Die Stimmung im Brügglifeld ist gelöst. Beim Gang in die Katakomben nach dem 3:1-Sieg gegen Schaffhausen strahlen nicht nur die FCA-Spieler um die Wette. Der gesperrte Neuzugang Stefan Maierhofer hatte sich schon nach dem 3:1 durch Olivier Jäckle auf der Tribüne zum Freudentanz erhoben.

Jetzt, nach Abpfiff, umarmt auch Präsident Alfred Schmid jeden, der seinen Weg kreuzt. Am achten Spieltag ist der erste Saisonsieg endlich Tatsache. Direkt nach Abpfiff und wahrscheinlich auch heute noch ist den FCA-Spielern völlig egal, wie dieser Sieg zustande kam.

Platzverweis Nummer 1

Drei rote Karten führen am Dienstagabend zu drei Punkten. Den ersten Platzverweis spricht Fifa-Schiedsrichter Stephan Klossner nach 30 Minuten aus. Er sollte am meisten zu reden geben. Schaffhausens Captain Paulinho zieht Guiseppe Leo leicht am Trikot.

Nach kurzer Überlegung entscheidet Klossner auf Elfmeter und Gelb für den Übeltäter. Weil Paulinho das Foul nicht wahrhaben will, wird er Sekunden später wegen Reklamierens mit Gelbrot vom Platz gestellt. Nach Abpfiff beteuert der ehemalige FCA-Spieler, dass er auf keinen Fall gefoult habe.

Platzverweise Nummer zwei und drei

Die nächsten beiden Platzverweise gegen Jackson Mendy (Kopfnuss in der 66. gegen Miguel Peralta) und Arijan Qollaku (Doppelgelb für ein Foul und anschliessendes hämisches Klatschen, 68.) sind klarer. Trotzdem wütet FCS-Goalie Franck Grasseler: «Zweimal Gelbrot innert weniger Sekunden zu zeigen, ist nicht korrekt.»

Auch Schaffhausens-Trainer Boris Smiljanic wünscht sich «ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl». Schon in den letzten beiden Spielen gegen YB und Servette fühlte sich Schaffhausens Coach von den Unparteiischen benachteiligt. «Das ist nicht sauber, ich habe ein schlechtes Gefühl. Ich erwarte, dass beide Seiten gleich behandelt werden», so der Coach. Smiljanic sagt aber auch: «Heute will ich dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen. Wir haben uns mit Undiszipliniertheiten und schlechter Defensivarbeit selber geschlagen.»

Langes Warten auf die Entscheidung

Beim Stand von 2:1 für den FC Aarau und mit elf gegen acht ist das Spiel eigentlich gelaufen. Doch für die Aarauer ist die dreifache Überzahl eine ungewohnte Situation. Die Entscheidung durch Olivier Jäckle lässt lange auf sich warten. «Es war ein komplett anderes Spiel. Ich hätte mir gewünscht, dass wir das cleverer zu Ende spielen. Aber ich habe auch viel Gutes gesehen», sagt FCA-Trainer Patrick Rahmen.

Damit meint er vor allem die vielen herausgespielten Chancen und das solidarische Verteidigen der ganzen Mannschaft. Mit dieser Einstellung ist auch am Sonntag in Liechtenstein etwas drin. Matchwinner Jäckle warnt aber: «Wir werden in Vaduz nicht wieder drei rote Karten geschenkt bekommen.» Der Torschütze zum 3:1 will die Platzverweise gegen die Schaffhauser nicht bewerten, kann aber verstehen, «dass bei solchen Entscheidungen die Emotionen hochkochen».

Zwei weitere rote Karten, dann...

Bei einer vierten roten Karte gegen Schaffhausen wäre das Spiel übrigens noch weitergelaufen. Laut Regelwerk muss der Schiedsrichter die Partie nach der fünften roten Karte gegen ein Team allerdings abbrechen, weil pro Mannschaft mindestens sieben Akteure auf dem Feld stehen müssen. Ironie des Schicksals, dass es beinahe schon früher zum Forfait-Sieg für Aarau gekommen wäre.

Schuld war diesmal nicht das Flutlicht im Brügglifeld, sondern der Schaffhauser Bus. Weil dieser wegen eines Getriebeschadens stehen blieb, konnte das Team nicht weiterfahren. Nur weil sich der Unfall nahe Schaffhausen ereignete, konnte gerade noch rechtzeitig ein Ersatzbus organisiert werden. Das Spiel konnte dank dem Entgegenkommen der Aarauer Verantwortlichen mit halbstündiger Verspätung angepfiffen werden. «Zum Glück waren wir noch nicht weit weg. Wenn das bei Baden auf der Autobahn passiert, hätten wir wohl 0:3-Forfait verloren», sagt Smiljanic. Im Nachhinein hätte der Schaffhausen-Coach diese Variante wohl lieber gewählt.

Den Schwung nach Vaduz mitnehmen

Dem FC Aarau kann all das egal sein. Dort freuen sich Fans und Mannschaft über den Sieg. Am Sonntag (Anpfiff: 16.00 Uhr) geht es erhobenen Hauptes und hoffentlich ohne defekten Mannschaftsbus nach Vaduz. Mit einem Sieg dort und einer Niederlage Chiassos in Winterthur kann der FC Aarau sogar den letzten Tabellenplatz verlassen. Wer hätte das vor einer Woche noch geglaubt?

Highlight FC Aarau - FC Schaffhausen: 27. Miguel Castroman 0:1

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Highlight FC Aarau - FC Schaffhausen: 31. Goran Karanovic 1:1

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Highlight FC Aarau - FC Schaffhausen: 62. Varol Tasar 2:1

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Highlight FC Aarau - FC Schaffhausen: 87. Olivier Jäckle 3:1

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