HSC Suhr Aarau
29. Mai 2008: Die Geburtshelfer Dieter Camenzind und Beat Wernli fusionieren ihre Vereine

Dieter Camenzind und Beat Wernli fusionierten vor genau zehn Jahren ihre Vereine zum HSC Suhr Aarau. Der entstandene Verein hat seit dem 29. Mai 2018 einiges durchlebt. Wir lassen das Geschehene Revue passieren.

Dean Fuss
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Beat Wernli (r.) und Dieter Camenzind wiederholen den historischen Handschlag vor dem Casino-Saal des Hotels Storchen zehn Jahre danach für die «AZ».

Beat Wernli (r.) und Dieter Camenzind wiederholen den historischen Handschlag vor dem Casino-Saal des Hotels Storchen zehn Jahre danach für die «AZ».

André Albrecht

Sie begrüssen sich mit einem Handschlag. Es ist schon länger her, seit sie sich letztmals gesehen haben. Die Rede ist von Beat Wernli und Dieter Camenzind. Zwei Namen, die in der Aargauer Sportwelt ihre Spuren hinterlassen haben. Zwei Persönlichkeiten, die massgeblich an der Neustrukturierung der Handballszene im Westen des Kantons Aargau beteiligt waren beziehungsweise diese eigenhändig vorgenommen haben.

Auf den Tag genau zehn Jahre sind es am Dienstag her, dass der HSC Suhr Aarau aus der Taufe gehoben wurde. Entstanden ist der im Mittelfeld der NLA etablierte Klub am 29. Mai 2008 aus der Fusion des TV Suhr mit dem BTV Aarau Handball. Damals präsidiert von Beat Wernli (Suhr) und Dieter Camenzind (Aarau).

Drei Generalversammlungen an einem Abend

Das Treffen der beiden HSC-Initianten findet im Hotel Storchen in Schönenwerd statt. Und das hat einen einfachen Grund: Es ist der Ort, an dem vor zehn Jahren die Fusion endgültig beschlossen wurde – gleich drei Generalversammlungen (GV) waren dafür an nur einem Abend nötig.

Zuerst mussten sowohl der TV Suhr als auch der BTV Aarau Handball an je einer parallel stattfindenden GV der Fusion zustimmen, bevor im Anschluss der HSC Suhr Aarau mittels eigener GV gegründet werden konnte. «Es gab keinen ‹Plan B›», sagt Wernli. «Wir waren überzeugt, dass wir die Fusion gut aufgegleist haben.»

Am 30. April 2008 berichtete die «AZ» erstmals über die anstehende Fusion des TV Suhr mit dem BTV Aarau Handball zum HSC Suhr Aarau.

Am 30. April 2008 berichtete die «AZ» erstmals über die anstehende Fusion des TV Suhr mit dem BTV Aarau Handball zum HSC Suhr Aarau.

Zur Verfügung gestellt

Dass dem tatsächlich so war, zeigte sich an besagtem GV-Marathon-Abend: Sowohl die Stimmberechtigten des BTV Aarau Handball als auch des TV Suhr segneten das Vorhaben mit grosser Mehrheit ab – beim BTV bei einer Enthaltung sogar ohne eine einzige Gegenstimme.

Frühmorgendliche Gespräche

Natürlich, ohne kritische Stimmen ging es damals nicht. Und – zumindest vereinzelt – es gibt diese auch heute noch. «Aber das gehört halt bei einem solchen Projekt dazu», sagt Camenzind. Gerade für «seinen» Verein war die Fusion so etwas wie die letzte Rettung.

Zwar verfügte der BTV Aarau Handball über viele Junioren, es fehlte aber an Aktiven und an Leistungssport. Umgekehrt war es beim TV Suhr. Hier fehlte es an Möglichkeiten für den Breitensport. Die Fusion als Konsequenz eigentlich nichts als logisch.

«Fast konspirative Sitzungen»

Trotzdem: Ob die beiden passenden Puzzleteile ohne Wernli und Camenzind bereits 2008 zusammengefunden hätten, ist heute schwierig abzuschätzen. Auf jeden Fall trat Camenzind rund ein Jahr vor der Fusion über einen Mittelsmann an Wernli heran.

Die beiden Präsidenten heckten während frühmorgendlicher Treffen im Aarauer Restaurant Schützen einen Plan für die Zukunft aus. «Das waren fast schon konspirative Sitzungen», sagt Wernli lachend. Aus der Idee einer engen Zusammenarbeit wurde bald eine Fusion. «Als wir diesen Entschluss gefasst hatten, haben wir zügig vorwärtsgemacht.»

Saison 2017/18 Der HSC schafft die Bestätigung der Vorsaison, qualifiziert sich für die Finalrunde – und damit auch gleich für die Playoff-Viertelfinals. Dort verkauft man die eigene Haut gegen den Favoriten Kadetten Schaffhausen zwar teuer, verliert die Serie aber mit 0:3 klar.
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Saison 2016/17 Der HSC Suhr Aarau begeistert als Aufsteiger mit starken Auftritten, fegt unter anderem auswärts die Kadetten mit 33:24 weg. In der Finalrunde reicht es dann in zehn Partien nur noch für zwei Punkte. Der HSC verpasst die Playoffs als Sechster.
Saison 2015/16 Suhr Aarau sichert sich den direkten Wiederaufstieg in die NLA mit einem Unentschieden gegen Endingen im letzten Saisonspiel. Aber: Der TVE legt wegen eines Zeitnehmer-Fehlers Protest ein, das Wiederholungsspiel gewinnt der HSC – und steigt doch auf.
Saison 2014/15 Der HSC Suhr Aarau tut sich als Aufsteiger schwer. In den 18 Spielen der Hauptrunde reicht es bei zwölf Niederlagen für nur zwei Siege. Trotz besseren Auftritten in der Abstiegsrunde ist das am Ende zu wenig: Der HSC muss gleich wieder zurück in die NLB.
Saison 2013/14 Der Kanton Aargau stellt gleich fünf der insgesamt 14 NLB-Teams. Der HSC Suhr Aarau und der TV Endingen liegen Ende der Hauptrunde punktemässig gleichauf – der HSC steigt wegen des besseren Torverhältnisses in die NLA auf.
Saison 2012/13 Der HSC Suhr Aarau spielt nach dem Abstieg eine gute Saison, klassiert sich in der Hauptrunde nur zwei Punkte hinter Aufsteiger Altdorf. In der Auf-/Abstiegsrunde unterliegt der HSC GC Amicitia in Hin-/Rückspiel mit minus 8 Toren und verpasst den direkten Wiederaufstieg.
Saison 2011/12 Der TVE ist wieder da, wieder gewinnt der HSC inklusive Abstiegsrunde drei Aargauer Derbys, das vierte endet unentschieden. Bringen tut es aber nichts: Zwar klassiert sich Suhr Aarau in der Abstiegsrunde vor Endingen, aber beide Klubs steigen ab.
Saison 2010/11 Neue Saison, dasselbe Ende: Der HSC Suhr Aarau verpasst die Finalrunde einmal mehr und muss wie in den beiden Vorjahren in die Abstiegsrunde. Dort sichert sich der Verein den Ligaerhalt – ebenfalls wie in den Vorjahren – als Drittplatzierter.
Saison 2009/10 Nach dem Aufstieg des TV Endingen kommt es wieder einmal zum Aargauer Derby: Der HSC gewinnt drei Mal, ein Mal endet es Unentschieden. Den Ligaerhalt gibt es für Suhr Aarau in der Abstiegsrunde erneut als Dritter – der TVE steigt derweil wieder ab.
Saison 2008/09 In seiner ersten Saison verpasst der Fusions-Verein HSC Suhr Aarau nach einer mässigen Hauptrunde die Finalrunde deutlich. Den Ligaerhalt sichert sich das neue Konstrukt als Drittplatzierter der Abstiegsrunde dann aber mehr oder weniger souverän.

Saison 2017/18 Der HSC schafft die Bestätigung der Vorsaison, qualifiziert sich für die Finalrunde – und damit auch gleich für die Playoff-Viertelfinals. Dort verkauft man die eigene Haut gegen den Favoriten Kadetten Schaffhausen zwar teuer, verliert die Serie aber mit 0:3 klar.

Alexander Wagner

Der TV Suhr und der BTV Aarau Handball waren sich schon kurz nach der Jahrtausendwende sehr nahe gestanden, als Letzterer in der NLB als Farm-Team des damaligen Spitzenteams aus der kleineren Nachbargemeinde fungierte. Die grosse Rivalität aus früheren Zeiten, als beide Vereine noch als Spitzenteams in der NLA unterwegs waren, bestand 2008 schon lange nicht mehr.

Verein mit doppelter Heimat

Als cleveren Schachzug bezeichnen Wernli und Camenzind den Namen des neuen Vereins. «Wir wollten gar nicht erst Diskussionen aufkommen lassen, ob das neue Konstrukt ein Aarauer oder ein Suhrer Verein ist», sagt Wernli.

Dass Suhr vor Aarau platziert wurde, darf durchaus als Anerkennung des damaligen Standings der beiden Fusionspartner verstanden werden. Im neuen Vorstand war der ehemalige TV Suhr stärker vertreten, mit Wernli stellte er auch den Präsidenten des HSC Suhr Aarau, Camenzind wurde zu seinem Vize.

Als ebenso clever stellte sich heraus, dass die neue Führung in den Statuten sowohl Suhr als auch Aarau als Sitz des neuen Vereins vermerkt hatte. So wurde er in beiden Gemeinden als heimischer Ortsverein behandelt.

Zufrieden mit der Entwicklung

Sowohl Wernli als auch Camenzind sind sehr zufrieden damit, wie sich der HSC Suhr Aarau seit seiner Gründung vor zehn Jahren entwickelt hat. «Sportlich steht der Verein heute da, wo ich ihn auch hätte haben wollen», sagt Wernli. Ähnlich sieht es auch Camenzind: «Hut ab! Da wird sehr gut gearbeitet.»

Selber sind die beiden nicht mehr so häufig bei Spielen des HSC anzutreffen. Beiden fehlt dafür aus familiären Gründen etwas die Zeit. Ihre Ämter beim HSC haben sie nach zwei (Camenzind) beziehungsweise drei (Wernli) Jahren abgegeben. Seit Letzterer auch noch das Präsidium der Swiss Handball League (SHL) abgegeben hat, sind sie beide einfach noch Fans.

Und vielleicht begrüssen sich die beiden Geburtshelfer des HSC Suhr Aarau ja bald wieder einmal in der Aarauer Schachenhalle.

Partnerklub HV Olten soll in die NLB

Der HSC Suhr Aarau strebt in Zukunft in Richtung nationaler Spitze. Das hat der Verein im November des vergangenen Jahres mitgeteilt – zeitgleich mit der öffentlichen Bekanntgabe, dass der Vertrag mit Cheftrainer Misha Kaufmann vorzeitig und langfristig verlängert worden sei.

«Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir heute stehen», sagt HSC-Geschäftsführer Lukas Wernli, der trotz desselben Nachnamens nicht mit Beat Wernli (siehe Haupttext) verwandt ist. Die auf fünf Jahre veranschlagte Zukunfts-Strategie des HSC fusst auf drei Säulen:

- finanzielle Stabilität

- schrittweise sportliche Weiterentwicklung

- kontinuierliche Integration von Eigengewächsen ins NLA-Team

In Sachen Weiterentwicklung gibt es auf die neue Saison hin ein wichtiges Ziel: Der HSC Partnerklub HV Olten soll in der neuen Spielzeit von der 1. Liga in die NLB aufsteigen.

Das soll es den Verantwortlichen von Suhr Aarau ermöglichen, aufstrebende Talente im Partnerverein zu Spielpraxis in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse kommen zu lassen. Bis anhin müssen sie dafür an vom HSC komplett unabhängige Klubs ausgeliehen werden.

In unmittelbarer Zukunft steht im Zeichen des zehnjährigen Bestehens des HSC Suhr Aarau noch die eine oder andere Jubiläumsaktivität auf dem Programm. «Wir sind am Ausarbeiten, stattfinden dürfte das dann zu Saisonbeginn», sagt HSC-Geschäftsführer Lukas Wernli. (dfs)

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