Zwei Jahre alt war Simon Amoser, als Hans Rudolf Lutz am 2. März 1997 erstmals in den Kantonsrat gewählt wurde. Vor vier Wochen wurde der Oltner Kantischüler 18-jährig und erhielt das Stimm- und Wahlrecht. Jetzt kandidiert er selbst fürs Kantonsparlament. Und Hannes Lutz, im Januar 80 geworden, ist immer noch dabei und hofft am 3. März auf eine fünfte Amtsperiode. 62 Jahre Altersunterschied: Von ihren Prägungen her liegen Welten zwischen Amoser und Lutz. Aber eines verbindet sie – beide sind politisch interessiert und aktiv. Sie spielen sozusagen die gleiche Sportart, wenn auch in verschiedenen Mannschaften: Hannes Lutz bei der SVP, Simon Amoser bei der Jungen SP. Das Besondere in der Politik: Jung und Alt spielen mit- und gegeneinander in der gleichen Liga. Die im Sport übliche Trennung in Junioren, Aktive, Senioren und Veteranen gibt es nicht.

«Talent, Wille und Engagement»

Ist man mit 18 nicht zu jung für ein Kantonsratsmandat? «Wenn Talent, Wille und Engagement da sind, finde ich es nicht falsch», sagt Hannes Lutz. «Die Frage ist einfach: Haben sie genügend Zeit? Und häufig stellt sich bei den Jungen das Problem, dass sie wegen ihrer Ausbildung oder einer neuen Stelle ihren Wohnort wechseln.» In den Fraktionen könnten junge Mitglieder nach und nach in die Ratsarbeit eingeführt werden. Als gutes Beispiel nennt Lutz seinen Fraktionskollegen Christian Imark, der 2001 als 19-Jähriger gewählt wurde – und im Jahr 2012 als 30-Jähriger mit Bravour den Kantonsrat präsidierte.

Aber vielleicht ist man, umgekehrt, mit 80 zu alt für die aktive Politik? «Das ist individuell – wenn man fähig ist, ist das für mich kein Problem», antwortet Simon Amoser, schiebt aber gleich nach: «In der Schweiz haben wir Konkordanz und Ausgleich. Die Jungen sind eigentlich eine sehr grosse Gruppe, aber in der Politik sind sie untervertreten.»

«Fast mit Politik aufgewachsen»

Das möchte er ändern, unter anderem mit seiner Kantonsratskandidatur. Eines regt ihn dabei ziemlich auf: «Dass sich viele Junge nicht für Politik interessieren, finde ich tragisch.» Jeder habe doch eine Vorstellung, was er gut oder schlecht finde. «Aber dann sagen sie, sie könnten ja doch nichts ändern.» Dabei sei das nicht so anstrengend, findet Amoser. Wir hätten doch in der Schweiz die Möglichkeiten, uns für Veränderungen einzusetzen. Er selbst tut das. Vor dreieinhalb Jahren – also mit vierzehneinhalb – gründete er mit Kollegen die Junge SP Region Olten, seit einem Jahr ist er im Vorstand. Im Gründungsjahr 2009 prägte ihn der Einsatz gegen die Minarett-Initiative. Mit kommunalen Themen sei er eher durch seine Eltern in Berührung gekommen. Er sei «fast mit Politik aufgewachsen»: Beide Eltern sind politisch engagiert, seine Mutter war im Kantonsrat, schon sein Grossvater war in der Stadt Olten Baudirektor. Bruder Florian ist Gemeinderat und kandidiert auch für den Kantonsrat.

«Atom-Lutz»

Hannes Lutz war 23, als er sich erstmals politisch engagierte: Als Student an der Uni Bern setzte er sich für einen andern Standort des Bahnhofs Bern ein. Mit 28 trat er in Windisch AG in die FDP ein, nach einer Gemeindeversammlung, wo er den Beitrag an die Gesellschaft Pro Vindonissa gegenüber jenem für die Neuuniformierung der Musikgesellschaft als zu tief empfand. «Ich war nie ein Mainstream-Politiker», schmunzelt Lutz. Zurück in Bern, wurde er erster Leiter des Kernkraftwerks Mühleberg, und mit 45 kam er als Freisinniger in den Grossen Rat des Kantons Bern. Später wechselte er Kanton und Partei und startete als 64-Jähriger eine fulminante Zweitkarriere als SVP-Kantonsrat in Solothurn. Seinem Spitznamen «Atom-Lutz» macht er seither alle Ehre, spricht aber auch häufig zu Bildung und Finanzen.

Die Energiewende findet Lutz kompletten Unsinn, Simon Amoser dagegen hält sie für vernünftig. Für eine Diskussion reicht unsere Zeit aber nicht mehr: «Ich muss noch lernen, morgen haben wir eine Mathematikprobe», sagt Kantischüler Amoser und verabschiedet sich.