YuBeljahr

#30 Im Zustand sportlicher Gnade

Die Spieler der Young Boys jubeln

Die Spieler der Young Boys jubeln

Manchmal ist der Weg das Ziel. Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Jahrelang hatte der durchschnittliche Fussballfan in der Schweiz ein Gefühl von Neid gegenüber dem FCB. Wer nicht selber vom rotblauen Virus befallen war, mochte die Basler nicht leiden. Ihr selbstbewusstes Auftreten auf dem Platz wurde gemeinhin als arrogant empfunden.

Setzten sie auf spielerische Mittel, hiess es bald einmal, sie seien überheblich. Setzten sie auf Zweikampfstärke, wurden sie als Holzhacker beschimpft. Wenn der FCB nicht hoch und deutlich gewann, wurde von einem erzwungenen Sieg geredet. Der Schiri, die Platzverhältnisse, das Wetter, das Wettkampfglück oder alles zusammen kam dem Serienmeister immer entgegen. Die gegnerischen Fans wussten jeweils schon vor dem Spiel, dass der FCB gewinnen würde, und sie wussten auch, dass die Niederlage ihres Teams völlig unverdient, aber auch unvermeidbar sein würde.

Seit die Young Boys im Schweizer Fussball das Zepter übernommen haben, spüren wir YB-Fans den gleichen emotionalen Gegenwind, den die Basler in den vergangenen 12 oder 15 Jahren gespürt haben müssen. Gegnerische Fans beschimpfen uns, wenn wir dank eines Penaltys gewinnen, als wäre der Penalty nicht auch Teil des Fussballs, als dürften die Referees keine Penaltys für YB pfeifen, selbst dann nicht, wenn ein glasklarer Regelverstoss der Gegner vorausging. Gewinnen die Berner einen Match, den sie nicht von A bis Z dominiert haben, rümpfen Kommentatoren schon die Nase.

Die fussballerische Redensart vom «dreckigen Sieg», die so lange auf knappe FCB-Siege angewandt wurde, hört man nun immer öfter im Zusammenhang mit YB-Erfolgen. Es stimmt, dass die weltberühmten Berner Young Boys jetzt Spiele gewinnen, die sie früher wohl noch verloren hätten. Aber das ist genau das Markenzeichen eines Meisterteams. David Bader, bienenfleissiger Aussenverteidiger der Aarauer Meistermannschaft von 1993, erzählte es mir einmal so: «In der Meistersaison gingen wir aufs Spielfeld und noch bevor wir wussten, wie uns geschah, lagen wir mit einem oder zwei Toren vorne.»
Im Eishockey brauchen die Fachleute
für diesen Zustand sportlicher Gnade den Begriff «Momentum». Wir Fussballfans nennen es einfach das «Glück des Tüchtigen», jedenfalls, solange es unseren Lieblingsklub betrifft.

Daran, dass wir jetzt in der ganzen Schweiz Feinde haben, die ganz fest hoffen, YB möge wieder einmal verlieren, müssen wir uns noch gewöhnen. Beneidet werden gehört zu den verkraftbaren Nebenwirkungen des Erfolgs.

Früher, als wir bemitleidet wurden, ging es uns YB-Fans kein bisschen besser. Wir geniessen das YuBeljahr nach dem Motto: «Des einen Neid, des andern Freud!»

Meistgesehen

Artboard 1