1.Liga
«Das ist Wettbewerbsverzerrung»: Neue U21-Meisterschaft erhitzt die Gemüter

Seit Februar dürfen Nachwuchsteams in einer eigenen Liga Spiele absolvieren, darunter auch eine neu gegründete U21-Auswahl des Team Aargau. Doch die Meisterschaft sorgt auch für Unverständnis im Kanton.

Nik Dömer
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Während U21-Teams wieder spielen dürfen, warten Baden und Wohlen weiterhin auf eine Lockerung der Coronamassnahmen.

Während U21-Teams wieder spielen dürfen, warten Baden und Wohlen weiterhin auf eine Lockerung der Coronamassnahmen.

Bild: Dani Mercier/ «Aargauer Zeitung»

Das Team Aargau hat wieder eine U21. Zumindest vorübergehend. Denn seit diesem Monat dürfen U21-Teams der Profi-Vereine in einer eigenen Liga mit 14 Teams gegeneinander antreten.

Grund für die aussergewöhnliche Meisterschaft: Derzeit darf nur «überwiegend» professioneller Ligabetrieb weitergeführt werden. Will heissen: Ausserhalb der zwei höchsten Ligen darf weder Wettbewerb noch Training stattfinden. Eine Ausnahme gibt es einzig für den Nachwuchs der Profi-Mannschaften.

Die Rechnung geht für Wohlen nicht auf

Während sich das Team Aargau über eine neue Herausforderung freuen darf, ärgert sich Thomas Jent vom FC Wohlen: «Junge, ambitionierte Spieler müssen Spielpraxis sammeln. Da bin ich absolut einverstanden. Es ist in Ordnung, dass der U21-Nachwuchs wieder trainieren darf. Aber bei mir befinden sich auch junge Spieler, die noch grosse Ziele haben.»

Thomas Jent kann nicht verstehen, warum seinen jungen und ambitionierten Spieler das Training weiterhin untersagt wird.

Thomas Jent kann nicht verstehen, warum seinen jungen und ambitionierten Spieler das Training weiterhin untersagt wird.

Bild: Dani Mercier/ «Aargauer Zeitung»

Für Jent geht die Rechnung nicht auf: «Nachwuchsteams, die teilweise in der 2. Liga inter spielen, können trainieren. Und meine Jungs müssen seit bald fünf Monaten die Füsse stillhalten. Da stimmt das Verhältnis nicht.»

Für Wohlen kommt da noch ein weiteres Argument dazu: «Im besten Fall können wir ab März wieder trainieren, während die U21-Mannschaften bereits voll im Saft sind. Wenn diese dann zurück in den normalen Spielbetrieb zu uns kommen, haben sie einen klaren Vorteil. Das ist Wettbewerbsverzerrung», kritisiert Jent. «Fair wäre, wenn sie gleich innerhalb der Nachwuchs-Liga die Saison zu Ende spielen würden.»

Die eigenen ambitionierten Spieler beim Team Aargau oder beim GC-Nachwuchs zu stationieren, mit dem man auf tieferen Stufen eine Partnerschaft pflegt, sei laut Thomas Jent keine Option gewesen: «Das ist für uns auch ein Risiko. Wenn sich die Spieler verletzen, fehlen sie uns dann im März.»

«Verstehe nicht, warum wir nicht trainieren dürfen»

Beim FC Baden, der eine Partnerschaft mit dem Team Aargau pflegt, versucht man gelassen mit der Situation umzugehen. Trainer Ranko Jakovljevic ist froh, dass vier seiner Schützlinge beim Team Aargau wieder ins Training einsteigen können.

Ranko Jakovljevic bezeichnet die Situation als «nicht optimal».

Ranko Jakovljevic bezeichnet die Situation als «nicht optimal».

Bild: Dani Mercier/ «Aargauer Zeitung»

Andererseits versteht er auch den Frust vom Rest seiner Mannschaft. «Es ist für unsere Jungs schwierig nachzuvollziehen, warum sie weiterhin nicht einmal unsere Anlage betreten dürfen. Wir hatten während der gesamten Hinrunde keinen einzigen Coronafall und trotzdem können sie nicht trainieren. Das sorgt für Unmut.»

In einer Sache ist sich der Baden-Trainer mit seinem Konkurrenten aus Wohlen einig: U21-Teams, die in den Betrieb der 1. Liga zurückkehren, werden einen Vorteil haben. «Das ist nicht optimal, aber die Situation ist generell nicht optimal», betont Jakovljevic. «Damit muss man sich nun halt einfach abfinden.»

Organisatorische Herausforderung fürs Team Aargau

Beim Team Aargau versteht man die Bedenken der Vereine in der 1. Liga. Sven Christ betont jedoch auch: «Es geht nicht um Vorteile für den Meisterschaftsbetrieb, sondern um die Entwicklung der jungen Spieler. Alle U-Teams trainieren wie die Profis im Winter fast ohne Unterbruch. Zudem streben die meisten von ihnen den Aufstieg nicht per se an», betont der Technische ­Leiter.

Sven Christ findet es wichtig, dass junge Spieler so schnell wie möglich Spielpraxis sammeln können.

Sven Christ findet es wichtig, dass junge Spieler so schnell wie möglich Spielpraxis sammeln können.

Bild: Severin Bigler/SPO

Generell freut sich Christ über die Herausforderung. Auch wenn seine Mannschaft im ersten Spiel beim Promotion Ligist FC Basel II einen 1:6-Dämpfer einstecken musste: «Als ich von den Plänen hörte, haben wir gleich angefragt, ob wir ein Team stellen können. Für unsere Spieler, die einer U19/U21-Länderauswahl angehören, stehen wichtige internationale Wettbewerbe in diesem Jahr an. Sie brauchen unbedingt Spielpraxis.»

«Für uns ist die Erfahrung wichtig, nicht die Resultate»

Die neue Aufgabe ist nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch eine grosse Herausforderung. Der Stamm der Mannschaft besteht aus neun Spielern, die von den Partnervereinen aus Zofingen, Baden und vom SC Schöftland vorübergehend zurückgekommen sind.

Der Rest des Teams wird mit jungen Spielern, die entweder bei der 1. Mannschaft oder bei der U18 trainieren, aufgestockt. Wer vom FCA-Coach Stephan Keller nicht fürs Kader nominiert wird, kann bei der U21 Spiele absolvieren. «Wir haben ein sehr junges Kader und werden womöglich physisch nicht mit allen Mannschaften mithalten können. Aber für uns ist die Erfahrung und die Spielpraxis wichtig, nicht die Resultate.»

Unterstützung bekommt Trainer Christ dabei von FCA-Spieler Nicolas Schindelholz, dessen Gesundheitszustand nach der schweren Erkrankung weiterhin kein Training mit der 1. Mannschaft zulässt. «Nicolas kam auf mich zu und fragte, ob er Teil vom Projekt werden kann. Er hat selber mit dem Trainerdiplom begonnen und ist mit seiner Erfahrung sehr wertvoll für uns. Er wird in den Trainings zunehmend mehr Einheiten übernehmen», sagt Sven Christ.