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0:0 in Zürich - der FC Aarau macht einen kleinen Schritt aus der Krise

Es ist eine Verwandlung der erstaunlichen Art. Der FC Aarau, zuletzt wie ein Absteiger aufgetreten, dominiert den FC Zürich. Trainer Sven Christ kann kurz durchatmen.

François Schmid-Bechtel (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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Trainer Sven Christ durfte mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein.

Trainer Sven Christ durfte mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden sein.

Keystone

Nachspielzeit. Der eingewechselte Frank Feltscher setzt sich an der Strafraumgrenze durch, kommt zum Abschluss, verzieht aber. Aaraus Trainer Sven Christ schlägt die Hände vors Gesicht. Unmittelbar danach stösst er wohl ein imaginäres Stossgebet Richtung Himmel.

In der letzten Aktion der Partie lässt Yassine Chikhaoui doch noch sein Genie aufblitzen, in dem er mit einem Laserpass quer durch den Aarauer Strafraum Francisco Rodriguez das 1:0 serviert. Doch dieser trifft die Latte. 0:0. Schluss. Grund für Christ, mal kurz durchzuatmen. Schliesslich löste der pitoyable Auftritt in Luzern (0:4) eine Trainerdiskussion aus.

Zürichs Franck Etoundi (links) entwischt Olivier Jäckle...
7 Bilder
...Goalie Joël Mall kann aber gerade noch klären.
Aaraus Kim Jaggy (rechts) im Laufduell mit Asmir Kajevic.
Sandro Burki setzt sich im Captain-Duell gegen Yassine Chikhaoui durch.
Igor Nganga kann den Ball behaupten.
Alain Nef gewinnt das Kopfballduell gegen Petar Sliskovic
Schrecksekunde kurz vor dem Schlusspfiff: Rodriguez trifft die Latte.

Zürichs Franck Etoundi (links) entwischt Olivier Jäckle...

Keystone

Christ hat sich mit Mut und Cleverness fürs Erste aus der Schusslinie gebracht. Sein Plan schien vielleicht auf den ersten Blick verwegen, auf den zweiten war er aber schlicht genial. Eine Dreierabwehr, Burki als alleiniger Sechser, ein Vierer-Mittelfeld und zwei Stürmer.

Gygax rechtfertigt Vertrauen

Wobei vor allem die Nomination von Daniel Gygax überraschte. Dieser stand am 25. Oktober beim 0:0 in Thun letztmals in der Startaufstellung. Und nach seinem Disput im Testspiel gegen Baden kam er in den drei vorangegangenen Rückrunden-Partien zu keiner Einsatzminute. Überragend war der Auftritt des 35-fachen Internationalen zwar nicht. Doch Gygax leistete ein grosses Laufpensum, hatte in der Anfangsphase eine Kopfball-Chance, bediente in der 54. Minute seinen Sturmpartner Petar Sliskovic, der von Rikan mit einer unerlaubten Aktion am Torschuss gehindert wurde. Doch Schiedsrichter Nikolaj Hänni verzichtete auf einen Penaltypiff.

Kein stratosphären-Pingpong war mehr beim FC Aarau zu sehen. Sondern schnelles Umschaltspiel, entzückende Kombinationen, viel Biss, noch mehr Leidenschaft und eine disziplinierte Defensivleistung. Kurz: Es sah wieder nach Fussball aus. Wie beim 3:2 gegen YB am 5. Oktober, dem bis dato letzten Sieg in der Meisterschaft.

«Nun den Auftritt bestätigen»

Einen grossen Anteil an der wundersamen Verwandlung hat Captain Sandro Burki. Ihm gelang es nicht nur, die FCZ-Künstler Chikhaoui und Chiumiento in ihr Versteck zu verbannen. Nein, Burki war auch der fehlerlose Angriffsauslöser ohne Alibi-Pässe und sogar Impulsgeber in der Offensive. Seine gestrige Darbietung verdient nur ein Prädikat: phänomenal.

Aber wie hat es Christ geschafft, diesen FC Aarau zu verwandeln? «Die Mannschaft war mit ihrem Auftritt in Luzern auch sehr unzufrieden. Das haben wir besprochen. Für das Spiel in Zürich hatten wir den Plan, den Gegner zu überraschen. Diese Vorgabe hat die Mannschaft vollumfänglich erfüllt.»

So absurd es vielleicht tönt. Aber vielleicht half dem FC Aarau in seiner delikaten Situation nach zehn sieglosen Partien auch der Fall ans Tabellenende. «Klar, wir können jetzt nicht mehr überholt werden, was vielleicht etwas Druck von den Spielern genommen hat», sagt Christ. «Aber das war jetzt erst mal ein Anfang. Nun gilt es, den mutigen, frechen Auftritt zu bestätigen.»

Zürich - Aarau 0:0

7403 Zuschauer. - SR Hänni.

Aarau: Mall; Nganga, Jäckle, Magyar, Jaggy; Andrist, Lüscher, Burki, Radice; Gygax (77. Senger), Sliskovic (66. Feltscher).

Zürich: Da Costa; Nef, Kecojevic, Djimsiti; Rodriguez, Schneuwly, Kajevic (85. Sadiku), Rikan; Chiumiento (56. Buff); Chermiti (56. Etoundi), Chikhaoui.

Bemerkungen: Zürich ohne Schönbächler, Kukeli, Gavranovic, Philippe Koch, Raphael Koch, Oberlin, Yapi (alle verletzt) und Elvedi (krank). Aarau ohne Garat (gesperrt), Costanzo (krank), Gauracs und Wieser (alle verletzt). Verwarnungen: 78. Kajevic (Foul), 86. Nef (Foul), 88. Kecojevic (Foul).

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