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22 positive Corona-Fälle bei Sion nach der Quarantäne: Provoziert Constantin einen Liga-Lockdown?

Weil beim FC Sion nach zehntägiger Quarantäne 13 Spieler und neun Betreuer positiv getestet werden, fällt am Mittwoch das Nachholspiel in Luzern aus.

Daniel Wyrsch
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Sion-Präsident Christian Constantin findet: «Derzeit hat niemand den Kopf beim Fussball.»

Sion-Präsident Christian Constantin findet: «Derzeit hat niemand den Kopf beim Fussball.»

Pascal Muller/Freshfocus (Sion, 18. Oktober 2020

Der FC Sion wird erneut von Corona gestoppt: Zwar sind die Walliser Ende der letzten Woche aus der Quarantäne entlassen worden, aber der Verein liess vor der Wiederaufnahme des Trainings alle Profis und Mitglieder des Staffs auf Covid-19 testen, Das hat zu erstaunlichen Resultaten geführt: Gleich 13 Spieler und neun Leute aus dem Staff sind positiv getestet worden.

Die Walliser beantragten bei der Liga die Verschiebung des Nachtragsspiels von morgen in Luzern sowie für die Partie am Sonntag gegen Basel. Die Swiss Football League (SFL) hat der erneuten Verschiebung der Begegnung gegen den FCL bereits zugestimmt. Abgesagt ist ebenfalls der Super-League-Match vom Sonntag zwischen Vaduz und Servette. Die Genfer beantragten diese Verschiebung. In der Challenge League musste die Partie von heute zwischen Chiasso und Xamax verschoben werden, dem Antrag der Neuenburger wurde stattgegeben.

Beinahe 50 Prozent der Sion-Tests sind positiv

Zurück zu Sion: Was konnte dazu führen, dass bei den Sittenern nach zehn Tagen in Quarantäne 22 Personen von total 45 ein positives Ergebnis erhielten? Wir fragten bei der SFL nach, für den an Sitzungen beschäftigten CEO Claudius Schäfer beantwortete der Kommunikationschef die Fragen. Angesprochen auf die 22 positiven Testfälle am Ende der Quarantäne, sagte Philippe Guggisberg: «Möglicherweise wurde zu früh getestet und es sind immer noch die gleichen Personen. Aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht ist es für uns aber schwierig, die Situation im Detail zu beurteilen.»

In der Schweiz kann man die Spieler für den Meisterschaftsbetrieb nicht in einer Blase halten: «Es besteht ein privates Umfeld, eine nicht geschützte Umgebung, beispielsweise wenn die Frau arbeitet oder die Kinder zur Schule gehen», so Guggisberg. Er glaube dennoch, dass die SFL das Spielprogramm bewältigen könne: «Der Vorteil ist sicher, dass wir uns noch in einer frühen Phase der Meisterschaft befinden.» Mit der Uefa sucht die Liga nach Lösungen, Nachholspiele auch an europäischen Daten anzusetzen. Die Challenge League könnte vielleicht auch an Nationalmannschaftsterminen spielen.

Zentral ist für die SFL, dass die Quarantäne-Regelung einheitlich geregelt wird. «Anfang Saison hatten wir die klare Rückmeldung von Vertretern des BAG, der GDK und dem Präsidenten der Kantonsärzte, dass nicht die ganze Mannschaft in Quarantäne muss, sondern nur der positiv getestete Spieler isoliert wird. Nun schicken die Kantonsärzte ganze Teams in Quarantäne, das bringt den Ligabetrieb in Bedrängnis.»

Beim FC Bayern muss das Team nicht in Quarantäne

Die Schweizer Klubs schauen auch ins Ausland und fragen sich, wieso dort andere Regeln gelten. «Was macht zum Beispiel der FC Bayern München anders? Serge Gnabry wurde kürzlich positiv getestet und musste sich in Isolation begeben, jetzt Niklas Süle, aber nie die ganze Mannschaft. Da stellen sich uns gewisse Fragen», so Guggisberg.

Eine aussergewöhnliche Rolle spielt in der Schweiz einmal mehr Christian Constantin. Der Sion-Präsident hatte im Frühling einen Abbruch der Saison gefordert. Kürzlich verlangte er: «Die Meisterschaft muss bis Weihnachten pausieren. Derzeit hat niemand den Kopf beim Fussball.» Es wird gemunkelt, neben Sion forciere auch Lugano einen Liga-Lockdown. Guggisberg meinte dagegen: «Ein Unterbruch der Saison ist aus Sicht der SFL kein Thema, das würde die Probleme im Spielplan nur nach hinten verschieben. Von den Klubs empfangen wir die Zeichen, dass sie möglichst rasch wieder spielen wollen.» Ein Break käme zur Unzeit, denn die SFL handelt gerade den neuen TV-Vertrag aus.