Daniel Müller nahm einen grossen Schluck aus seiner Wasserflasche, als er sich lässig gegen das Pressehäuschen lehnte. Er lächelte zufrieden, denn soeben triumphierte Müller erstmals zu Hause, da wo er aufgewachsen ist und seine ersten Rennversuche ausübte. Auf seiner Aspi-Strecke. Der 48-jährige Murianer fuhr, sprang und driftete an diesem Pfingstmontag der gesamten Konkurrenz davon und gewann beide Rennläufe des diesjährigen Yamaha-Cups – mit Abstand.

Seine Lockerheit, die Müller auf dem Motorrad auszeichnet, präsentierte er auch abseits der Piste. Als er beispielsweise auf sein Alter angesprochen wird. «Das ist nicht so entscheidend», versicherte Müller, «viel entscheidender ist das Training.»

Tausende pilgern ans Pfingstmotocross in Muri

Tausende pilgern ans Pfingstmotocross in Muri

Beeindruckende Trophäensammlung

Währendem Müller seelenruhig über seine Person plaudert, nimmt er immer wieder Glückwünsche entgegen. «Du Teufelskerl», entgegnet ihm ein Gratulant. «Und das in diesem Alter», sagte ein weiterer bewundernd. Man kennt den Freiämter. Einerseits wegen seiner jahrelangen Mitgliedschaft im Motorradsportklub Muri, andererseits wegen seinem grossen Palmarès. Als er 1997 vom Motocross ins unbekannte Supermotard – ein Mix zwischen Motocross und Strassenrennsport – wechselte, reihte der 48-Jährige einen Erfolg an den nächsten: Deutscher Vizemeister, zweimaliger Meister in England, viermaliger Schweizer Meister und Dritter an einer Europameisterschaft.

Der Sieg in Muri ist gleichwohl nicht zu unterschätzen, denn dies ist das einzige Motocross-Rennen, das Müller während der Supermotard-Saison bestreitet. Dementsprechend zollte auch OK-Präsident Beat Gassmann dem Klubmitglied den gebührenden Respekt: «Daniel ist ein unglaublich ehrgeiziger und erfolgreicher Fahrer». Prinzipiell zog Gassmann ein positives Fazit zur diesjährigen Austragung: «Es ist wunderschön solch einen attraktiven und vor allem friedlichen Grossanlass durchführen zu dürfen.»

Stagnation bei Müller kein Thema

Rund 6000 Motorsportbegeisterte lauschten an diesem brütend heissen Tag den schier endlos heulenden Motoren, staunten über die waghalsigen Sprünge und scharten sich um den anspruchsvollen Aspi-Kurs. Eine Rennstrecke, die gewohnt ein international stark besetztes Teilnehmerfeld fordern konnte.

International ist Daniel Müller übrigens nur noch selten vertreten: «Reisen ins Ausland waren früher attraktiver. Der Supermotard-Sport stagniert leider.» Was hingegen noch nicht stagnieren mag, ist Müllers Karriere als Motorradsportler. Nächstes Jahr macht der Motocross-Zirkus zum 40. Mal einen Boxenstopp im Freiamt. Was gäbe es Schöneres, wenn da die Konkurrenten Müllers ein weiteres Mal nur sein Hinterrad zu sehen bekämen? Bekanntlich alles eine Frage des Trainings.