2. Liga Inter
Nach Mancinis Vorbild: Der FC Mutschellen will sich in der 2. Liga inter etablieren

Sergio Colacino hat mit seinem FC Mutschellen den Aufstieg in die 2. Liga inter geschafft. Nun will der italienische Trainer mit viel Kontinuität den Klassenerhalt erreichen, dabei schwört er auf die Werte des Europameisters.

Nik Dömer
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Sergio Colacino reiht mit dem FC Mutschellen Erfolg an Erfolg.

Sergio Colacino reiht mit dem FC Mutschellen Erfolg an Erfolg.

Alexander Wagner

Es war der perfekte Fussballsommer, zumindest für Sergio Colacino. Erst machte der italienische Trainer mit dem FC Mutschellen im Juni die Überraschung perfekt und stieg als Meister in die 2. Liga inter auf. Zwei Wochen später krönte sich Italien zum Europameister. «Ich konnte gar nicht mehr aufhören mit dem Jubeln», sagt der einstige Meisterheld mit St. Gallen schmunzelnd.

Dass Italien ausgerechnet während seines Urlaubs auf Sardinien den EM- Titel gewann, war dann fast schon ein wenig kitschig. Denn die Verbundenheit zwischen der «Squadra Azzurra» und Colacino ist nicht nur familiärbedingt gross, sondern auch, weil er in Italien-Trainer Roberto Mancini ein Vorbild sieht: «Ich freue mich sehr für ihn. Seine Bescheidenheit imponiert mir. Ausserdem sind seine Werte und seine Mentalität, die er der Mannschaft weitergegeben hat, auch mir sehr wichtig.»

Colacino darf Ende Juli den Aufstieg bejubeln.

Colacino darf Ende Juli den Aufstieg bejubeln.

Alexander Wagner

Colacino sieht dabei auch viele Parallelen zwischen seinem FC Mutschellen und der italienischen Nationalmannschaft: «Mancini hat ein tolles Team geformt mit Spielern, die keine Allüren haben. Natürlich gibt es individuell hervor­ragende Spieler, aber die Mannschaft steht wie bei uns im Vordergrund. Auch die taktische Variabilität und die Underdog-Mentalität verbindet uns. Auch wenn wir natürlich auf einer ganz ­anderen Ebene den gleichen Sport be­treiben.»

Tatsächlich verwies Colacino zuletzt auch ab und an bei der Ansprache in der Garderobe an die Stärken der ­Italiener. Und er wird es wohl auch in Zukunft machen: «Ich möchte Spieler, die den Erfolg des Teams in den Vordergrund stellen und alles füreinander ­geben. Zudem will ich taktisch flexibel sein, damit wir uns jedem Gegner anpassen können. Solche Dinge sind mir wichtig beim FC Mutschellen. Und das wird auch so bleiben.»

Mutschellen will ohne bezahlte Spieler den Ligaerhalt schaffen

Colacino ist sich dabei bewusst, dass er zur kommenden Saison mit seiner Mannschaft nochmals eine Schippe drauflegen muss, sofern das Ziel Ligaerhalt erreicht werden soll. «Wir dürfen uns nichts vormachen. Der kleine FC Mutschellen hat nicht die finanziellen Möglichkeiten wie die meisten Teams dieser Liga. Wir bezahlen keine Spieler, wir hätten die Mittel dazu gar nicht. Entsprechend können wir auch keine Akteure zu uns locken, die ein Spiel im Alleingang entscheiden können. Wir müssen und wollen andere Lösungen finden.»

Keine Söldner: Beim FC Mutschellen haben die Spieler einen Bezug zu Verein und Region.

Keine Söldner: Beim FC Mutschellen haben die Spieler einen Bezug zu Verein und Region.

Alexander Wagner

Der 43-jährige Trainer hat einen Plan, wie er das anstellen möchte: «Unser Spiel hat noch Entwicklungspotenzial, zudem will ich die Spieler im physischen und läuferischen Bereich noch mehr fordern. In der 2. Liga inter brauchen die Gegner weniger Chancen, um ein Tor zu erzielen, Fehler werden schneller bestraft. Darauf will ich vorbereitet sein.»

Grundsätzlich vertraut Colacino seiner bestehenden Mannschaft, die in dieser Sommerpause nur wenige Abgänge zu verzeichnen hatte: «Drei Spieler von uns legen eine Pause ein, darunter mit Timon Groth auch eine Stammkraft. Aber ich denke, wir haben dennoch die Qualität, um auch in der 2. Liga inter zu bestehen.»

Offensivspieler Roger Pfyl soll auch in der kommenden Saison den Gegenspieler davonziehen.

Offensivspieler Roger Pfyl soll auch in der kommenden Saison den Gegenspieler davonziehen.

Alexander Wagner

In­zwischen hat der Trainer nämlich zusätzlich an der Breite des Kaders gefeilt. Namentlich stossen Nic Keller, Alejandro Scheifele, Leonardo Nascimento und Gianluca Sforza zum Kader hinzu. Alle vier Spieler haben bereits eine Vergangenheit beim FC Mutschellen: «Bei uns haben fast alle Spieler einen Bezug zum Verein. Diese Verbundenheit zum FC Mutschellen und der Region ist auch unser Erfolgsrezept. Daran wollen wir festhalten.»

Mit akribischer Vorbereitung will der Trainer den Erfolg ermöglichen

Und dann wäre da noch Colacino selbst, der grosse Ansprüche an sich selber setzt und sagt: «Wenn wir Spiele verlieren, weil wir das schlechtere Team auf dem Platz waren, dann ist das okay. Aber ich will keine Spiele verlieren, weil wir nicht optimal vorbereitet waren.»

Der FC Mutschellen testet in der Vergangenheit öfters gegen höcherklassierte Teams wie Zofingen, Schöftland oder Muri.

Der FC Mutschellen testet in der Vergangenheit öfters gegen höcherklassierte Teams wie Zofingen, Schöftland oder Muri.

Alexander Wagner

Colacino führt aus: «Ich möchte alle Gegner kennen, bevor wir gegen sie spielen. Natürlich ist das ambitioniert, ich werde viel reisen müssen in den nächsten Wochen. Aber ich möchte ­diesen Sondereffort leisten, weil wir nur so erfolgreich in dieser Liga bestehen können.»

Einige Gegner hat Mutschellen bereits in vergangenen Jahren kennen gelernt. Teams wie Zofingen, Schöftland und Muri waren regelmässige Testspielpartner. «Wir haben in diesen ­Partien jeweils gemerkt, dass wir gegen diese besser klassierten Teams mit­halten können. Klar waren das nur Testspiele, aber sie geben uns Selbstvertrauen.»

Mutschellens Trainer freut sich besonders auf das Heimspiel gegen Muri: «Wir haben in dieser Liga eigentlich kein richtiges Derby, aber die Partien gegen Muri dürften aufgrund der Nähe schon sehr lukrativ und hitzig werden. Ausserdem findet das Spiel genau während unseres Jubiläumsfests statt. Das könnte eine Riesenstimmung geben.»

Keine persönlichen Pläne

Stellt sich noch die Frage, wie lange der FC Mutschellen auf seinen Erfolgscoach bauen darf. Etablierung in der 2. Liga, Cupsieg und jetzt der Aufstieg: Seit Colacinos Übernahme vor vier ­Jahren geht es mit Mutschellen bergauf. Klopfen nun grössere Vereine an?

Colacino hat noch eine Saison Vertrag beim FC Mutschellen.

Colacino hat noch eine Saison Vertrag beim FC Mutschellen.

Alexander Wagner

Doch Colacino winkt ab. «Ich gehe ohne ­persönliche Pläne in diese Saison. Der Fokus gilt dem Klassenerhalt, danach schaue ich weiter. Ich werde erst gegen Ende der Saison meine Situation beurteilen. Entscheidend für mich ist, was der Verein und meine Familie will und dass die Mentalität und Persönlichkeit des Teams und des Staffs zu den Werten des Vereins passen.»

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