2. Liga AFV
Schwergewicht im Abstiegskampf, Trainerwechsel und Double-Träume: 2. Liga AFV steht vor dem Restart

Am Samstag nimmt die 2. Liga AFV den Spielbetrieb wieder auf. Für die meisten Vereine stehen noch zwei Spieltage an. Vier Teams dürfen dabei noch vom Meistertitel träumen, sechs Mannschaften kämpfen gegen den Abstieg. Für Spannung ist vorgesorgt.

Nik Dömer
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Der FC Lenzburg hat den Ligaerhalt noch in der eigenen Hand.

Der FC Lenzburg hat den Ligaerhalt noch in der eigenen Hand.

Alexander Wagner

Während an diesem Wochenende die Euro 2020 Fussballfans auf dem gesamten Kontinent vor den TV zieht, nimmt auch der regionale Amateurfussball seinen Spielbetrieb wieder auf. Bis zum 4. Juli sollen sämtliche Partien der unterbrochenen Hinrunde absolviert werden, damit es zu einer Wertung kommen kann.

Insbesondere bei der 2. Liga AFV dürfte es noch zünftig zur Sache gehen. Während vier Teams noch vom Aufstieg träumen dürfen, müssen sich deren sechs mit dem Thema Abstieg beschäftigen. Nebenbei sind auch noch fünf Teams der Liga im Viertelfinal des Aargauer Cups vertreten.

Screenshot AFV

Den Start macht an diesem Wochenende der FC Lenzburg gegen den FC Niederwil. Ein Duell, das für beide Teams von grosser Bedeutung ist. Niederwil könnte mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an den 1. Platz rankommen. Hingegen darf sich der FC Lenzburg keine Niederlage erlauben, denn das Liga-Schwergewicht steckt mit nur neun Punkten auf Platz 13 in grosser Abstiegsgefahr.

Niederwil könnte das Meisterrennen nochmals spannend machen.

Niederwil könnte das Meisterrennen nochmals spannend machen.

Alexander Wagner

Angespannte Situation beim Liga-Schwergewicht

Lenzburg-Trainer Samuel Drakopulos zeigt sich vor dem Restart kämpferisch: «Die Situation hat sich für uns deutlich verbessert, da es nur noch zwei anstatt vier Absteiger gibt. Wir haben noch drei Partien zu spielen und damit alles in unseren eigenen Händen. Unsere Physis stimmt, die Spieler sind motiviert und wir werden nochmals alles raushauen, auch wenn das Restprogramm kein Selbstläufer wird.»

Drakopulos bleiben noch drei Spiele, um den Ligaerhalt zu sichern.

Drakopulos bleiben noch drei Spiele, um den Ligaerhalt zu sichern.

Alexander Wagner

Trotzdem möchte Drakopulos auch erwähnen, dass die Situation angespannt sei. «Während andere Teams bereits in der Planung für die kommende Saison sind und teilweise auch versuchen, unsere Spieler abzuwerben, haben wir keine Klarheit darüber, in welcher Liga künftig gespielt wird.»

Diese Situation sorge auch für Verunsicherung bei den eigenen Spielern: «Wir müssen so schnell wie möglich den Ligaerhalt schaffen, damit noch genügend Zeit bleibt, um eine starke Mannschaft für die kommende Saison zu formen.»

Lenzburg erzielte in der Hinrunde zu wenig Tore.

Lenzburg erzielte in der Hinrunde zu wenig Tore.

Alexander Wagner

Helfen könnte bei diesem Vorhaben Rückkehrer Fidan Tafa. Der Stürmer fehlte dem FC Lenzburg in der Hinrunde mehrheitlich. Wie sehr dieser Ausfall schmerzte, ist anhand unserer Statistik unschwer erkennbar: Lenzburg hat mit nur 13 Toren die wenigsten Treffer aller Zweitligisten erzielt.

Neue Trainer, neue Zuversicht

Punktgleich (neun Zähler) mit dem FC Lenzburg steht auch der FC Othmarsingen da. Eine brisante Situation für Emilio Munera, der das Team erst im Winter übernommen hat. Ein Kaltstart war es trotzdem nicht: «Ich kannte die Mannschaft bereits und wusste, auf was ich mich einlasse. Die Moral ist intakt, die Verbundenheit der Spieler zum Verein ist sehr gross. Zudem ist die Truppe eingeschworen, viele spielen hier schon seit einer Ewigkeit.»

Der ehemalige Lenzburg-Trainer Munera möchte mit dem FC Othmarsingen den Ligaerhalt schaffen.

Der ehemalige Lenzburg-Trainer Munera möchte mit dem FC Othmarsingen den Ligaerhalt schaffen.

Gerry Frei/SPO

Munera betont jedoch auch, dass es nach sieben Monaten ohne Spiele und richtige Zweikämpfe viele Fragezeichen bezüglich der Verfassung bei den Spielern gäbe: «Die Bedingungen sind zwar für alle Teams gleich, aber wenn du im Abstiegskampf steckst, ist das schon eine sehr unangenehme Situation.»

Primär sei es nun wichtig, dass der Start gegen den FC Fislisbach gelingt: «Wir haben natürlich im Hinterkopf, dass unser zweites Spiel gegen den FC Mutschellen eine riesige Herausforderung werden könnte, sofern sie dann noch nicht Meister sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns gegen Fislisbach keine Fehler erlauben.»

Der FC Othmarsingen benötigt dringend Punkte. Copyright by: Alexander Wagner

Der FC Othmarsingen benötigt dringend Punkte.
Copyright by: Alexander Wagner

Alexander Wagner

Emilio Munera gibt sich dennoch zuversichtlich: «Wir steigen nicht ab, ich bin als Trainer noch nie abgestiegen und das wird auch so bleiben.»

Mutschellen träumt vom Double

Ganz anders die Gemütslage im Freiamt. Sergio Colacino kann in seinem vierten Jahr als Trainer zum zweiten Mal den Aargauer Cup gewinnen und den Aufstieg in die 2. Liga inter realisieren. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

Mutschellen befindet sich auf der Zielgeraden.

Mutschellen befindet sich auf der Zielgeraden.

Alexander Wagner

Ist der Titel in der Meisterschaft also nur noch Formsache? Trainer Sergio Colacino verneint: «Wir müssen noch gegen Gontenschwil und Othmarsingen antreten. Beide Teams kämpfen gegen den Abstieg und werden uns alles abverlangen. Das werden schwierige Spiele, wir haben noch gar nichts erreicht.»

Ausserdem sei der Vorsprung trügerisch, da der FC Niederwil noch ein Spiel mehr austragen kann und mit einem Sieg gegen Lenzburg auf zwei Zähler heranrücken könnte. «Natürlich schaue ich gespannt auf das Resultat, aber wir wollen unsere Hausaufgaben selber erledigen.»

Sergio Colacino will auch im Cup das Maximum erreichen.

Sergio Colacino will auch im Cup das Maximum erreichen.

Alexander Wagner

Stellt sich noch die Frage, ob die Doppelbelastung mit Aargauer Cup möglicherweise ungünstig kommt: «Wir haben die Breite im Kader, um auch im Cup mit einer starken Mannschaft anzutreten. Wir wollen in beiden Wettbewerben das Maximum herausholen.»

Wettingen hofft auf Ausrutscher

Tatsächlich kann auch der FC Wettingen noch vom direkten Wiederaufstieg träumen. Mit vier Punkten Rückstand auf den FC Mutschellen das Team von Präsident Pierluigi Ghitti jedoch auf Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen.

Salvatore Romano (rechts) und sein Assistent Alex Germann haben die 1. Mannschaft des FC Wettingen mit regionalen Spielern neu aufgebaut.

Salvatore Romano (rechts) und sein Assistent Alex Germann haben die 1. Mannschaft des FC Wettingen mit regionalen Spielern neu aufgebaut.

Alexander Wagner

Doch alleine schon, dass diese Möglichkeit besteht, darf als grosser Erfolg gewertet werden. Immerhin startete Wettingen nach dem freiwilligen Abstieg aus der 2. Liga inter mit einer komplett neuen Mannschaft (16 neue Spieler!) in diese Saison.

Egal, wie die Geschichte ausgeht, der Präsident ist zufrieden mit dieser Saison. «Ich wollte mit dem freiwilligen Abstieg erzielen, dass wir ein regional verankertes Team haben, das ohne Prämien und Spesen funktioniert. Inzwischen haben wir neun A-Junioren integriert und spielen an der Spitze der Liga. Trainer Salvatore Romano und sein Team haben einen grossartigen Job gemacht.»