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Flotte Läufer leben länger

Ein verlangsamtes Gehtempo kann Vorbote von Stürzen oder sogar einer Demenz sein. Tanzen und Tai-Chi beugen vor, sagen Schweizer Experten.

Lajos Schöne
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Dieser Artikel wurde von der Verlagsredaktion der CH Regionalmedien AG im Auftrag von Gesundheit Aargau erstellt. Hier geht es zu den Richtlinien für Paid Content.

Ganggeschwindigkeit und Gesundheitszustand hängen zusammen.

Ganggeschwindigkeit und Gesundheitszustand hängen zusammen.

Sicher auf den Beinen unterwegs zu sein, trägt massgeblich zur Lebensqualität bei. Was aber nur wenige wissen: Das Gehen ist eng mit dem Denken verknüpft. Veränderungen der Gehgeschwindigkeit, Unsicherheit beim Laufen, Gangstörungen und Schwindel können sehr frühe, im Wortsinn «schleichende» Vorboten unterschwelliger geistiger Abbaupro­zesse oder einer Demenz sein, berichten Altersmediziner der Universität Basel.

Der stabile aufrechte Gang ist ein hochkomplexer Bewegungsablauf. Gehen erfordert das vielschichtige Zusammenspiel verschiedener Bereiche des Gehirns: Die Augen sind ebenso daran beteiligt wie das Gleichgewichtsorgan im Ohr, die Atmung, Muskeln und das Knochengerüst.

Das Gefühl einer Unsicherheit beim Gehen ist daher oft ein Symptom von sensorischen und/oder kognitiven Defiziten, betonen Altersmediziner der Universität Basel. Dr. Stephanie A. Bridenbaugh leitet dort das Ganglabor im Basel Mobility Center, Prof. Dr. Reto W. Kressig ist klinischer Professor für Geriatrie der Universität Basel und ärztlicher Direktor der Universitären Altersmedizin am Felix-Platter-Spital in Basel.

Was die Schritte über unsere Zukunft verraten

Studien haben gezeigt, dass sich beginnende Störungen der Hirnleistung bereits an der Geschwindigkeit des Gangs voraussehen lassen, und das bis zu zehn Jahre im voraus, so Bridenbaugh und Kressig. Eine objektive Messung des ­Gehens erlaube die Früherkennung von Geh- und Hirnleistungsstörungen sowie eines Sturzrisikos. Sogar das Risiko, später an einer Demenzkrankheit wie Alzheimer zu erkranken, lasse sich mit der Analyse des Gangs abschätzen.

Denn schon beim normalen Altern nimmt die Geschwindigkeit des Gehens kontinuierlich ab: sie verringert sich nach dem 60. Lebensjahr um etwa ein Prozent pro Jahr. So erlaubt die Geh­geschwindigkeit bei älteren Menschen eine Vorhersage für Stürze, Knochen­brüche, Immobilität, Gebrechlichkeit, Pflege­bedürftigkeit, Hospitalisation und Sterberisiko.

Altersassoziierte Veränderungen, wie verminderte Muskelkraft und verminderter sensorieller Input (Abnahme der Sehkraft, des Gehörs, des Vibrationsempfindens an den Füssen) beeinträchtigen Systeme, die für den stabilen Stand und Gang zuständig sind. «Jeder Mensch hat ein bestimmtes Ausmass an Aufmerksamkeitsressourcen. Wenn mehr Aufmerksamkeit benötigt wird, um sensorielle Defizite zu kompensieren, steht weniger Aufmerksamkeit für das Gehen zur Verfügung», erläutern Bridenbaugh und Kressig. «Betroffene fühlen sich deshalb beim Gehen oft ­unerklärlich unwohl. Diese Gefühle werden häufig als Schwindel oder Unsicherheit beschrieben.»

Laufen und gleichzeitig reden – für viele ein Problem

Ein typisches Zeichen für die gestörte Interaktion von Gang und Kognition ist das Stehenbleiben beim Reden («stop walking while talking»). Bereits 1995 hat eine schwedische Studie gezeigt, dass ­ältere Menschen, die nicht gleichzeitig gehen und eine einfache Frage beantworten können, ein erhöhtes Risiko für Stürze in den kommenden sechs Monaten aufweisen.

Ab einem Alter von 70 Jahren nimmt die Gehgeschwindigkeit zwischen 12 und 16 Prozent pro Dekade ab. Eine spon­tane Gehgeschwindigkeit unter einem Meter pro Sekunde weist auf eine Instabilität des Bewegungsapparates und auf gesundheitliche Probleme hin – und kann auch das Alltagsleben beeinträchtigen: Für das sichere Überqueren eines Zebra­streifens während der Grünphase einer Ampel benötigen Fussgänger eine Mindestgehgeschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekunde.

Gangschwierigkeiten können Begleiterscheinungen vieler Krankheiten sein, z.B. von Parkinson, multipler Sklerose, Lähmungen nach einem Schlaganfall oder Arthrose in den Hüft- oder Kniegelenken. Das Langsamerwerden im ­Alter hat also viele Ursachen, wie etwa auch Defizite in der Biomechanik der Muskeln, der Signalverarbeitung im Gehirn und der Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge. Weitere Ursachen sind sedierende oder blutdrucksenkende Medikamente, Muskelmasseverlust («Sarkopenie»), aber auch die Angst vor Stürzen.

Besser zu Fuss mit Rhythmik und Tai-Chi

In den letzten Jahren hat sich die Ganggeschwindigkeit als ein aussagekräftiger Parameter herausgestellt, um die Gesundheit und Überlebensdauer älterer Menschen zu beurteilen. In Studien ­wurde zudem nachgewiesen, dass eine Kombination von kognitiven Einschränkungen und verringerter Ganggeschwindigkeit mit einem zweifach höheren ­Demenzrisiko einhergeht.

Um die Gangsicherheit zu erhöhen und das Gehen wieder zu «reautomatisieren», haben sich bei den Schweizer Experten multimodale Bewegungsprogramme als wirksam erwiesen: Tätigkeiten, die rhythmische Bewegungen mit Kraft-, Gleichgewichts- und Koordinationskomponenten kombinieren.

Professor Reto W. Kressig berichtet im «Uninova», dem Wissenschaftsmagazin der Basler Universität: «Schliesslich ist auch wissenschaftlich gesichert, dass die Gangsicherheit und die kogni­tive Fitness durch Aktivitäten wie Rhythmik, Tanz oder Tai-Chi signifikant verbessert werden: Das Sturzrisiko der in einer Studie untersuchten im Mittel 75-jährigen Studienteilnehmer sank um rund die Hälfte und die kognitiv-motorische Multitasking-Fähigkeit erhöhte sich.»

Zu den in Basel bereits bewährten Rhythmikmethoden zählt die sogenannte Jaques-Dalcroze-Rhythmik. Bei diesem, von Emile Jaques-Dalcroze (1865–1950) zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Genf entwickelten Musik- und Bewegungsprogramm handelt es sich um körperliche Übungen mit mehreren Bewegungsabläufen («multitasking»), die im Rhythmus zu improvisiert gespielter Musik ausgeführt werden.

Die Jaques-Dalcroze-Rhythmik zeigt auch bei bereits bestehender Demenz positive Effekte, berichten die Basler Experten. Die von Musik und Rhythmus unterstützten Aktivitäten verbessern signifikant die sprachlichen Kommunikationsfähigkeiten von Demenzkranken und verringern auch andere, häufige Begleitsymptome einer Demenz wie Aggression, Irritabilität und Schlaflosigkeit.

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