiasso: Guatelli; Urtic, Ivic, Monighetti, Belometti; Padula, Ramadani (71. Abedini), Said, Simic; Marzouk (87. Rauti), Mujic (79. Regazzoni).

Aarau: Pelloni; Nganga, Garat (49. Corradi), Thrier, Mehidic; Ciarrocchi, Jäckle, Wüthrich, Tréand (74. Romano); Josipovic (74. Audino), Rossini.

Bemerkungen: Chiasso ohne Palma (gesperrt), Cinquini, Delli Carri, Kandiah, Lokaj (alle verletzt), Buongiorno, Di Lauro, Ferati und Mitrovic (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Burki, Perrier (beide gesperrt), Besle, Peralta, Thaler (alle verletzt) und Hunn (nicht im Aufgebot). – 20. Pfostenschuss Nganga. 64. Lattenschuss Wüthrich. – Verwarnungen: 1. Mehidic, 25. Rossini, 34. Simic, 55. Urtic (alle Foulspiel).

So dauerte die Freude über den zweiten Saisontreffer von Garat, der nach 49 Minuten wegen einer Prellung am rechten Fuss ausgewechselt und durch den erst 17-jährigen Marco Corradi ersetzt werden musste, nur gerade 120 Sekunden.

Dann bezwang Chiassos Regisseur Said Ulisse Pelloni mit einem haltbaren Flachschuss aus 17 Metern. Das 1:1 zur Pause entsprach dem Spielverlauf. Und als Rückkehrer Igor Nganga zu Beginn der zweiten Halbzeit das 2:1 ganz knapp verpasst hatte, schien der neuerliche Führungstreffer der Aarauer nur eine Frage der Zeit zu sein.

Weit gefehlt! Der marokkanisch-französische Stürmer Bnou Marzouk Younes holte den Favoriten aus allen Träumen. Mit einem herrlichen Kopfballtreffer aus kurzer Distanz und einem Klasse-Fallrückzieher aus 15 Metern brachte er die Tessiner auf die Siegesstrasse. Und weil FCA-Torhüter Pelloni vor dem dritten Gegentreffer von Deniz Mujic ein haarsträubender Fehler unterlief, nahm das Unheil für den FC Aarau seinen Lauf.

Und obwohl der FC Aarau gegen Chiasso vor allem als Mannschaft versagt hat, stellt sich vor dem Luzern-Spiel insbesondere eine Frage: Steht Lorenzo Bucchi für den formschwachen Pelloni im Tor?

Lesen Sie den Spielverlauf im Liveticker von Patrick Haller nach:

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