Messen
Wenn in Messen der Vogelhändler einen Schuhplattler tanzt

«So köstlich haben wir uns lange nicht unterhalten», war sich das Premierenpublikum im Heuboden des Landwirtschaftsbetriebs Spielmann einig. Es sah eine «Krimorette», eine Verknüpfung einer Operette mit einem Kriminalstück.

Gundi Klemm
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Umgarnt von lauter Bräuten, dargestellt durch Sängerinnen des Chors Taktlos, fühlen sich Adam und der steppfreudige Vogelhändler in der Lederhose auf der «Krimoretten»-Bühne besonders wohl.

Umgarnt von lauter Bräuten, dargestellt durch Sängerinnen des Chors Taktlos, fühlen sich Adam und der steppfreudige Vogelhändler in der Lederhose auf der «Krimoretten»-Bühne besonders wohl.

Wo steht geschrieben, dass der Vogelhändler als Lederhose tragender Tiroler Bursche in der gleichnamigen Operette von Carl Zeller unbedingt einen Schuhplattler tanzen muss? Gekonnt verblüffte der nämlich bei seiner Ankunft auf der Bühne mit einem Stepp-Rhythmus in eisenbeschlagenen Schuhen. Alle Szenen dieser «Krimorette», der in Messen erfundenen vergnüglichen Verknüpfung von Operette und Kriminalstück, bestanden aus einer ausgewogenen Balance zwischen kabarettistischen Einfällen, liebenswertem Schauspiel und den Hits der Operette «Der Vogelhändler». Den Text schrieb Theatermann Andreas Berger.

Taktlos

Auch wenn das Stück in einer gemütlichen Heubühne aufgeführt wird, ist es weit entfernt von einem klamaukigen Bauernschwank. Zu ausgefeilt ist die Mitwirkung des Chors Taktlos. Dessen Mitglieder erwiesen sich als Meister im Garderobenwechsel (Brautkleider, Pyjama, Arbeitsklamotten und Berufsoutfits) und im blitzschnellen Überstülpen neuer Identitäten. Tanzen und singen verstehen die Chormitglieder sowieso – und das immer mit einem Quäntchen bezaubernder Ironie.

Mit Präzision und schwelgerisch musikalischem Rankwerk begleitet Jean-Jacques Schmid die Aufführung auf dem Klavier. Die entscheidenden Impulse zu deren pfiffiger Ausgestaltung gab der Regisseur Jens Daryousch Ravari schon während der Probenzeit.

Strahlende und feurige Christel

Drei Personen sind für das Geschehen dieser Krimorette zuständig. Da ist die «Christel von der Post» (Katarina Spielmann, Sopran), die zur bekannten Arie mit gelbem Posttöff auf die Bühne braust. Strahlend und feurig wirken ihre Stimme wie auch ihre Ausstrahlung und Mimik. Als Christel macht sie sich Hoffnungen, dass ihr Adam (Jan-Martin Mächler) seine Liebe erklärt. Er singt mit makellosem Tenor eingängig, geschmeidig ohne aufgesetztes Pathos beispielsweise «Schenkt man sich Rosen in ...» oder «Wie mein Aetti (statt Ahnerl) war zwanzig Johr ...». Aber alles kommt ganz anders, weil offenbar Franz, der vermisste Regisseur der Operettenaufführung, einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein muss.

Jetzt beginnt die grosse Aufgabe der Garderobiere Theresa (Giulietta Odermatt), die gestärkt durch die Lektüre von Agatha Christie auf Spurensuche geht. In wunderbar bizarren Auftritten nimmt sie mit vor Eifer rauer Stimme Zeugenbefragungen vor, überprüft Alibis und lässt die ganze Bühnentruppe Speichelproben abgeben. «Das Netz zieht sich zusammen», triumphiert sie bereits.

Als Verantwortliche ist aber Christel nur noch genervt über die Störungen des Theaterbetriebs, der sich amüsant weit von der Operettenhandlung entfernt hat. Fast glaubt Theresa, die Täterin überführt zu haben, da meldet sich ganz unerwartet der Franz. «Schampar schad, dass der lebt», fühlt sich die Detektivin um ihren Erfolg betrogen.

Weitere Aufführungen: 15./16. Juni, Wyss/Aetigkofen; 22./23. Juni, Berchtoldshof, Bätterkinden; 29./30. Juni,
Eichhof Aarberg; www.taktlos.info

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