2. Liga
«Früher wurde gekämpft bis aufs Blut»: Das Derby zwischen Brugg und Windisch geht in die nächste Runde

Die beiden Aufsteiger FC Brugg und der FC Windisch pflegen schon lange eine grosse Rivalität, nun werden die Lokalrivalen ihr Derby in der 2. Liga austragen. Das bringt für beide Vereine auch Vorteile mit sich.

Nik Dömer
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Einst im gleichen Team, nun Derby-Gegner: Angelo Ponte (l.) und Ivo Keller.

Einst im gleichen Team, nun Derby-Gegner: Angelo Ponte (l.) und Ivo Keller.

Alex Spichale / SPO

Während es früher hart zur Sache ging, ist der Umgang heute etwas milder geworden. Eine Bereicherung für den Aargauer ­Regionalfussball ist das Derby zwischen dem FC Windisch und dem FC Brugg allerdings immer noch. Weil beide Mannschaften den Aufstieg in die 2. Liga geschafft haben, kommt es auch in der neuen Saison zum Duell der Lokalrivalen.

Das bisher letzte Derby im vergangenen September ging an den FC Windisch. Der Ligaprimus in der Gruppe 2 der 3. Liga setzte sich in Brugg mit 3:1 durch. «Das war eine knifflige Aufgabe, die Jungs waren nervös, obwohl wir in dieser Phase Sieg an Sieg reihten. Aber man merkt halt schon, dass diese Lokalrivalität etwas mit den Spielern macht. Da geben alle 120 Prozent, früher war es aber noch hitziger», erklärt Windisch-Trainer Angelo Ponte.

Angelo Ponte spielte zehn Jahre lang für den FC Windisch.

Angelo Ponte spielte zehn Jahre lang für den FC Windisch.

Alexander Wagner / SPO

Wenn Angelo, Sohn von Raimondo Ponte, von Derbys aus der Vergangenheit erzählt, dann weiss er genau, wovon er spricht. Schliesslich hat er beide Seiten kennen gelernt. Er selber spielte nämlich nicht nur zehn Jahre für die 1. Mannschaft des FC Windisch, sondern machte kurz vor seinem Karrierenende 2012 auch einen Abstecher nach Brugg.

Was sich schon fast ein bisschen nach Verrat anhört, war für Angelo kein grosses Drama. Im Gegenteil: «Natürlich musste ich mir einige Sprüche anhören. Aber damit konnte ich leben, wir sprechen hier immer noch von Amateurfussball. Auch für ­meinen Vater war das überhaupt keine grosse Sache, obwohl er mir lange nicht geglaubt hat, dass ich es wirklich durchziehen werde.»

Spieler wurden abgeworben, das sorgte für Zündstoff

Doch warum zieht es den Ponte-Sohn freiwillig zum Erzrivalen, dem FC Brugg? «Unser da­maliger Coach wechselte nach Brugg und hat mich gefragt, ob ich mitkommen würde. Da habe ich einfach zugesagt. Ich wollte nochmals etwas Neues sehen. Ausserdem war der damalige neue Windisch-Trainer bekannt für sein hartes Vorbereitungstraining, und ich war damals einfach nicht mehr der Fitteste, auch deshalb zog ich den Wechsel durch», erinnert sich Angelo zurück.

Windisch-Trainer Ponte pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu den Bruggern.

Windisch-Trainer Ponte pflegt ein freundschaftliches Verhältnis zu den Bruggern.

Alexander Wagner

In Brugg sei er mit offenen Armen empfangen worden, erinnert er sich. Selbstverständlich war das allerdings zu dieser Zeit nicht: «Es kamen neben mir noch andere Spieler von Windisch zu Brugg. Generell wurde zu meiner aktiven Zeit gegen­seitig viel abgeworben, das hat zeitweise auch das Verhältnis verschärft.»

Doch die Rotationen von Spielern und Trainern zwischen den beiden Vereinen hatten langfristig positive Auswirkungen: «Durch die Wechsel haben sich die Vereine schätzen gelernt. Mit der Zeit sind aus Feindschaften Freundschaften entstanden», sagt Angelo Ponte im Rückblick.

Das letzte Derby gegen den FC Brugg konnte der FC Windisch für sich entscheiden.

Das letzte Derby gegen den FC Brugg konnte der FC Windisch für sich entscheiden.

Alexander Wagner

Dass heute ungefragt Spieler abgeworben werden, sei nicht mehr so: «Wenn es zu Transfers kommt, dann passiert das nicht mehr hinter dem Rücken. Ich habe ein tolles Verhältnis zu den Bruggern. Ihr neuer Trainer Nobi Schneider unterstützte mich im letzten Jahr als Assistent. Ich schätze ihn sehr, ich war einst sogar selber unter ihm Spieler», betont der 37-jährige Angelo Ponte.

Der Wechsel von Ponte zu Brugg war eine Sensation

Ebenfalls Trainer von Angelo Ponte war einst der Brugger Funktionär Ivo Keller. Eine ganz spezielle Konstellation, denn so wie der Name Ponte für den FC Windisch steht, ist es der Name Keller für den FC Brugg. «Ich absolvierte bereits die Juniorenstufen in Brugg und kehrte gegen Ende meiner aktiven Karriere zurück. Seit 2004 bin ich nun in verschiedensten Funktionen für den Verein aktiv», erklärt Ivo Keller.

Brugg-Sportchef Ivo Keller war einst Trainer von Angelo Ponte.

Brugg-Sportchef Ivo Keller war einst Trainer von Angelo Ponte.

Alex Spichale / SPO

Dass er einst Trainer von einem Spieler aus der Ponte-Familie war, sei lange Zeit undenkbar gewesen: «Der Wechsel von Angelo Ponte war damals schon eine Sensation. Also Sohn von Raimondo zum FC Brugg zu kommen, war ein Tabubruch. Aber es hat sich gelohnt, so ­lernte man sich besser kennen. Man kann sagen, dass das Verhältnis zwischen den Vereinen danach besser wurde.»

Zuvor seien die Fronten zwischen Brugg und Windisch verhärtet gewesen, erinnert sich Keller zurück: «Früher war schon was los beim Derby. Da wurde gekämpft bis aufs Blut. Mit den Gegnern hat man kein Wort gesprochen: Nicht vor, nicht während und auch nicht nach dem Spiel», sagt er.

Heute sei das Verhältnis zwar viel lockerer geworden, doch Rivalität bleibe Rivalität: «Wir haben immer noch Spieler im Kader, die sagen, dass sie ­niemals für den FC Windisch spielen würden. Und das ist auch gut so.»

Die Rivalität zwischen Brugg und Windisch ist über die Jahre milder geworden.

Die Rivalität zwischen Brugg und Windisch ist über die Jahre milder geworden.

Alex Spichale / SPO

Keller, der den FC Brugg in der letztjährigen Saison als Interimstrainer in die 2. Liga führte und sich nun wieder dem Amt als Sportchef widmen möchte, ist froh, dass Brugg und Windisch den Sprung in die ­obere Liga gemeinsam geschafft haben. «Beim letzten Derby im Brugger Stadion Au waren 600 Zuschauer anwesend. Es war das 3.-Liga-Spiel mit den meisten Zuschauern der vergangenen Saison. Solche Spiele können eine Mannschaft beflügeln, ausserdem bringen sie auch in finanzieller Hinsicht beiden Vereinen etwas.»

Stellt sich noch die Frage, ob die Brugger nun besonders heiss darauf sind, Revanche zu nehmen und die Nummer eins in der ­Region zurückzuerobern. Doch Sportchef Keller winkt sogleich ab: «Wir schauen nicht auf den FC Windisch, unser voller Fokus gilt dem Ligaerhalt. Dieser wird mit 16 Teams in der neuen Saison für uns alle eine grosse Herausforderung», betont Ivo Keller.

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