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Unterstützung schon im Kindesalter

Ungefähr jedes hundertste Kind in der Schweiz ist autistisch. Im Gespräch erläutert Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. Michael Watson, was das für Kind und Eltern bedeutet und welche Unterstützungsformen die Spezialsprechstunde Autismus der PDAG bietet.

Moira Cassidy
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Michael Watson: «Autistische Kinder befassen sich oft nur mit einem einzigen Spielzeug.»

Michael Watson: «Autistische Kinder befassen sich oft nur mit einem einzigen Spielzeug.»

Bild: zvg

Folgendes könnte sich auf dem Pausenhof einer Primarschulklasse ganz in der Nähe abspielen: Der 7-jährige Nino spielt alleine vertieft mit seinem Plastikdinosaurier in einer Ecke. Seine Klassenkameraden wollen aber, dass er mit ihnen Fussball spielt. Sie rufen ihn und werfen ihm sogar den Ball zu, doch Nino blickt nicht auf. Er zeigt keinerlei Interesse an Ballspielen oder seinen Klassenkameraden. Nino ist autistisch und hat Mühe, sich auf das Spielen mit Gleichaltrigen einzulassen. Viel mehr fokussiert er sich auf immer dasselbe Spielzeug und kapselt sich von aussen ab. Das wilde Getümmel in der Pause ist für ihn herausfordernd.

Autistische Kinder wie der fiktive Nino nehmen die Welt anders wahr als Nichtautisten. Dies fällt oft im Spielverhalten mit anderen auf, was zu Störungen in der sozialen Interaktion mit dem Umfeld führen kann.

Die Ausprägungen von Autismus können sehr unterschiedlich sein; daher spricht man heute von der sogenannten Autismus-Spektrum-Störung (ASS). «Mit diesem Begriff wird man der graduellen Ausprägung gerecht, die ein autistisches Kind haben kann. Manche haben nur eine leicht spezifisch eigene Wesensart, während Kinder am ‹schweren Ende› des Spektrums von einer tiefen Verhaltens- und Wahrnehmungsstörung betroffen sind», erklärt Michael Watson, Leitender Arzt in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) in Windisch. Beim geläufigen Asperger-Syndrom sind Kinder und Jugendliche vor allem im sprachlichen und kogni­tiven Bereich weniger stark eingeschränkt, die sozialen Kommunikationsprobleme wiegen jedoch auch bei ihnen schwer.

Kinder verstecken ihren Autismus oft

Autistische Züge fallen nebst dem einseitigen Spielverhalten auf, wenn Kinder spät oder fast gar nicht sprechen lernen, wenig Blickkontakt halten oder wenn Routinen unterbrochen werden: Viele Betroffene sind auf bestimmte Interessen und Rituale fixiert und kommen schlecht mit Veränderungen zurecht. Eine Folge einer ASS kann eine brüchige Kommunikation zwischen Betroffenen und Eltern sein. «Einige Eltern lösen dies auf kreative Weise und finden ihren eigenen Umgang mit dem herausfordernden Alltag», so Watsons Erfahrung.

Generell rät der Kinder- und Jugendpsychiater betroffenen Eltern, sich in erster Linie an die nächsten Menschen im Umfeld des Kindes zu wenden: Wie verhält sich das Kind bei ihnen? Dies können gemäss Watson Angehörige, Pädagoginnen, Babysitter, Spielgruppenleiterinnen oder andere Bezugspersonen sein. Grundsätzlich wichtig sei, dass Eltern ein gutes Netz haben. «So werden Verhaltensauffälligkeiten häufiger bemerkt.» Aber wenn ein Kind keine körperlichen Symptome aufweise und sprachlich fit sei, kompensiere es sein Verhalten. «Dies kann dazu führen, dass Autismus erst spät erkannt wird.»

Wenn Eltern sich überfordert fühlen, macht eine fachliche Aussensicht Sinn, beispielsweise ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder der Eltern-Kind-Beratung. Hier kommen die PDAG ins Spiel: Mit 20 Jahren Erfahrung in der Autismusberatung konnten die Experten aus Watsons Team schon viele Familien begleiten. Allerdings ist der Bedarf über die letzten zwei Jahrzehnte stark gestiegen. «Nebst unserem Schwerpunkt Diagnostik wäre ein Ausbau in der Therapie und der Begleitung sicher sinnvoll», erklärt der Kinderpsychiater. Damit könnten Betroffene durchgehend gut unterstützt werden, ist er überzeugt.

Lernbares «Normal»- Verhalten

Je nach Schweregrad und Ausprägung der ASS können Kinder nach der Diagnose ein anderes Verhalten erlernen. Damit verbundene Unterstützungsformen sind tendenziell sehr zeitintensiv und greifen am besten, wenn bereits in der frühkindlichen Phase unterschiedliche Massnahmen zur Verbesserung der Situation eingeleitet werden. In der Spezialsprechstunde Autismus in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der PDAG werden solche Unterstützungsformen gefördert. «Wir arbeiten interdisziplinär im Verbund mit anderen Institutionen wie Schulen oder heilpädagogischen Einrichtungen. So können wir das Kind in seinem unterschiedlichen Lebenskontext beobachten, und es entsteht ein ganzheitliches Bild», erklärt Michael Watson. Sein Team macht grösstenteils Abklärungen und Beratungen. Teils begleiten sie Patientinnen und Patienten über längere Zeit, besonders bei schwierigen Wechseln, zum Beispiel von einer Schulstufe zur nächsten oder von der Schule in die Ausbildung und später ins Erwerbsleben. Wenn solche Massnahmen früh getroffen werden, dienen sie der Ermächtigung der Betroffenen. Diese Aussicht kann Hoffnung geben – den Eltern, Lehr­personen, Freunden, aber auch dem betroffenen Nino mit seinem Plastik­dinosaurier.

Ein vielfältiges Spektrum

Menschen mit einer Autismus-Spektrum- Störung (ASS) nehmen ihre Umwelt anders wahr, als die meisten Menschen. Medizinisch gesehen liegt Autismus eine tiefgreifende Entwicklungsstörung zugrunde. Kinder mit Störungen aus dem Autismus-Spektrum sind Gleichaltrigen in der Entwicklung deutlich hinterher. Erste Auffälligkeiten treten bereits im Kleinkindalter (vor dem 3. Geburtstag) auf, auch wenn sie teilweise erst im Kindergarten- oder Schulalter als solche erkannt werden. Autisten können sich nur mit Mühe in andere einfühlen und Emotionen schlecht deuten und adäquat kommunizieren. Auch können sie die Stimmung ihres Gegenübers aus dessen Gesichtsausdruck schlecht erkennen. Sie vermeiden Kontakte und befassen sich gerne mit einem Spezialgebiet. Mit einer frühzeitigen, korrekten Diagnose durch Fachspezialisten können angemessene Fördermassnahmen ergriffen werden.

Kontakt und weitere Informationen:

Zentrales Ambulatorium für Kinder und Jugendliche Windisch, Telefon 056 462 20 10, kj.zentrale@pdag.ch, www.pdag.ch