Ach, wir erleben gerade die schönsten «YB-Tage» dieses Jahrhunderts. Seit wir kürzlich den Spitzenkampf gegen den FC Basel nicht verloren haben (2:2), wissen wir, dass wir Meister werden. Meister! Jetzt, wo der grosse Tag so nahe gerückt ist, können wir es fast nicht glauben. Ist es doch nur ein Traum? Nein. Tief im Herzen und der Seele wissen wir, dass wir Meister sind. Meister!

Aber einfach so sagen dürfen wir diese unumstössliche Tatsache natürlich nicht. Schon gar nicht im Wissen um unsere leidvollen Erfahrungen in der Vergangenheit. Offen zur Schau getragene Meisterfreude könnte Unglück bringen. Unser Übermut könnte ja die bisweilen unberechenbaren Fussballgötter erzürnen.

Aber wir erleben wahrlich tolle Tage. Was gibt es Schöneres, als zu wissen, dass wir Meister sind – Meister! – und doch so zu tun müssen, als könnte alles noch misslingen? Ein herrliches Gefühl.

Mit wohligem Schauer rechnen wir nach, dass im laufenden Championat immer noch 24 Punkte zu vergeben sind und unser Vorsprung nach Verlustpunkten bloss 16 Zähler beträgt. Wir sagen mit Demut vor dem Fussball-Schicksal: Da ist noch alles möglich! Aber tief im Herzen und der Seele wissen wir, dass wir Meister sind. Meister!

Mit gespielter Besorgnis hören wir unserem Juniorentrainer mit allen Diplomen zu, wie er uns fachlich kompetent erklärt, wie leicht alles nach wie vor schiefgehen könne. Wie stark der FC Basel immer noch sei. Wir lassen ihn reden, nicken mit besorgtem Gesichtsausdruck. Aber tief im Herzen und der Seele wissen wir, dass wir Meister sind. Meister!

Oder reden wir uns das vielleicht doch nur ein? Kann tatsächlich noch etwas schiefgehen? Was, wenn unser Vorsprung auf einmal nur noch sieben Punkte beträgt? Oder gar bloss fünf? Müssen wir dann nochmals zittern?

Eigentlich ist es egal. Wenn es jetzt noch schiefgeht, dann ist es ein Scheitern für die Geschichtsbücher. Ein Scheitern mit internationaler Ausstrahlung. Ein Scheitern, so schlimm, dass wir es bis ans Ende unserer Tage nie mehr vergessen werden.

Dann hat für uns das Verlieren definitiv Kultcharakter. Wäre das schlimm? Denn am Montag hat unser Trainer mit allen Diplomen unsere Freude mit einer weisen Frage getrübt: Was machen wir eigentlich künftig, wenn wir Meister sind?

Dann sind wir ja ganz gewöhnliche Fussballanhänger. Nicht anders als Basler oder Zürcher. Wo er recht hat, da hat er recht. Wir wissen, wie Bier ohne Alkohol schmeckt. Wir haben alle schon Weihnachten ohne Schnee erlebt. Aber es liegt ausserhalb unseres Vorstellungsvermögens, YB-Anhänger zu sein, ohne zu leiden. Auf einmal zeigt sich das Gespenst der Langeweile.