Sag niemals nie. Besonders nicht bei Beat Feuz. Trotzdem: Hätte jemand Ende 2012 behauptet, der Schweizer gewinne irgendwann den Abfahrts-Weltcup – selbst Feuz hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Nach einem Knie-Infekt war seine Karriere damals fast vorbei. Die Ärzte zeichneten das Schreckensszenario einer Amputation.

 Alles andere als trainingsfaul

So weit kam es glücklicherweise nicht. Doch allein die Rückkehr in den Weltcup war weit weg. Feuz eilte damals der Ruf voraus, trainingsfaul zu sein, weil er in jungen Jahren nicht immer nur diszipliniert trainierte. Doch statt aufzugeben, akzeptierte der Berner die Schmerzen. Egal, wie stark sie waren.

Trainingsfaul? Im Gegenteil! Er schuftete hart und nahm täglich viele Stunden Therapie auf sich. Es war eine bemerkenswerte Willensleistung, immer getrieben vom Traum, irgendwann noch einmal ein grosses Rennen zu gewinnen. «Ich werde zwar nie mehr eine ganze Saison lang dominieren. Aber in einzelnen Rennen kann ich der Beste sein.»

Ein hoher Preis für den Erfolg

Es wurde das Credo von Beat Feuz. Und er hatte recht. Er siegte unter anderem in Wengen und wurde Weltmeister. Er bewies, dass er in den wichtigsten Rennen der schnellste Abfahrer ist. Doch dafür zahlte er einen hohen Preis. Nach Siegen schwoll sein Knie an und Feuz humpelte zur nächsten Therapiesitzung. Immer wieder.

Doch Feuz hat in den Jahren des Leidens vieles gelernt. Er weiss mittlerweile ganz genau, was sein Knie braucht. Nach der vergangenen Saison hat er seine Freundin Katrin Triendl gebeten, ihren Job als Physiotherapeutin aufzugeben, um ihn fortan zu begleiten.

Freundin und Therapeutin

Seither ist sie an jedem Rennen, koordiniert seine Medienarbeit und hält ihm den Rücken frei. Aber vor allem hat er seine wichtigste Therapeutin immer dabei. Und sie behandelt weit mehr als sein lädiertes Knie. Sie ist auch mental die wichtigste Stütze für ihren Freund.

Die Erfolge von Beat Feuz werden immer wieder mit seinem unglaublichen Gefühl für den Ski erklärt. Mit seiner Gabe, instinktiv das Richtige zu tun. Beides stimmt, ist aber eben nur ein Teil der Erklärung. Längst ist Fleiss zum Können hinzugekommen.

Man könnte sagen: Aus dem Talent ist ein Profi geworden. Feuz hat sich die Strukturen für den Erfolg geschaffen. Er trainiert und regeneriert nach einem Plan, der nun sogar regelmässig Spitzenplätze zulässt. Diese Entwicklung alleine als das Wunder Beat Feuz zu erklären, wäre nicht fair.

Die Kugeln gehören den Stars

Gestern wurde er für seinen Weg belohnt. Mit der Kristallkugel für den besten Abfahrer der Saison. Feuz ist Weltmeister und hat Olympia-Medaillen gewonnen, und trotzdem ist dieser Triumph fast noch bedeutender. Weil er die eigene Zukunftsprognose widerlegt hat. Und weil er nun zu einem erlesenen Kreis gehört.

In einem einzelnen Skirennen gibt es immer mal wieder Überraschungen und werden selbst die Besten besiegt. In der Saisonbilanz nicht. So gab es in der Geschichte Zufallsweltmeister und überraschende Gewinner von Olympia-Medaillen. Auch wenn Feuz nie zu dieser Kategorie gehört hätte, weil er viel zu regelmässig Erfolge feiert – die Kugeln gewinnen die grossen Stars der Szene.

Der perfekte Moment um aufzuhören

Allein mit den besten Abfahrern eines Winters lässt sich schon fast die Hall of Fame des Skisports füllen: Bernhard Russi, Roland Collombin, Franz Klammer, Peter Müller, Pirmin Zurbriggen, Franz Heinzer, Luc Alphand, Lasse Kjus, Hermann Maier, Didier Cuche – um nur einige zu nennen. Und seit gestern also auch Beat Feuz.

Im Sommer wird Feuz erstmals Vater. Es wäre der perfekte Moment, um aufzuhören. Auf dem Höhepunkt mit 31 Jahren. Schliesslich hat er längst mehr gewonnen, als möglich schien. Doch Feuz will weiterfahren. Von wegen faul! Er hat noch nicht genug. Er nimmt die Schmerzen in Kauf. «Ich werde aber sicher keiner, der ewig fährt», erklärt er. Aber eben: sag niemals nie. Besonders nicht, wenn Beat Feuz ein Teil der Prognose ist.