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Die sinnvollen Seiten von Tattoos

Aus medizinischer Sicht gelten Tätowierungen eher als gesundheitliches Risiko. Dabei haben sie auch sinnvolle Anwendungsfelder und psychologischen Nutzen.

Lajos Schöne
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Dieser Artikel wurde von der Verlagsredaktion der CH Regionalmedien AG im Auftrag von Gesundheit Aargau erstellt. Hier geht es zu den Richtlinien für Paid Content.

Tattoos können das Selbstwertgefühl steigern.

Tattoos können das Selbstwertgefühl steigern.

Bild: zvg

Nach Schätzungen der Tätowiererbranche ist in der Schweiz jeder vierte Mensch zwischen dem 16. und dem 70. Lebensjahr tätowiert. Tendenz steigend, wobei Frauen, besonders junge, in den letzten Jahren stark aufgeholt haben: Heute sind wohl ähnlich viele junge Frauen wie junge Männer tätowiert.

Im westlichen Kulturkreis wurden Tätowierte lange Zeit sozialen Randgruppen zugeordnet und es wird heute noch oft angenommen, dass Tätowierungen, wie wir sie heute kennen, in Gefängnissen und Hafenregionen Europas und Amerikas ihren Ursprung genommen haben. Weniger bekannt ist, dass auch frühe Christen religiöse Tätowierungen trugen – und dass selbst die öster­reichische Kaiserin Sissi tätowiert war.

Im 19. Jahrhundert ergriff eine regelrechte Tattoo-Welle den europäischen Adel: Der französische General und spätere schwedische König Bernadotte war ausgerechnet mit dem Spruch verziert: «Tod den Königen». Zar Nikolai II., ­Kaiser Wilhelm, das griechische Königspaar Olga und Georg und die männlichen Mitglieder des englischen Königshauses liessen sich bleibende Bilder in die blaublütige Haut applizieren. Heute beschränken sich Tätowierungen nicht mehr auf einzelne Gruppen, wenngleich sie in bestimmten Kollektiven nach wie vor besonders beliebt sind: So tragen 65 Prozent der Männer der US-Navy ein Tattoo.

Lange Zeit galten Tattoos bei Frauen als weniger akzeptabel als bei Männern. Dass die jungen Frauen im Verlauf der letzten Jahre diesbezüglich deutlich aufgeholt haben, deutet auf eine stärkere gesellschaftliche Akzeptanz von Tätowierungen hin – und damit auf eine Ausweitung weiblicher Schönheits- bzw. Körpernormen.

Die Lust der Provokation

In der Liebe zu dieser Art Körperformung gibt es auch zwischen Besserverdienenden und unteren Einkommensgruppen nur noch geringe Differenzen. Es besteht allerdings nach wie vor ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Tragen von Tattoos und der Arbeitslosigkeit, zumindest in Deutschland: Dort war 2016 jeder achte Erwerbslose (12,3 Prozent) gegenüber 9,9 Prozent der Erwerbstätigen tätowiert, wobei 20 Prozent der Erwerbslosen mehrfach tätowiert waren, während bei den Erwerbstätigen lediglich 8,7 Prozent mehrere ­Tätowierungen hatten. In der Schweiz dürfte die Verteilung ähnlich ausfallen.

Professor Dr. Aglaja Valentina Stirn, Chefärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Asklepios Westklinikum Hamburg, hat die Gründe für Tätowierungen und den pathologischen Umgang mit dem eigenen Körper mehrfach untersucht. «Körperschmuck ist aus der Schmuddelecke hervorgekommen und zu einem Bestandteil einer betont körperorientierten Lebensweise geworden», sagt sie und betont: «Es scheint sich dabei generell nicht mehr um das Zeichen einer Autoaggression oder eines verletzenden Verhaltens zu handeln. Vielmehr erscheinen Tattoos und Piercings als Ausdruck eines Lebensgefühls, das geprägt ist von Lust, Reiz an Provokation und der Ausformung einer neuen Ästhetik. Sie werden nicht mehr von einer ex­tremen Minderheit als Körperschmuck verwendet, sondern sind auf dem Weg, sich bei jungen Menschen zum Normalfall zu entwickeln.»

Tätowierungen nach Brust-OP und bei Narben

Weitestgehend abseits der medizinischen Aufmerksamkeit hat sich das Feld des «Medical Tattooing» weiterentwickelt, berichtet Dr. Dr. Frederike Reischies von der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie des Universitätsklinikums Graz. So würden in der Bauchchirurgie endoskopisch auffällige Darmschleimhautareale mit Tätowierungen markiert und beginnende Glatzenbildung lasse sich durch eintätowierte Haare vertuschen. «Das berühmteste Beispiel für medizinische Tätowierungen sind aber tätowierte Brustwarzen nach Brustrekonstruktion», so die Chirurgin. «Der positive Effekt dieser Tätowierungen auf die Lebensqualität der Patientinnen ist in mehreren Studien beschrieben.»

Medizinische Tattoos können laut Reischies auch das Erscheinungsbild von Narben verbessern. «Besonders im Bereich der Finger leiden Patienten nach Amputationsverletzungen unter Stigmatisierung. Bei ausreichender Fingerstumpflänge kann ein realistisch aussehendes Finger- bzw. Zehennagel-Tattoo nach dem Vorbild der anderen Nägel angefertigt werden.»

Tattoo statt Therapie?

«Andere gehen zur Therapie – ich gehe zum Tätowierer» lautet ein beliebter Spruch unter Tätowierten. Im psychologischen Bereich gibt es tatsächlich etliche Studien, die zeigen, dass Tätowierungen, die subjektiv wahrgenommene Attraktivität und damit das Selbstbewusstsein erhöhen, berichtete Professor Dr. Philip Erich Kasten, Verhaltenstherapeut und klinischer Neuropsychologe an der privaten, staatlich anerkannten Hochschule MSH Medical School Hamburg in der «Schweizer Zeitschrift für Dermatologie&Ästhetische Medizin». Als Beispiele nennt er das subjektive Gefühl gestiegener Attraktivität, das Stolzsein auf die «Mutprobe» respektive das Ertragen der Schmerzen sowie die bessere Integration in die Gruppe der Gleichaltrigen. Tattoos und Piercings könnten dazu beitragen, das Betrachten des eigenen Leibes positiv zu erleben, so Kasten.

Dem Neuropsychologen zufolge können Tätowierungen auch behilflich sein, ernsthafte psychische Probleme zu verarbeiten: «Tattoos helfen nicht nur bei posttraumatischen Belastungsstörungen, sondern auch bei anderen seelischen Entgleisungen.» So würden sich Menschen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, an Tagen voller zerfressender innerer Unzufriedenheit oft selbst verletzten. «Durch Blut und Schmerz kommt es zu einer Beruhigung. Dabei handelt es sich quasi um eine fehlgeleitete Selbsttherapie, um Schlimmeres zu verhindern», erklärt Kasten. «Viele Betroffene berichten, dass sie durch Körpermodifikation wie ein Tattoo das ‹Cutting› erheblich verringern oder sogar ganz damit aufhören konnten.»

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