Schwein gehabt - FC Aarau! Zwei Mal trifft Schaffhausen-Spielmacher Castroman Mitte der zweiten Halbzeit den Pfosten, der Führungstreffer zum 2:1 wäre für das Heimteam verdient. Doch dann folgt der grosse Auftritt von Varol Tasar: Der Flügelspieler, der nach der Saison zum frischgebackenen Super-League-Aufsteiger Servette wechselt, schnappt sich in der 79. Minute auf Höhe der Mittellinie den Ball, schüttelt auf dem Weg zum gegnerischen Strafraum vier Gegenspieler ab und trifft mit einem herrlichen Schlenzer in die entfernte Ecke zum 2:1 für die Gäste. Ein absolutes Traumtor! Und ausgerechnet Tasar erzielt es, von dem in dieser Partie bislang nichts zu sehen war. Doch Ausnahmekönner sind nun mal in der Lage, aus dem Nichts ein Spiel zu entscheiden. 

Der Jubel in den Aarauer Reihen nach dem 2:1 ist grenzenlos. Im Gästeblock sind die über 500 mitgereisten FCA-Fans aus dem Häuschen. Und als Schiedsrichter Lionel Tschudi eine Viertelstunde später die Partie abpfeift, brechen alle Dämme. Die Fans fordern die Mannschaft sogar nochmals aus der Garderobe aufs Spielfeld, obwohl schon einige Spieler unter der Dusche stehen. 

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - 2:1 für FC Aarau von Varol Tasar (Assist: Gianluca Frontino)

Challenge League 18/19 Runde 33: FC Schaffhausen - FC Aarau 11.5.19 - 2:1 für FC Aarau von Varol Tasar (Assist: Gianluca Frontino)

Mit dem Sieg in Schaffhausen hat Aarau die Steilvorlage verwertet, die Servette einen Tag vorher mit dem 3:1 gegen Lausanne gespielt hat. Drei Runden vor Schluss liegt der FCA erstmals in dieser Saison auf Rang 2, einen Punkt vor Lausanne, und kann die Barrage nun aus eigener Kraft erreichen.

Der Weg der Aarauer auf den Barrage-Platz liest wie ein Märchen. Nach sechs Spieltagen hatte das Team von Trainer Patrick Rahmen noch keinen Punkt auf dem Konto. Noch verheerender die Bilanz nach dem 11. Spieltag: Vier Punkte und abgeschlagen Tabellenletzter. 

Trainer Patrick Rahmen über das FCA-Märchen und das harte Stück Arbeit in Schaffhausen

Trainer Patrick Rahmen über das FCA-Märchen und das harte Stück Arbeit in Schaffhausen

Es folgte an Spieltag 12 der 2:0-Heimsieg gegen Wil und mit ihm eine Aufholjagd, die in der jüngeren Schweizer Fussballgeschichte seinesgleichen sucht. Von den vergangenen 22 Spielen hat der FCA nur eines verloren, aber 16 (!) gewonnen und fünf Mal Unentschieden gespielt. In Punkten ausgedrückt: Seit dem 11. Spieltag hat Aarau 53 (!) Punkte geholt. Vor der Aufholjagd betrug der Rückstand auf Lausanne 16 Zähler, nun liegt Aarau einen Punkt vor den Waadtländern.

Zurück zum Spiel in Schaffhausen, wo der FCA einen Traumstart erlebte. Angestachelt durch die Lausanne-Pleite in Genf, setzte das Rahmen-Team die Schaffhauser von Anfang an unter Druck und erzielte in der 12. Minute durch Elsad Zverotic das 1:0. Der Captain übernahm nach einem Ballgewinn von Karanovic das Leder, wartete geschickt, bis ihm Maierhofer die Schussbahn freilief und traf dann unwiderstehlich mit einem Flachschuss aus 18 Metern.

Nach dem frühen 1:0 schien alles aufgegleist für die nächste FCA-Gala. Doch es war der FC Schaffhausen, der mit Fortdauer der Partie das Zepter übernahm. Bis zur Pause noch ohne sich Torchancen zu erarbeiten, erst nach dem Seitenwechsel wurden die Munotstädter zwingend. Nach einer Flanke von Paulinho enteilte Tranquilli im Strafraum dem Aarauer Jäckle und traf per Kopf zum 1:1. In dieser Phase musste der FCA untendurch und beanspruchte alles Glück der Welt, dass die zwei Schüsse von Castroman am Pfosten und nicht im Tor landeten.

Und dann kam der grosse Auftritt von Varol Tasar, der mit der zweiten Aarauer Torchance die Partie entschied.

Als neuer Tabellenzweiter empfängt der FC Aarau am kommenden Mittwoch im Brügglifeld den Aufsteiger SC Kriens, gegen den das erste Heimspiel in dieser Saison am dritten Spieltag 0:2 verloren ging. Gleichzeitig trifft Lausanne auf den FC Schaffhausen, wobei Letzterem mit einem ähnlich guten Auftritt wie gegen Aarau ein Punktgewinn gegen die angezählten Waadtländer zuzutrauen ist.

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