Der HC Davos sammelt Geld wie ein Weltmeister: 50 000 Franken in 48 Stunden

Der Bündner Traditionsverein sorgt mit dem Crowdfunding-Projekt für den Eishockey-Nachwuchs auf der Plattform «I Believe in You» für einen Rekord.

Rainer Sommerhalder
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Davos und Eishockey - eine Symbiose, die auch beim Crowdfunding auf viel Goodwill stösst.

Davos und Eishockey - eine Symbiose, die auch beim Crowdfunding auf viel Goodwill stösst.

Melanie Duchene

Wie funktioniert Geldbeschaffung im Sport in Zeiten von Corona? Matcheinnahmen sind inexistent. Sponsoren halten sich zurück, da ein Teil der Gegenleistung wegbricht. Eine Lösung heisst Crowdfunding. «Es ist einfacher, tausendmal einen Franken zu sammeln als einmal Tausend Franken», sagt Jocelyn Sommer von «I Believe in You». Die Schweizer Plattform hat sich seit der Gründung im Jahr 2013 zur Weltnummer 1 entwickelt. In 2500 Projekten sind seither mehr als 15 Millionen Franken in den Schweizer Sport geflossen. 90 Prozent der Vorhaben gelingen.

Zwar spürte auch «I Believe in You» im Frühjahr die Folgen des Lockdowns. Die Anzahl der lancierten Sammelaktionen ging um gut zwei Drittel zurück. Es dauerte eine Zeit lang, bis sich Schweizer Sportler, Vereine und Veranstalter neu sortiert hatten und anstatt Wettkämpfe oder Trainingslager nun halt andere, kreative Aufhänger für ihre Projekte fanden.

Kommen jetzt die Profiklubs auf den Geschmack?

Nach den Sommerferien hat sich das Crowdfunding erholt. Derzeit laufen auf der Homepage 64 Kampagnen. Eine davon sticht in zweierlei Hinsicht heraus. Der HC Davos sammelt Geld für seine Nachwuchsabteilung, deren Finanzierung wegen Corona nicht mehr gewährleistet ist. Alleine die Busfahrten der gut 150 Junioren an die jeweiligen Auswärtsspiele kosten den Traditionsverein pro Saison 180 000 Franken.

Mit einer definierten Summe von 50 000 Franken ist das am Mittwoch um 10.00 Uhr lancierte Vorhaben eines der grössten Projekte der Plattform. Und es ist der Rekordhalter punkto Realisierung. Fast auf die Minute genau 48 Stunden benötigte der HCD, bis die knapp 180 Unterstützer den Zielbetrag gespendet hatten. Aufgrund der Höhe des angestrebten Geldwertes hatte sich der Hockeyclub zwei Monate Zeit gegeben. Überhaupt schien man im Bündnerland mit begrenztem Vertrauen in die Aktion gestartet zu sein. Ursprünglich hielt man eine Zielsumme von nur 15000 Franken für realistisch.

Doch inzwischen ist der HC Davos so etwas wie der Corona-Star des Crowdfundings. Beinahe so erfolgreich wie vor Jahren Dominik Aegerter, der für seinen neuen Grand-Prix-Töff tatsächlich 250000 Franken via Schwarmfinanzierung zusammenbrachte. Angesichts der Eigendynamik des HCD-Projekts ist nicht auszuschliessen, dass sich diese Summe bis in zwei Monaten ebenfalls im sechsstelligen Bereich bewegt.

Jocelyn Sommer sagt, dass es drei Erfolgsfaktoren gebe, wieso Crowdfunding im Sport gerade in der aktuellen Krise gut funktioniert: Die gewachsene Solidarität in der Bevölkerung, der digitale Aspekt dieser Geldbeschaffung, für die es keinen persönlichen Kontakt benötigt, sowie die Emotionalität der Geschichten. Der Slogan «Hilf mit den HCD-Nachwuchs zu retten!» funktioniere nun mal um Welten besser als etwa ein Versuch «Davos benötigt einen fünften Ausländer für sein NLA-Team!».

Der Erfolg der Bündner ist derart beeindruckend, dass Jocelyn Sommer am Freitag sämtliche Klubs der Profiligen im Fussball und Eishockey angeschrieben hat, um auf diese Art der Mittelbeschaffung aufmerksam zu machen. Wie es geht, haben auch die Organisatoren des Beachvolley-Weltcups in Gstaad erkannt. Zur Sicherung ihres Events im Jahr 2021 sammelten sie soeben 66 450 Franken. Allerdings benötigten sie dazu genau 40-mal länger als der HCD.