2. Liga
«Spieler waren sofort begeistert von ihr»: Beim FC Fislisbach hat jetzt eine Frau das Sagen

In der 2. Liga ist es am Samstag zur Premiere gekommen, mit Ramona Armuzzi gab erstmals eine Cheftrainerin ihr Debüt. Doch obwohl sie beim FC Fislisbach als Glücksgriff bezeichnet wird, ist sie sich noch nicht sicher, ob sie das Zepter behalten möchte.

Nik Dömer
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Ramona Armuzzi coacht ihr Team zu einem 4:1-Sieg gegen den FC Lenzburg.

Ramona Armuzzi coacht ihr Team zu einem 4:1-Sieg gegen den FC Lenzburg.

Alexander Wagner

Es ist eine grosse Überraschung, die sich am letzten Samstag im Stadion Esp abspielt! Der FC Fislisbach schlägt den FC Lenzburg zum Saisonstart deutlich mit 4:1. Doch das Resultat ist nicht das Einzige, das an diesem Abend verblüfft. An der Seitenlinie sorgt nämlich auch eine Person für Aufsehen: Ramona Armuzzi. Sie ist die erste Cheftrainerin der Aargauer 2. Liga.

Geplant war diese Premiere eigentlich nicht. Christian Jäggi war bis kurz vor dem Saisonstart noch als Trainer im Amt. Doch eine Woche vor dem ersten Spiel zog Sportchef Christian Umbricht die Reissleine: «Ich spürte, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht. Die Körpersprache war in den Testspielen nicht gut, deshalb haben wir uns für diesen Schritt entschieden.»

Natürlich wusste Umbricht dabei auch, dass sich die perfekte Lösung bereits seit Sommer 2020 im Coaching-Staff befindet: Ramona Armuzzi. «Jäggi hat sie selbst zu uns geholt. Er sagte damals, dass sie eigentlich zu gut für den Job als Assistentin ist. Sie gestaltete von Anfang an die Trainings mit, brachte neue Ideen und Methoden mit ein, die wir so noch gar nicht kannten. Die Spieler waren sofort begeistert von ihr.»

Armuzzi wird beim FC Fislisbach seit einem Jahr sehr geschätzt.

Armuzzi wird beim FC Fislisbach seit einem Jahr sehr geschätzt.

Alexander Wagner

Armuzzi steht nicht gerne im Rampenlicht

Dass Armuzzi nun auch die erste Cheftrainerin in der Aargauer 2. Liga ist, war Umbricht gar nicht bewusst: «Für uns gibt es nicht ‹Mann oder Frau›, sondern ‹gut oder schlecht›. Klar, wir waren zuerst auch skeptisch, als wir hörten, dass Jäggi eine Frau holen möchte, doch die Zweifel waren bereits nach dem ersten Training weg. Wir merkten, dass sie fachlich und auch menschlich grosse Klasse hat und ein absoluter Glücksgriff für uns ist.»

Trainerin Armuzzi feiert ihr gelungenes Debüt.

Trainerin Armuzzi feiert ihr gelungenes Debüt.

Alexander Wagner

Umbricht ist sich sicher, dass die Trainerin die Mannschaft weiterbringen wird. Sofern sie dann auch wirklich möchte, denn vorerst hat sie nur als Übergangslösung zugesagt. Die Zürcherin steht nämlich nicht gerne im Rampenlicht.

Mehrfache Meistertrainerin mit dem GC-Nachwuchs

Dass sich dies als einzige Trainerin der 2. Liga jedoch nicht immer vermeiden lässt, ist ihr durchaus bewusst: «Ich wurde von der Anfrage etwas überrumpelt. Ich habe gar nie beabsichtigt, den Posten als Cheftrainerin zu übernehmen und mich entsprechend auch nicht damit befasst. Deshalb muss ich nun zuerst für mich herausfinden, ob ich der Rolle gewachsen bin und ob ich das überhaupt möchte.»

Ramona Armuzzi prägte zwölf Jahre lang den GC-Nachwuchs.

Ramona Armuzzi prägte zwölf Jahre lang den GC-Nachwuchs.

Alexander Wagner

Auch wenn sich die Trainerin vorerst zurückhaltend gibt, ist klar, an Kompetenz mangelt es ihr bestimmt nicht. Denn ihre bisherige Vita beim Nachwuchs der GC-Frauen ist beeindruckend. Armuzzi war während zwölf Jahren an der Entwicklung der Abteilung massgeblich beteiligt und trainierte praktisch sämtliche Stufen.

Mit der U18-Auswahl erreichte sie zwei Meistertitel und drei Vizemeisterschaften. Trotzdem bleibt sie bescheiden: «Es sind schon Welten zwischen der Nachwuchsförderung und dem Amateurfussball bei den Männern. Bei den Juniorinnen steht die Entwicklung im Vordergrund, bei den Herren sind es dann eher die Resultate.»

Nebenbei seien auch andere Dinge wichtig. Zum Beispiel die dritte Halbzeit: «Ich weiss das, ich lebe seit 25 Jahren mit einem Mann zusammen, der einst selber in der 2. Liga gespielt hat», sagt die 48-jährige Trainerin schmunzelnd.

Traumstart gegen Lenzburg

Erste Anzeichen, dass Armuzzi noch etwas länger beim FC Fislisbach im Amt bleiben könnte, waren beim 4:1-Sieg gegen Lenzburg ersichtlich: «Fast schon ein märchenhafter Start. Ich war zwar brutal nervös, aber ich habe gespürt, dass die Mannschaft hinter mir steht.»

Der FC Fislisbach fährt gegen Lenzburg die ersten drei Punkte ein.

Der FC Fislisbach fährt gegen Lenzburg die ersten drei Punkte ein.

Alexander Wagner

Nach knapp zehn Tagen im Amt zieht sie ein positives Fazit: «Ich möchte mich jetzt nicht neu beweisen müssen, nur weil ich die erste Frau bin. Die Spieler kennen und schätzen mich und meine Methoden bereits. Wir machen nun einfach weiter wie bisher, der Rest wird sich dann von alleine ergeben», erklärt Ramona Armuzzi.

Kleine Perle aus dem Debüt-Spiel von Armuzzi: Fislisbach-Neuzugang Toma Culjak zimmert den Ball per Freistoss hinter der Mittellinie ins Tor:

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