Olympische Spiele
«30 Prozent der Gelder von Sotschi fliessen in die Korruption»

FIS-Präsident Gian-Franco Kasper kritisiert den «Gigantismus», der um die olympischen Spiele entstanden ist. Er befürchtet in Sotschi herzlose Spiele mit wenigen Zuschauern. Auch von einer Fussball-WM im Winter hält der Bündner gar nichts.

Roman Michel
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Der «Ico Dome» in Sotschi: Hier findet das Eishockey-Turnier statt.
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Der neue Bahnhof in Sotschi
Ein Blick auf den olympischen Park von Sotschi. Viele Stadien befinden sich direkt am Meer.
«Rund ein Drittel der olympischen Gelder fliessen in die Korruption», ist sich Kasper sicher.
Sotschi lebe nicht vom Wintersport, sagt Kasper.
Die Verhältnisse auf den Baustellen in Sotschi bezeichnet Kasper als «tragisch».
Kasper bezeichnet Russland-Präsident Wladimir Putin als «eiskalte Persönlichkeit».
FIS-Präsident Gian-Franco Kasper kritisiert die Arbeitsbedingungen in Sotschi
Kasper fordert, dass die olympische Bewegung wieder weg vom Gigantismus kommt.
Auch von einer Fussball-WM im Winter hält Kasper wenig.

Der «Ico Dome» in Sotschi: Hier findet das Eishockey-Turnier statt.

Keystone

Rund einen Monat vor den Olympischen Spielen in Sotschi hat der Präsident des internationalen Skiverbandes und IOK-Mitglied Gian-Franco Kasper in der SRF-Sendung «Rundschau» auf die Korruption rund um die Wettkämpfe hingewiesen.

«Ich gehe davon aus, dass 30 Prozent der Gelder in Korruption oder sonstige Nebengeschäfte fliessen», sagte Kasper und fügte emotionslos hinzu: «In Russland ist das mehr oder weniger Alltag.»

Auch die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen in Sotschi bezeichnet der Bündner als «tragisch». In einzelnen Fällen würden Arbeiter seit Monaten auf ihren Lohn warten.

«Sotschi ist der sicherste Ort der Welt»

In den letzten Jahren traf sich Kasper mehrmals mit Wladimir Putin. «Er ist eine sehr spezielle, eiskalte Persönlichkeit», beschreibt Kasper den russischen Präsidenten, der aber eine riesige Begeisterung für die Spiele zeige. «Er ist mir sympathisch, aber trotzdem nicht der Typ, mit dem ich befreundet wäre», sagt Kasper.

Gian-Franco Kasper

Der Bündner Gian-Franco Kasper ist seit 1998 amtierender Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS) und seit 2000 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Für die Verbreitung des olympischen Gedankenguts wurde er von der universität Sofia mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Kasper ist 69-jährig.

Trotz den jüngsten Terrorangriffen auf Wolgograd sorgt er sich nicht vor Attacken während den am 7. Februar beginnenden Spielen. «Ich versichere Ihnen: Während der Olympiade ist Sotschi der sicherste Ort der Welt».

Vielmehr befürchtet Kasper vor «herzlosen und kalten» Spielen: «Wegen der Sicherheit wird die Zuschauerzahl in den Stadien oft halbiert, zudem lebt der Ort Sotschi überhaupt nicht von Wintersportarten.» Kasper befürchtet, dass sich die olympische Bewegung mit diesem Hang zu Gigantismus «selber auffressen» wird.

Milliarden-Korruptionsskandal in Sotschi
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Blick in den «Bolshoy Ice Dome», Austragungsstätte von Eishockey-Spielen.
Fertig gebaut: Der «Bolshoy Ice Dome» im Olympia-Park in Sotschi.
Die Shayba Arena.
Das Biathlon Center in Krasnaya Polyana in der Nähe von Sotschi.
Eisschnellauf-Stadion für Olympische Spiele 2014 (Archivbild)

Milliarden-Korruptionsskandal in Sotschi

Keystone

Fussball-WM im Winter: «Ein totaler Blödsinn»

Auch eine allfällige Fussball-WM 2022 im Winter ärgert Kasper. Es sei schon früher feststellbar gewesen, dass es in Kater im Sommer zu heiss sei. «Die Fussball-WM würde dem Wintersport den Schauplatz wegnehmen und das Publikum übersättigen», sagt Kasper.

Nur wenige Tage nach dem Abschluss der Weltmeisterschaften dürften 2022 die Olympischen Spiele stattfinden.

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