Weshalb wir vor bald acht Jahren nicht Meister wurden? Weil «Wuschu» zu spät nach Bern kam: Christoph Spycher. Er stiess im Sommer 2010 zu den Young Boys. Wäre er schon im Winter gekommen, YB hätte den Titel geholt.

Es war der Winter, in dem die schlaue Basler Führung die Meisterschaft mittels Psychotrick entschied: Fies lotste sie den Schalter und Walter im YB-Spiel, Gilles Yapi, nach Basel. Auf Ende der Meisterschaft … Noch war er in Bern.

Doch YB-Verwaltungsräte mit wenig Sachverstand verboten dem Trainer Vladimir Petković, Yapi noch einzusetzen. Mal gehorchte Petković, mal nicht. Jedenfalls verlor er die Furchtlosigkeit, mit der er noch im Herbst so prickelnden Fussball hatte spielen lassen. Er begann zu zaudern, die Verunsicherung erfasste das Team, schliesslich ging die Finalissima verloren. Wieder hatte YB sich im letzten Moment abfangen lassen.

Mit «Wuschu» hätte es gereicht. Mit seiner Einstellung, seiner Spielstärke. Selbst gegen das Karriereende war er noch ein wunderbarer Aussenläufer und seiner Zeit so offensiv, wie er die Position interpretierte, voraus. Das Schönste am Spieler Spycher war, dass sein Horizont übers Spielfeld hinausreichte. Als seine Frau das zweite Kind erwartete und er ein Auswärtsspiel sausen liess, weil er die Geburt auf keinen Fall verpassen wollte, versuchte der «Blick» daraus einen Skandal von wegen «unprofessioneller Einstellung» zu basteln. Spycher machte dem Blatt kurzum klar: «Es gibt wichtigere Dinge als Fussball.» Eine Persönlichkeit, die das Team stabilisiert und mitgerissen hätte.

In der Bundesliga hatte der nette Kerl auch gelernt, vor Kameras nur zu sagen, was er verraten will. Ein Kumpel, aber einer mit Pokerface. Seit siebzehn Monaten ist er nun Sportchef, und schon im allerersten Interview gab er dem Verwaltungsrat, der ihn eben eingesetzt hatte, zu verstehen, dass er keine Einmischung in fussballerische Belange dulden würde.

Neu paart er, als Berner eine Idealfigur, seine Popularität mit Autorität. Er hat die richtigen Spieler geholt und liess die richtigen ziehen, er wirkte gemeinsam mit Scout Stéphane Chapuisat auf eine frankophone Atmosphäre hin und schuf zusammen mit Trainer Adi Hütter ein Klima, das Meister macht.

Der Fall Yapi hat sich nicht wiederholt. Schon hat YB unglaubliche acht Punkte Vorsprung … Mag sein, dass «Wuschu» einst ein halbes Jahr zu spät nach Bern kam. Doch er holt das Verpasste jetzt nach. Und im Sommer werden wir sagen können: «Wuschu» kam zum genau richtigen Zeitpunkt.