Ein entspannter Ausflug hätte es werden sollen, gestern, ins «Joggeli». Denn ich trug ja das gelbe «Meister»-Shirt, und es ging um nichts mehr – ausser die Ehre. Doch just die wollten unsere Boys dann partout verspielen. Mir hätte das Unheil schon schwanen müssen, als
der Platzspeaker süffisant ankündigte, es stünden sich «dr amtierendi und dr nöii Schwizer Maischtr» gegenüber.

Und als der Basler Captain dem unseren vor Spielbeginn zwar Blumen überreichte – aber ausgerechnet blau-rote. Es wurde eine Klatsche. Und schon war er wieder da: der Pessimist in mir. «Wenn dies, gefühlt, das erste Spiel der neuen Saison war, dann gute Nacht!», raunte ich zu Sitznachbarin Uschi.

Dann meldete sich zum Glück Antonio, der Tifoso. Das Italienische bezeichnet den Fan ja nicht zufällig als «tifoso», als Infizierten, wörtlich: Typhus-Kranken. Und seien wir ehrlich! Wir Fans sind ein bisschen krank. Jedenfalls er, Antonio. Italiener, aufgewachsen in der Länggasse, «e Tschingg us dr Länggiige», wie er frotzelt, und selber darf er das.

Wie oft beschimpfte er die Klubleitung als «Tubeli», wie schalte er Guillaume Hoarau im September einen «dauerverletzten Drögeler»! Wochen später wollte er «ein Kind von ihm». Antonio ist bald himmelhoch jauchzend, bald zu Tode betrübt. Als meine erste «YuBeljahr»- Kolumne mit dem Vermerk erschien, wir würden bis zum Titel weiterschreiben, whatsappte er: «Bist du auf Drogen? Du begleitest YB zum Meistertitel?!» Niemals werde das gelingen.

Zum Wesen des Tifoso gehört, dass er absolut vernunftfrei argumentiert. Im normalen Leben ist Antonio der durchaus seriöse CEO einer mittelgrossen Schweizer Unternehmung. Aber was heisst normal? Sobald es um YB geht, dreht er durch. Nach jedem Rückschlag – Moskau, Lausanne, Thun – nannte er die Spieler «Deppen» und «Vollidioten», nach Siegen war er hin und weg: «Fuck Basel! Unser 32-jähriges Martyrium findet ein Ende. Afrika sei Dank!! Halleluja!!!»

Dieser Antonio nun geisselte gestern kurz vor dem Schlusspfiff überraschend nicht das eigene Team, sondern er schrieb Tröstliches: «Wir wiegen die Chemie-Affen in falscher Sicherheit für nächste Saison. Zudem gut für den Cupfinal – so kann Hütter die Truppe wachrütteln.»

Danach liess ich die Schmach mit Berner und Basler Freunden, sozusagen ökumenisch, bei Speis und Trank in der «Bodega» am Barfüsserplatz ausklingen, und wenn man dort als Mann seine Notdurft verrichtet, sieht man an der Wand über dem Pissoir die aktuelle Tabelle hängen: «1. YB, 2. FC Basel.» Himmel, ja! Auf meinem Shirt steht «Schweizer Meister 2017/18», durchzuckte es mich.

Und sie war wieder da, die Gelassenheit des Siegers: Wen kratzt dieses 1:5? Niemanden.