YuBeljahr
#21 (Winterpause - Spezial): Eine weisse, flockige Wolke

Sie leiden Woche für Woche mit ihrer grossen Liebe. Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg schreiben YB per Kolumne zum längst ersehnten Titel. Die Hälfte ist geschafft. Weiter so!

Bernhard Giger
Bernhard Giger
Drucken
Teilen

Keystone

Ideales Fussballwetter zieht anders auf, nicht so tief und nass und kalt. Als bereits etwas einsamer Besucher an Heim- und Cupspielen der letzten Wochen tat man gut daran, einen Lappen mitzunehmen, um zuerst den Pflotsch vom Sitzplatz zu putzen – und dann trotzdem, bei Gefrierpunkttemperaturen, im feuchten zu sitzen.

Spiele am Rand des Irregulären. Im Cup gegen St. Gallen wurde das Schneegestöber so dicht, dass die Spieler einander nicht mehr gesehen haben. Bei einem weiten Pass verschwand der Ball in einer weissen, flockigen Wolke.

Im Dezember 2010 gab es auch so ein Schneespiel, ein 4:2 gegen den VfB Stuttgart, der YB das Überwintern in der Europa League sicherte. Es hat damals geschneit wie gestört, der Platz musste mehrmals gesäubert werden. Emmanuel Mayuka, der Stürmer aus Sambia, schoss zwei Tore. Es war sein erster Winter im Norden.

Daran muss der ältere Herr denken, der am letzten Heimspiel der Vorrunde allein auf seinem Saisonkartenplatz in der vierten Reihe sitzt, die Arme fest verschränkt und die Kappe tief in die Stirn gezogen. Nennen wir ihn Max. Wie oft ist er schon hier gesessen, an einem dieser himmeltraurigen Sonntage, wo man alles machen kann, bloss nicht an ein Fussballspiel zu gehen.

Winter ist vielleicht nicht Fussballzeit, aber Fussball im Dezember ist dennoch besonders. Wenn’s gut läuft, ist das immer ein wenig wie Vorweihnacht. So denkt Max. Und schreckt plötzlich auf. Daran hat er noch gar nicht gedacht.

Die Geschichte, die er seinen Enkeln jeweils an Weihnachten erzählt, wenn die Geschenke ausgepackt und ausprobiert sind, diese Geschichte wird er in diesem Jahr vielleicht das letzte Mal erzählen. Es ist die Geschichte vom letzten Berner Meistertitel. Im nächsten Jahr, denkt Max und lächelt in den trüben Tag, haben die Enkel dann selber eine Geschichte, die sie ihren Nachkommen dereinst erzählen werden.