Challenge League
4:0 - Wohlen bekommt eine Abreibung im Letzigrund

Am dritten Spieltag gastiert der FCW beim Absteiger aus Zürich im Letzigrund. Nach gutem Start der Wohler bringt Sadiku die Zürcher nach 20 Minuten in Front ehe Winter und Rodriguez mit zwei sehenswerten Treffern noch vor der Pause nachdoppeln.

Calvin Stettler
Drucken
Teilen
FCZ- Wohlen
11 Bilder
Wohlen - Zürich (5)
Wohlen - Zürich (3)
Wohlen - Zürich (6)
Wohlen - Zürich (2)
Wohlen - Zürich (1)
Muslin und Kukeli kämpfen um den Ball.
Wohlen - FCZ (7)
Wohlen - FCZ (3)
Wohlen - FCZ (1)
Wohlen - FCZ (2)

FCZ- Wohlen

Keystone

Das Lachen, das Wohlens Torhüter Joël Kiassumbua zum Pausenpfiff aufsetzt, ist kein verschmitztes. Nicht so eines, das man aufsetzt, wenn man als Underdog den Favoriten fordert. Vielmehr ist es ein Lachen, an dem vor allem eines haftet: Ungläubigkeit. Gerade für ihn, der in den vergangenen zwei Spielen doch so viele gute Paraden ausgepackt hatte, ist dieser Abend ein besonders harter.

Sein Blick geht zum Goalie-Trainer. Ein Blick, der fragt, was man dagegen machen wolle. 0:3 liegt der FC Wohlen in diesem Moment zurück. Auch, weil zwei der drei Treffer schlicht Weltklasse waren. Sadikus Treffer in der 19. Minute war zwar noch Durchschnitt, jedoch mental wichtig. Während der ersten rund 20 Minuten spielte der FC Wohlen nämlich so, wie er das gerne gegen grosse Mannschaften tut: furchtlos, unbeschwert, keck.

Erwartet hat das der FCZ nicht. Man habe damit gerechnet, dass die Freiämter tiefer in ihrer eigenen Zone stehen werden, wird Roberto Rodriguez später zugeben. Getroffen hat aber der FCZ. Zuvor ist die Chance zur Wohler Führung sogar da, in der 15. Minute scheitert Stahel per Kopf. Da ist aber auch dieser Armando Sadiku, der die Wohler dann doch früh vom Traum des Punktgewinns im Letzigrund distanziert. Die Gäste aus der Fussballprovinz aber resignieren nicht. Sie laueren weiter auf Chancen, die beste hat Castroman in der 27. Minute. Sie bleiben alle ungenutzt. Und als der Ball in der 35. Minute dann im Zürcher Netz zappelt, will Schiedsrichter Fähndrich eine regelwidrige Aktion eines Wohlers gesehen haben.

Alte Probleme

Bereits früh in dieser Saison kämpft die Rueda-Elf mit einem altbekannten Problem: der Effizienz. Eine Stärke ist das – zumindest im ersten Durchgang – beim FC Zürich: Kurz vor der Pause fallen sie nämlich, die angesprochenen Traumtore: Erst Winter per volley, dann Rodriguez mit einem Schlenzer. Kiassumbua: schlicht chancenlos. Nur wenige Minuten braucht der FCZ, um die Zweiklassengesellschaft aufzuzeigen. Beschleunigt er einmal sein Spiel, verliert die Wohler Abwehr sofort die Contenance. Die Hauptproblematik besteht darin, dass die Freiämter meist zu zweit einen Zürcher attackieren müssen, um ihn unter Kontrolle zu haben und deshalb das Personal zum Kontern fehlt. Vor allem im zweiten Umgang wird das augenfällig. Ein weiteres Zürcher Tor kommt in der zweiten Halbzeit noch dazu. Es hätten noch viel mehr sein können, aber der FCZ schlampt im Abschluss, während die Freiämter Lebenszeichen rarer werden. Beim FC Wohlen mangelt es im zweiten Umgang an Energie, Raffinesse und individueller Klasse.

Die Zweiklassengesellschaft diskutiert nach Spielschluss trotz den guten Startminuten kein Freiämter weg. Dennoch ist Wohlen-Trainer Martin Rueda enttäuscht. Vor allem vom Resultat. «Wenn man im Letzigrund zu so guten Chancen kommt, dann muss man diese einfach machen.» Ausgerechnet die viel gelobte Verteidigung ist an diesem Abend ebenfalls alles andere als sattelfest. Wohlens Abwehrminister Florian Stahel, der in seiner Karriere über 200 Pflichtspiele für den FCZ bestritten hat, hat bei seiner Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte reichlich zu tun. Letztlich verdient sich kein Verteidiger an diesem Abend gute Noten. «In den ersten 180 Minuten der Saison kassieren wir keinen einzigen Treffer und jetzt gleich vier, das ist nicht gut», konstatiert Rueda.

Dennoch ein guter Saisonstart

Dennoch sei es insgesamt ein guter Saisonstart für den FC Wohlen. Vier Punkte aus drei Spielen sind in der Tat ordentlich. Zudem sagt Rueda einen Satz, der auch für die Moral der Spieler von Belang ist: «Dieses Spiel gegen den FCZ ist in allen Belangen etwas Spezielles.» Die Performance gegen Zürich als Referenz zu nehmen, wäre falsch. Die Moral werde darunter nicht leiden, versichert Rueda. Auch Goalie Kiassumbua sagt: «Wir müssen dieses Spiel nun vergessen. Es war ein Erlebnis, aber nun gilt es den Fokus auf Chiasso, unseren nächsten Gegner, zu richten. Gegen diese Teams müssen wir nämlich punkten.»

Für den FCZ ist dieser Sieg ein weiterer Schritt in seiner Mission Wiederaufstieg. Nach dem Auftaktsieg gegen Winterthur und dem 1:1 in Wil bringt der Triumph über die Aargauer die nächsten drei Punkte. Mit sieben Zählern steht er zumindest bis heute Nachmittag an der Spitze der Challenge-League-Tabelle. Gefeiert haben die Zürcher Fans an diesem Abend auch das Comeback von Marco Schönbächler, der wegen einer Verletzung knapp eineinhalb Jahre abwesend war. Alles in allem ein guter Abend für den FCZ.

Zürich - Wohlen 4:0 (3:0)

Letzigrund. – 10'187 Zuschauer. – SR: Fähndrich. – Tore: 19. Sadiku 1:0. 40. Winter 2:0. 44. Rodriguez 3:0. 83. Sadiku 4:0.

Zürich: Vanins; Brunner, Nef, Kecojevic, Voser; Sarr, Kukeli (67. Cavusevic); Winter (60. Schönbächler), Buff, Rodriguez (73. Marchesano); Sadiku.

Wohlen: Kiassumbua; Schmid, Stahel, Hajrovic, Kamber; Giampa (67. Foschini), Muslin; Castroman, Schultz (78. Minkwitz), Abegglen (60. Pacar); Dangubic.

Bemerkungen: Zürich ohne Favre, Janijcic, Stettler (alle U21), Brecher, Chiumiento und Kleiber (alle verletzt) sowie Cabral, Etoundi, Koné und Simonyan (alle nicht im Aufgebot). Wohlen ohne: Lotti, Seferi, Stutzer (alle nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 20. Rodriguez. 57. Kamber.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Aktuelle Nachrichten