YuBeljahr

#34 Schneeballeffekt bei Sommerwetter

YB Fans

YB Fans

Manchmal ist der Weg das Ziel. Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Etwas vom Schönsten am YuBeljahr ist der Umstand, dass auf einmal alle dabei sein wollen. Die Fangemeinde wächst mit jeder Meisterschaftsrunde weiter an. Menschen, die gestern noch glaubten, «Young Boys» sei der Name einer amerikanischen Teenager-Band oder sonst etwas Unseriöses, tragen nun im Ausgang stolz ihre YB-Leibchen. Kollegen, die bisher bei den Farben Gelb und Schwarz höchstens an militärische Wegweiser denken konnten, behaupten zurzeit, in ihren Adern fliesse gelbschwarzes Blut.

Musste man die eigene Liebe zu YB bis vor wenigen Monaten noch vor manchen Freunden rechtfertigen, ist nun das Gegenteil der Fall. Leute, die früher höchstens an YB-Spiele gingen, wenn sie von Geschäftsfreunden eingeladen wurden, verlangen inzwischen eine Erklärung von mir, wenn ich mal ein Auswärtsspiel verpasse.

Tatsächlich verpasste ich diese Woche das Duell gegen den Meisterbesieger aus dem Berner Oberland. Aber ich ahnte schon, dass es in der Stockhorn Arena für YB-Fans wenig zu lachen geben würde. Der FC Thun ist in dieser Saison eine Art Stachel im Fleisch des kommenden Meisters.

Bestünde die Super League nur aus YB und dem FC Thun (wie die frühere DDR-Oberliga im Eishockey, die aus bloss zwei Teams bestand), wären wir in dieser Saison nicht Meister geworden. Zum Glück sind da noch ein paar besiegbare Equipen aus den schönen Ortschaften Basel und Zürich mit im Rennen, sonst wären die Berner Young Boys wohl kaum auf die für den lange ersehnten Titel benötigte Punktzahl gekommen.

Aber wir schweifen ab. Das Thema dieser Kolumne ist der Schneeballeffekt, der aus einer überschaubaren Anzahl langjähriger YB-Fans innert weniger Wochen eine Volksbewegung gemacht hat. Für die Meisterfeier auf dem Bundesplatz werden gemäss Schätzungen der Polizeidirektion 100 000 Menschen erwartet.

Das ist eine grossartige Zahl, die einen unweigerlich an die biblische Geschichte der wundersamen Vermehrung von Brot und Fisch denken lässt. Zieht man von dieser Menschenmenge die rund 15 000 Fans ab, die auch bei schlechtem Wetter und bei kritischer Tabellenlage gegen einen wenig attraktiven Gegner ins Stadion pilgern, werden also 85 000 Leute einen Klub feiern, der ihnen in den mageren Jahren meist ein bisschen am Allerwertesten vorbeigegangen ist.

Das ist vollkommen legitim. Je mehr Leute an der Party mitfeiern, desto weniger fühlen sich durch sie gestört. Letztlich haben alle das Recht, sich alle 32 Jahre einmal ein bisschen meisterlich zu fühlen. Und niemand möchte später seinen Kindern sagen müssen, er hätte das YuBeljahr 2017/18 nicht gebührend bejubelt: In diesem Sinn: Häbet nech am Bänkli!

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