Tennis
«3 von 100 000 haben wirklich Potenzial»

Jaime Fernandez half einst Nadal auf seinem Weg an die Weltspitze. Mit Referaten feierte der Berufsverband der Tennisunterrichtenden im Tenniscenter aarau-WEST seinen 80. Geburtstag.

Pia Schüpbach
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Aargauer Zeitung

«Das tut mir leid wegen Roger Federer. Ich hätte ihn gerne im Final gegen Rafael Nadal gesehen.» Damit punktete der Trainingswissenschafter Dr. Jaime Fernandez in seinem Referat bei den Zuhörern im Tenniscenter aarau-WEST.

Es war der Tag, nachdem Federer in Indian Wells den Halbfinal gegen Novak Djokovic verloren hatte. Allerdings hätte in einem allfälligen Final das Herz von Javier Fernandez nicht für Federer, sondern für Nadal geschlagen. Denn der Mann von der Uni Bochum hatte den Mallorquiner einst fit getrimmt.

Nun wollte Fernandez zum 80. Geburtstag der Swiss Professional Tennis Association (SPTA) den Schweizer Tennislehrern zeigen, wie sie ihre Schützlinge dank «High Intensity Training» noch besser fördern können. Die heutigen Topspieler seien physisch stärker und schneller als je zuvor.

Damit sich die Athleten in einem Match schnell von anstrengenden Sprints und Ballwechseln erholen, sollen bereits im Training hochintensive Einheiten den Puls in die Höhe jagen. Studien belegen, dass dank solcher Einheiten die Leistungsfähigkeit bis 10 Prozent steigt. Der Athlet ist also fitter.

Die vier Bedingungen für Erfolg

Intensives Training allein macht indes aus einem Tennisspieler noch lange keinen Federer. Das zeigte im anschliessenden Referat Dr.Lukas Zahner zum Thema «Talent-Sichtung im Tennis – die Schwierigkeit, die Richtigen zu finden».

Zahner ist Bereichsleiter Trainingswissenschaft im Institut für Sport und Sportwissenschaften an der Universität Basel. Drei von 100 000 Kindern hätten internationales Potenzial, führt Zahner aus. «Diese 0,003 Prozent suchen wir.»

Wer einen Federer entdecken will, muss wissen, welche Bedingungen für ein sportliches Talent möglichst ausgeprägt sein müssen. Zahner zählt vier auf. Zum Ersten die «genetische Talent-Komponente»: Was bringt ein Athlet körperlich mit?

Klar sei, dass ein Sprinter möglichst viele schnelle Muskelfasern brauche. Im Tennis hingegen sei es nicht so eindeutig. Unterschiedliche Spielertypen schaffen es an die Spitze. Was aber alle mitbringen müssen, ist als zweite Bedingung einen starken Willen. Nur wer alles dem Erfolg unterordne und belastungsresistent sei, werde ein Winnertyp.

Auch die Eltern müssen wollen

Zum Dritten muss das soziale Umfeld unbedingt mithelfen. «Ein ideales Tennistalent kriegt zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Häppchen», sagt Zahner. Das beginnt im Babyalter, sollten doch die Kleinen ihren Bewegungstrieb ausleben können und nicht stundenlang im Laufgitter eingesperrt sein.

Ein Schlüssel zum Erfolg sei die Bewegungsvielfalt. Und wenn der Papa jeden Abend mit einem Bier vor dem Fernseher sitzt, wird wohl aus Sohnemann nie ein Federer. «Eltern müssen Vorbilder sein.» Auffallend ist bei einem Talent zum Vierten, dass es in verschiedenen motorischen Bereichen plötzlich sprunghafte Fortschritte macht, die nicht auf körperliche Entwicklungsvorteile zurückzuführen seien.

Damit ist längst nicht garantiert, dass man genau die drei von 100 000 Kindern findet, die es schaffen könnten. «Die Entwicklungskurve von Jugendlichen verläuft sehr unterschiedlich. Das macht die Talentsichtung so schwer», sagt Zahner.