Real Madrid
80 Millionen für Ersatzspieler Morata – wie die Königlichen ihre Konkurrenten zu Hofnarren machen

Real Madrid hat bisher einen ziemlich unauffälligen Transfersommer hinter sich – aber nur auf den ersten Blick. Denn der spanische Meister und Champions-League-Sieger macht drei Dinge ziemlich richtig – und dürfte noch für Jahre dominierend bleiben.

Sandro Zappella
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Alvaro Morata: Bei Real auf der Bank, bei anderen Topteams Hoffnungsträger.

Alvaro Morata: Bei Real auf der Bank, bei anderen Topteams Hoffnungsträger.

Keystone

Während die europäischen Topklubs wie wild aufrüsten – einmal mehr hauptsächlich die verzweifelten Vereine aus der Premier League – bleibt Real Madrid auf dem Transfermarkt ruhig. Das «weisse Ballett» hat zwei Mal hintereinander die Champions League gewonnen und das wohl beste Team beisammen, welches wir im Fussball je gesehen haben.

Gründe, viel zu ändern, gibt es für Trainer Zinédine Zidane also nicht. Und trotzdem ist Real Madrid bisher klarer Transfersieger des Sommers. Wegen folgender drei Punkte:

1. Die Stammspieler werden gehalten

Real Madrid verkauft keine Spieler, die in der Mannschaft eine Rolle spielen. Nie würde Real Madrid einen Spieler ziehen lassen, der für die Mannschaft wichtig ist. Die Madrilenen können die beste Stammelf der Welt aufstellen. Diese beisammen zu halten, ist das alleroberste Gebot. Die Königlichen haben auf dem Transfermarkt keinen Druck, es gibt keine Position, die dringend neu besetzt werden müsste. Das bringt Real in eine gute Verhandlungsposition.

Eine Mannschaft ohne Schwachstelle: Real Madrid kann seine Stammspieler halten.

Eine Mannschaft ohne Schwachstelle: Real Madrid kann seine Stammspieler halten.

Keystone

2. Ersatzspieler teuer verkaufen

«Alvaro Morata wechselt für 80 Millionen Euro zu Chelsea.» Mittlerweile lassen uns Meldungen mit horrenden Geldbeträgen kalt, Fans und Medien sind es sich langsam gewohnt, dass – insbesondere für Stürmer – sehr hohe Beträge bezahlt werden.

Doch der Fall Alvaro Morata ist ein anderer. Der Spanier war bei Real Madrid kein Leistungsträger sondern Edelreservist. In der K.o.-Phase der Champions League 2016/17 kam er total exakt 30 Minuten (!) zum Einsatz. Nun wechselt der 24-jährige, der unbestritten grosse Qualitäten hat, für die Fantasie-Ablöse von 80 Millionen Euro zu Chelsea.

Die wichtigsten Transfers des Sommers 2017:

Alvaro Morata (r.) wechselt zum englischen Meister Chelsea.
56 Bilder
Jean-Pierre Nsamé hat bei den Young Boys einen Vertrag über drei Jahre mit der Option auf ein weiteres unterschrieben.
Joe Hart spielt diese Saison für West Ham.
Szczesny unterschreibt bei Juventus.
Der spanische Internationale Nolita geht zu Sevilla.
GC-Topskorer Caio wechselt nach Israel.
Der englische Meister Chelsea rüstet weiter auf: Tiemoué Bakayoko kommt für 42 Millionen Euro vom AS Monaco nach London.
Kyle Walker wechselt innerhalb der Premier League von Vizemeister Tottenham Hotspur zu Manchester City.
Der Wechsel von Leonardo Bonucci zur AC Milan ist fix.
Ex-Naticaptain Gökhan Inler wechselt zu Basaksehir Istanbul.
Der Mazedonier Ezgjan Alioski verlässt den FC Lugano und setzt seine Karriere in der zweiten englischen Liga bei Leeds United fort.
Anthony Modeste wechselt nach langem hin und her nun doch nach China zu Tianjin Quanjian.
Armando Sadiku verlässt die Super League. Er geht zu Legia Warschau.
Der Brasilianer Dani Alves geht zu Paris St.-Germain.
Vitolo wechselt von Sevilla zu Atlético Madrid
Ron-Robert Zieler verlässt Leicester nach nur einem Jahr wieder und unterschreibt beim VfB Stuttgart.
Gianluigi Donnarumma verlängert bei der AC Milan.
James Rodriguez wechselt für zwei Jahre zum FC Bayern München.
Antonio Rüdiger wechselt zu Chelsea.
Wayne Ronney kehrt zu Everton zurück.
Manchester United zahlt rund 93 Millionen Franken für Stürmer Romelu Lukaku.
Hakan Calhanoglu geht zur AC Milan
Leicester City hat den Captain von Sevilla, Vicente Iborra, verpflichtet.
Alexandre Lacazette wechselt für die Rekordsumme von 60 Millionen Euro zu Arsenal.
Nach zehn Jahren bei Real wechselt Pepe zum türkischen Meister Besiktas Istanbul.
Chadrac Akolo steht vor einem Wechsel zum VfB Stuttgart.
Verlässt Wolfsburg und schliesst sich Olympique Marseille an: Luiz Gustavo.
Matthias Ginter wechselt von Dortmund zu Gladbach.
Der ehemalige Champions-League-Sieger Djibril Cissé wechselt in die Schweiz zu Yverdon.
Ever Banega kehrt nach einer Saison bei Inter Mailand zum FC Sevilla zurück.
Chelsea-Legende verlässt die Blues und geht zu Aston Villas
Seydou Doumbia geht nach Lissabon.
Der belgische Stürmer Geoffrey Bia wechselt vom FC Sion in die Türkei zum Erstligisten Kayserispor.
Der 22-jährige Verteidiger Nathan Aké (links) wechselt von Chelsea zu Bournemouth.
Andraz Sporar wechselt leihweise zur Arminia Bielefeld.
Der tschechische Aussenverteidiger Jan Lecjaks wechselt zum kroatischen Spitzenklub Dinamo Zagreb.
Der ehemalige Basler Mohamed Salah wechselt zum FC Liverpool.
Marco Schneuwly verlässt den FC Luzern und wechselt innerhalb der Liga zum FC Sion.
Michael Frey wechselt innerhalb der Super League von YB zum Aufsteiger FCZ.
Diego Benaglio wechselt zum französischen Meister AS Monaco.
Victor Lindelöf wechselt für 35 Millionen von Benfica Lissabon zu Manchester United.
Der Franzose Corentin Tolisso wechselt nun definitiv zum FC Bayern München.
Der FCB hat einen neuen Stürmer gefunden: Ricky van Wolfswinkel soll am Mittwoch einen Vertrag beim Schweizer Meister unterschreiben.
Oliver Buff geht nach Spanien.
Heinz Lindner wechselt nun offiziell zu den Grasshoppers.
Andre Silva wird Teamkollege von Ricardo Rodriguez bei der AC Milan.
Denis Zakaria verlässt die Bundesstadt in Richtung Mönchengladbach.
Spielt neu für Milan: Ricardo Rodriguez.
Nicolas Haas verlässt Luzern und die Super League und geht zu Atalanta Bergamo.
Der Freiburger Torjäger Maximilian Philipp wechselt zum BVB.
Marc Janko hat einen Zwei-Jahresvertrag bei Sparta Prag unterschrieben.
Der Portugiese Bruma (m.) wechselt zu RB Leipzig.
Gelson Fernandes wechselt von Stade Rennes zu Eintracht Frankfurt.
Joel Mall wechselt zu Darmstadt.
Goalie Ederson wechselt von Benfica zu Manchester City.
Pirmin Schwegler kickt neu für Hannover 96.

Alvaro Morata (r.) wechselt zum englischen Meister Chelsea.

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Auch wenn Real das Eigengewächs wohl gerne gehalten hätte – für diesen Preis wäre es unvernünftig gewesen, ihn nicht ziehen zu lassen. Es ist Chelseas blinde Verzweiflung auf der Suche nach einem Topstürmer, der dazu führte, einen solch überrissenen Preis zu zahlen. Die Königlichen haben einen Hofnarren gefunden.

Mit James Rodriguez ist Real einen weiteren Ersatzspieler vorerst losgeworden. Der Kolumbianer stand im Champions-League-Final nicht einmal im Kader und wird jetzt für stolze 10 Millionen Euro für zwei Jahre an Bayern München ausgeliehen (es ist die dritthöchste Leihgebühr der Geschichte). Bayern hat 2019 eine Kaufoption über 38 Millionen Euro. Wird sie gezogen, hat Real Madrid immerhin 48 Millionen rausgeholt für einen Spieler, den es offenbar nicht mehr benötigt.

James Rodriguez spielt auf Leihbasis zwei Jahre für Bayern München.

James Rodriguez spielt auf Leihbasis zwei Jahre für Bayern München.

Keystone

Rechtsverteidiger-Ersatz Danilo steht zudem kurz vor dem Wechsel von Real Madrid zu Manchester City. Die Ablöse würde sich um die 30 Millionen Euro bewegen. So kann Real Madrid mit den Reservisten Morata (80 Mio.), James (10 + 38 Mio.) und Danilo (30 Mio.) bis zu 158 Millionen Euro einnehmen.

3. Junge Talente holen

Real Madrid hat diesen Sommer noch keine wirklich namhaften Zugänge vermeldet, dafür die richtigen. Denn Theo Hernandez, der von Stadtrivale Atlético kommt, und Dani Ceballos (von Betis Sevilla) sind zwei vielversprechende Talente für die Zukunft.

Theo Hernandez

Theo Hernandez kam für 20 Millionen Euro von Stadtrivale Atletico Madrid.

Theo Hernandez kam für 20 Millionen Euro von Stadtrivale Atletico Madrid.

Keystone

Der 19-jährige Linksverteidiger Hernandez gehört zwar Atlético Madrid, spielte aber nie für deren erste Mannschaft, da er letzte Saison an Deportivo Alaves ausgeliehen war und dort als Stammspieler agierte. Kein Verteidiger unter 21 Jahren hat gemäss transfermarkt.ch einen höheren Marktwert als Theo Hernandez. Real Madrid zahlte 30 Millionen Euro für den Franzosen.

Mit Dani Ceballos hat Real aber den Transfercoup schlechtin gelandet. Der 20-jährige Spanier wechselte für gerade mal 17 Millionen Euro von Real Betis in die Hauptstadt. Ceballlos wurde in diesem Jahr an der U21-EM zum Spieler des Turniers gewählt. Der zentrale Mittelfeldspieler ist bereits jetzt überragend und das nicht bloss auf Nachwuchs-Stufe. Er hat bereits 65 Spiele in der Primera Division absolviert und auch dort überzeugt.

Mit Ceballos und Hernandez hat Real zwei weitere junge Spieler verpflichtet, um den Weltfussball auch in Zukunft zu dominieren.