«YuBeljahr»
#26: «Früher war schöntrinken – doch das Leiden hat sich gelohnt»

Wird diese Saison ein YuBeljahr? Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg glauben fest daran, dass YB den FC Basel entthront. Sie begleiten ihren Verein auf dem Weg zum Titel mit einer wöchentlichen Meisterkolumne. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Pedro Lenz
Pedro Lenz
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Die Euphorie bei YB ist zurzeit gross

Die Euphorie bei YB ist zurzeit gross

PETER SCHNEIDER

Im vergangenen Juli haben wir an dieser Stelle angefangen, die unwiderstehlichen Berner Young Boys zu loben und zu rühmen. Inzwischen ist März und wir loben und rühmen sie noch immer und immer noch mehr! Elf Punkte Vorsprung in der Meisterschaft und eine hochverdiente Qualifikation für den Cupfinal lassen unsere Euphorie weiter anschwellen.

Die unermüdlichen YB-Spieler und ihr grossartiger Cheftrainer Adi Hütter sind zum Glück cooler als wir. Sie überlassen den Übermut uns Fans und bleiben fokussiert, weil sie wissen, dass die Meisterschaft noch eine Weile dauert und dass der Cupfinal noch gespielt sein will.

Aber wir YB-Fans, wir, die wir des jahrelangen Leidens müde sind, wir, die wir uns selbst bei brutalen Minustemperaturen am Spiel unserer Lieblingsmannschaft erwärmen, wir, die wir unsere Hoffnung grossreden und unsere Zweifel wegspülen, wir baden unsere geschundenen Seelen in Euphorie.

Wir haben in den letzten Jahrzehnten so viel durchgemacht. Wir haben geweint, wenn wir im Cup an unterklassigen Gegnern gescheitert sind. Wir mussten uns auf Heimfahrten von Ortschaften wie Buochs das Leben schöntrinken. Wir haben versucht wegzuhören, wenn uns der Spott vom Rhein erreichte. Aber das Leiden hat sich gelohnt. Nur wer leidet, weiss einen Sieg wie denjenigen vom letzten Dienstag voll auszukosten!

Während wir YB-Fans den Sieg am Dienstag schon vor dem Match besangen, legten die Profis die beiden Eigenschaften in die Waagschale, die sie in diesem Jahr so erfolgreich machen: Mut und Demut. Mut hiess am Dienstag, das Spiel an die Hand nehmen, weit oben pressen, keinen Respekt zeigen vor der Sense eines Serey Dié, keine Angst haben vor der Schauspielkunst eines Stocker oder vor der Härte eines Xhaka. Was Demut bedeutet, lebte der Cheftrainer bei der Pressekonferenz vor. Da war kein Siegergehabe, keine Arroganz und keine Schadenfreude gegen die bemitleidenswerten Gäste vom Rhein. Mut und Demut beim Team, Euphorie bei den Fans. Die Aufgabenteilung passt, das Double kann kommen!