Champions League
0:4-Sieg! Real Madrid demütigt Bayern in München

Bayern München kassiert die höchste Heimniederlage der Champions League. Der deutsche Meister verliert das Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid gleich mit 0:4. Die Spanier stehen damit im Finale.

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Ramos jubelt doppelt: zwei Kopftore für Real.
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Ribéry wird gestoppt.
Einseitige Sache: Bayern gegen Real.
Bayern-Real Halbfinal
Ronaldo macht das 0:3 und damit alles klar.
Nicht sein erster Albtraum dieses Jahr: Bayern-Boss Uli Hoeness verfolgt die Blamage der Münchner.
Total bedient: Bayern-Sportchef Matthias Sammer.
Kollektiver Jubel: Real freut sich über drei frühe Tore in München.
Frustabbau bei Bayerns Mandzukic.
Frustabbau bei Bayerns Mandzukic.
Gefangen im weissen Ballett: Bayerns Robben.

Ramos jubelt doppelt: zwei Kopftore für Real.

Nordwestschweiz

Bereits nach 34 Minuten und den Toren von Sergio Ramos (16./20.) und Cristiano Ronaldo war die mit viel Spannung erwartete Partie in der ausverkauften Allianz-Arena entschieden. Ronaldo sorgte mit einem direkt verwandelten Freistoss in der 90. Minute für den Schlusspunkt der Real-Gala.

Für den Portugiesen, der beim 3:0 einen Konter nach schöner Vorlage von Gareth Bale abschloss, waren es der 15. und 16. Treffer in dieser Champions-League-Kampagne, womit er den Rekord von Lionel Messi (FC Barcelona/2012) und Jose Altafini (Milan/1963), die je 14 Mal in einer Saison getroffen hatten, übertraf. In dieser Saison hat Ronaldo bereits 60 Tore erzielt, in der Königsklasse ist er nach 102 Spielen bei 66 Treffern angelangt. Einziger Wermutstropfen für die Madrilenen war die Verwarnung gegen Xabi Alonso kurz vor der Pause. Der spanische Internationale wird im Final gesperrt sein.

Bayern München - Real Madrid 0:4 (0:3)

Allianz-Arena. - 68'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Proença (Por). - Tore: 16. Sergio Ramos 0:1. 20. Sergio Ramos 0:2. 34. Cristiano Ronaldo 0:3. 90. Cristiano Ronaldo 0:4.

Bayern München: Neuer; Lahm, Boateng, Dante, Alaba; Kroos, Schweinsteiger; Robben, Müller (72. Pizarro), Ribéry (72. Götze); Mandzukic (46. Martinez).

Real Madrid: Casillas; Carvajal, Pepe, Sergio Ramos (75. Varane), Coentrao; Bale, Modric, Xabi Alonso, Di Maria (84. Casemiro); Benzema (80. Isco), Cristiano Ronaldo.

Bemerkungen: Bayern München ohne Shaqiri (rekonvaleszent), Badstuber, Thiago Alcantara und Starke (alle verletzt), Real ohne Arbeloa, Jese und Khedira (alle verletzt). Vor der Partie gab es eine Schweigeminute für die verstorbenen Tito Vilanova und Vujadin Boskov. Verwarnungen: 17. Dante (Foul). 37. Xabi Alonso (Foul/im Final gesperrt).

Vor der Partie schien in der Allianz-Arena alles für einen grossen bayerischen Fussballabend angerichtet gewesen zu sein. Der ehemalige Madrilene Arjen Robben schwor seine Mannschaft nach dem Aufwärmen im Mannschaftskreis mit Worten und Gesten noch einmal ein, Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer sprach gegenüber "Sky" von "Herz, Wille und Leidenschaft", die den Ausschlag zugunsten der Bayern geben würden, und die 68'000 Zuschauer empfingen ihre Mannschaft mit einer phantastischen Choreografie. Auch der wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe verurteilte ehemalige Manager und Präsident Uli Hoeness sass noch einmal auf der Tribüne.

Ramos' Doppelschlag per Kopf

Die Ernüchterung auf dem Platz folgte für den Titelverteidiger schnell. Bereits in der neunten Minute bekundete das Heimteam Glück, als Torhüter Manuel Neuer einen weiten Ball beinahe unterlief und Bale das verlassene Tor nicht traf. Gut zehn Minuten später und zwei weiteren Patzern in der Bayern Defensive war die Partie so gut wie entschieden. Für einmal sorgten aber weder Ronaldo, Bale noch Karim Benzema, einer des "galaktischen" Angriff-Trios der Madrilenen, das zuvor elf der 13 Real-Tore in der K.o.-Phase geschossen hatte, für den Unterschied, sondern Verteidiger Sergio Ramos.

Der 28-jährige Andalusier, mit Spanien zweifacher Europameister und 2010 Weltmeister, brachte mit zwei Kopfballtoren innerhalb von fünf Minuten die Zuschauer in der Allianz-Arena zum Verstummen. Nach einem Corner von Luca Modric liess Thomas Müller den Innenverteidiger gewähren, fünf Minuten später kam Mario Mandzukic nach einer von Pepe abgelenkten Freistossflanke von Angel Di Maria gegen Ramos zu spät.

Waren die Bayern im Hinspiel vor einer Woche noch die klar spielbestimmende Mannschaft und den Madrilenen mindestens ebenbürtig, traten sie gestern in der ersten Halbzeit phasenweise desolat auf und waren dem Gegner in allen Belangen unterlegen. Die Kontrolle über das Spiel erlangten sie nie, in der Defensive wirkten sie noch fehleranfälliger als im Hinspiel, und erst kurz vor der Pause, als die Partie längst entschieden war, erspielten sich die Münchner erste gute Torchancen. Einige Bayern-Akteure konnten ihren Frust nicht verbergen: Franck Ribéry, der wie im Hinspiel schwer enttäuschte, ohrfeigte kurz vor der Pause seinen Gegenspieler Carvajal ohne allerdings dafür bestraft zu werden.

Guardiola entzaubert

Auch wenn die Bayern nach der Pause etwas besser ins Spiel kamen, dürfte es für Bayerns Trainer Pep Guardiola erstmals seit seinem Amtsantritt im letzten Sommer ungemütlich werden. Mit seiner Spielidee des "Tiqui-Taca", der totalen Ballkontrolle, mit der er als Trainer von Barcelona zwischen 2008 und 2012 den Fussball revolutioniert hatte und 14 Titel gewann, scheiterte er für einmal klar. In Carlo Ancelotti, der wie Guardiola sowohl als Spieler wie auch als Trainer (jeweils mit Milan) die Champions-League gewann, fand der Katalane in Europa erstmals einen Bezwinger, der nicht nur auf destruktive Mittel zurückgriff, sondern Guardiola mit taktischen und spielerischen Mitteln übertölpelte.

Die Madrilenen zogen auf souveräne Art und Weise und verdient erstmals seit zwölf Jahren wieder in den Champions-League-Final ein, nachdem sie in den letzten drei Jahren jeweils in den Halbfinals gescheitert waren. 2002 siegten die Madrilenen im Final dank einem Traumtor des heutigen Assistenztrainers Zinédine Zidane in Glasgow gegen Bayer Leverkusen 2:1. Captain Iker Casillas, der in dieser Saison nur in den K.o.-Wettbewerben zum Einsatz kommt, hütete damals schon das Real-Tor.

Real bietet sich nun am 24. Mai in Lissabon gegen Stadtrivale Atletico oder Chelsea die Chance, "la Decima", den zehnten Titel im wichtigsten europäischen Teamwettbewerb zu gewinnen. Auch das Triple, der Gewinn aller drei grossen Titel, ist in der ersten Saison unter Ancelotti weiterhin möglich. Nach dem Sieg in der Copa del Rey im Final gegen den FC Barcelona (2:1) hat Real auch in der Primera Division - trotz drei Verlustpunkten mehr als Atletico Madrid - noch Titelchancen.

Telegramm: Bayern München - Real Madrid 0:4 (0:3).

Allianz-Arena. - 68'000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Proença (Por). - Tore: 16. Sergio Ramos 0:1. 20. Sergio Ramos 0:2. 34. Cristiano Ronaldo 0:3. 90. Cristiano Ronaldo 0:4.

Bayern München: Neuer; Lahm, Boateng, Dante, Alaba; Kroos, Schweinsteiger; Robben, Müller (72. Pizarro), Ribéry (72. Götze); Mandzukic (46. Martinez).

Real Madrid: Casillas; Carvajal, Pepe, Sergio Ramos (75. Varane), Coentrao; Bale, Modric, Xabi Alonso, Di Maria (84. Casemiro); Benzema (80. Isco), Cristiano Ronaldo.

Bemerkungen: Bayern München ohne Shaqiri (rekonvaleszent), Badstuber, Thiago Alcantara und Starke (alle verletzt), Real ohne Arbeloa, Jese und Khedira (alle verletzt). Vor der Partie gab es eine Schweigeminute für die verstorbenen Tito Vilanova und Vujadin Boskov. Verwarnungen: 17. Dante (Foul). 37. Xabi Alonso (Foul/im Final gesperrt).

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