2. Liga AFV
Die jungen Wilden an der Tabellenspitze: Brugg verblüfft mit Jugendtruppe

Aufsteiger FC Brugg ist in der 2. Liga mit zwei Siegen gestartet. Besonders erstaunlich ist dabei, dass der grösste Teil der Mannschaft noch gar keine Erfahrung auf diesem Niveau hat. Doch Trainer Norbert Schneider ist ein Spezialist für solche Fälle.

Nik Dömer
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Der FC Brugg ist mit zwei Siegen in die neue Saison gestartet.

Der FC Brugg ist mit zwei Siegen in die neue Saison gestartet.

zvg

Jugend forscht: Der FC Brugg gehört in der 2. Liga zu den spannendsten Projekten. Mit zwei Siegen zum Auftakt – 4:2 gegen Menzo Reinach und 1:0 gegen den FC Küttigen – zeigt der Aufsteiger bisher, dass es für erfolgreichen Fussball keine Torprämie braucht, sondern Fleiss, Einsatzwillen, Mentalität und einen Coach, der die richtigen Worte findet.

Der Brugger Erfolg ist auch dem neuen Trainer Norbert «Nobi» Schneider zu verdanken. Er gehört im Aargauer Amateurfussball zu den bekanntesten Gesichtern. FC Dottikon, FC Seon, FC Wohlen, FC Buchs, FC Spreitenbach, FC Neuenhof und FC Windisch – die Liste der Vereine, bei denen er an der Seitenlinie stand, ist beeindruckend lang. Dabei verfolgt er stets dasselbe Ziel: Junge Spieler weiterentwickeln und mit ihnen ein erfolgreiches Team aufbauen.

Vom Lokalrivalen nach Brugg

Auch deswegen ist der 54-Jährige äusserst beliebt. Vor einem Jahr fungierte Schneider noch im Staff von Angelo Ponte beim FC Windisch als Konditionstrainer und verhalf seinem Ex-Spieler zum Aufstieg in die 2. Liga. 12 Siege in 13 Partien sammelten die Windischer in dieser Zeit.

Nobi Schneider hatte als Trainer beim FC Windisch eine erfolgreiche Zeit.

Nobi Schneider hatte als Trainer beim FC Windisch eine erfolgreiche Zeit.

Otto Lüscher / SPO

Kurios dabei: Schneider war einst 2010 selber beim FC Windisch erfolgreicher Cheftrainer, gewann dabei den Aargauer Cup und führte die Mannschaft in die 2. Liga inter. Teil des Kaders war damals der heutige Trainer Angelo Ponte. «Wir sind schon lange befreundet und ich bin mit dem FC Windisch immer noch sehr verbunden. Als er mich gefragt hat, ob ich ihm helfen würde, hab ich sofort zugesagt.»

Gemeinsames Feiern mit Raimondo Ponte: Nobi Schneider gelang mit dem FC Windisch der Aufstieg in die 2. Liga inter.

Gemeinsames Feiern mit Raimondo Ponte: Nobi Schneider gelang mit dem FC Windisch der Aufstieg in die 2. Liga inter.

Alexander Wagner / SPO

Es war jedoch wohl von Anfang an klar: Für lange Zeit wird Schneider nicht Assistent bleiben. Ein Trainer seiner Erfahrung muss die Zügel schon selbst in die Hand haben. Mit dem coronabedingten Unterbruch im Herbst 2020 kam die Anfrage des FC Brugg. «Das hat mir gleich gepasst. Ich wusste, dass die Infrastruktur und Nachwuchsarbeit in Brugg sehr gut ist. Das brauche ich, um erfolgreich arbeiten zu können. Wenn ich bei einem Team etwas anfange, dann muss ich einen klaren Plan haben. Ich mache nichts Halbpatziges, ich lebe für das Trainerdasein. Wenn ich mich auf einen Verein einlasse, dann gebe ich alles für den Erfolg.»

Der FC Brugg wollte 100 Prozent Norbert Schneider, und er kriegt 100 Prozent Norbert Schneider: Bis zu viermal steht der Trainer mit seinem Assistenten Mani Schweri unter der Woche auf dem Trainingsplatz, um die Spieler optimal auf den Spieltag vorzubereiten. Dreimal ist obligat, die vierte Einheit braucht das Duo, um mit vereinzelten Spieler zu arbeiten. «Aktuell kommen meist die fünf A-Junioren, die wir auf diese Saison in die erste Mannschaft hochgenommen haben.»

«Hätte gerne noch einen erfahrenen Spieler geholt»

Die jungen Wilden aus Brugg stehen nun nach zwei Runden an erster Stelle in der 2. Liga. Das ist beachtlich. 16 Spieler aus dem Kader sind unter 23 Jahre alt, 12 davon haben noch gar keine Erfahrung auf diesem Niveau. «Ich hätte wirklich gerne noch einen erfahrenen Spieler zu uns geholt. Wir hatten gute Gespräche, aber am Ende hat es nicht geklappt. Vielleicht lag es daran, dass wir keine Torprämien zahlen», mutmasst der Trainer.

Die Zuschauer im Stadion Au sollen eine junge, wilde und lauffreudige Mannschaft in der 2. Liga sehen.

Die Zuschauer im Stadion Au sollen eine junge, wilde und lauffreudige Mannschaft in der 2. Liga sehen.

Irene Hung-König / BRU

Und so muss vor allem der 27-jährige Sven Schönenberger auf dem Platz die Verantwortung übernehmen. «Ich möchte, dass mein Team Ballbesitzfussball spielt. Dabei ist er bei uns mit seiner Routine im Zentrum der Dreh und Angelpunkt.»

Nebenbei will Schneider, dass seine Jungs laufen. Viel laufen. «Laufen ist zwar nicht alles, aber ohne Laufen ist alles nichts. Nebenbei müssen wir auch noch an unserer Physis arbeiten. Erst dann werden es die Gegner richtig schwer gegen uns haben. Aber das braucht noch Zeit.»

Muss Schneider nun aufpassen, dass die Spieler nicht abheben? Der Coach verneint: «Ich bin sehr demütig. Wenn ich gewinne, war nicht alles sehr gut und wenn ich verliere, war nicht alles schlecht. Ich schaue schon, dass meine Mannschaft auf dem Boden bleibt.»

Die Reifeprüfung käme sowieso erst, sobald es mal nicht so gut laufe: «Junge Spieler sind labil. Interessant wird es, wie wir reagieren, sobald wir mal ein paar Spiele verlieren. Ich versuche möglichst viel mit den Spielern zu sprechen, dazu gehören auch viele Einzelgespräche. Sie werden viel Selbstvertrauen und Sicherheit brauchen, damit der Ligaerhalt in dieser Saison gesichert werden kann.»

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