Kyburg-Buchegg
So hätte die Burganlage beim Schloss Buchegg aussehen können

Archäologe Jakob Obrecht hat zusammen mit einem wissenschaftlichen Zeichner versucht, die Geschichte der früheren Anlage rund ums Schloss Buchegg in Kyburg-Buchegg aufzuarbeiten.

Agnes Portmann-Leupi
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Archäologe Jakob Obrecht mit der visualisierten Burganlage beim Schloss Buchegg.

Archäologe Jakob Obrecht mit der visualisierten Burganlage beim Schloss Buchegg.

Agnes Portmann-Leupi

«Wie könnte es gewesen sein?» Dieses Rätsel versuchten die Verantwortlichen der Stiftung Schloss Buchegg zu entschlüsseln. Entfacht hatten die Neugier die letztjährigen Sanierungsarbeiten des stark vermoosten Mauerwerks der Burgruine rund um das heutige «Buechischlössli» (wir berichteten).

Für die Ausführungen des Archäologen Jakob Obrecht interessierten sich die Gäste des «Grafen-Events»: Gönner, Stiftungsräte, Vertreter der Einwohner- und Bürgergemeinden sowie der Vorstand des Museumsverbundes Kanton Solothurn (Musesol). Eingeladen hatte der Verein Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg, der die Stiftung Schloss Buchegg finanziell unterstützt.

«Wir wissen nur eines ganz genau, nämlich dass im 16. Jahrhundert der heutige Turm in die Anlage hineingebaut wurde», sagte Jakob Obrecht, der auch für das Sanierungskonzept verantwortlich zeichnete. «Die Pläne aus dem Jahr 1950 zeigen ein Durcheinander von dünnen und dicken Mauern, denn die über Jahrhunderte bewohnte Burg erlebte mehrere Bauperioden», informierte er. Dass daher eine gesicherte Rekonstruktion beinahe unmöglich ist, bekundete der Archäologe aus Füllinsdorf ganz klar. «Um eine nur 60-prozentige Sicherheit zu erhalten, müsste gewaltig gegraben werden.»

Burg mit Zinne und Ringmauern

Zusammen mit einem wissenschaftlichen Zeichner versuchte Jakob Obrecht, die Geschichte um die höher gelegene Anlage und die tiefer liegenden Ebenen und Gräben zu rekonstruieren und zu visualisieren. Viel Fantasie liege also in der Interpretation, aber von der Zeitepoche her sei sie denkbar. Das dreidimensionale Bild zeigt auf der Anhöhe eine grosse Kernburg, mit Zinnen und Ringmauern zu Wehrzwecken, im Grössenverhältnis zum heutigen Turm. «Im Mittelalter herrschten viele Kleinkriege und jeder versuchte, seine Herrschaft zu verteidigen», sagte Jakob Obrecht. Nicht zuletzt habe man mit solchen Bauten den Wohlstand zeigen wollen.

In der Ebene unterhalb des Plateaus weist die Rekonstruktion auf eine Vorburg mit Landwirtschafts- und Handwerksbetrieben hin. Mit seinen Erträgen diente der Gutshof, umgeben von Palisaden, den Burgbewohnern jeweils zur Selbstversorgung.

Rot eingezeichnet auf dem Bild sind die heute noch vorhandenen Mauerreste. «Die Steine der verfallenen Gebäude wurden oft als Steinbrüche betrachtet und anderweitig verwendet», erzählte Jakob Obrecht. Der Archäologe sieht die Visualisierung als Gebrauchsanweisung, damit die Schlossbesucher in Zukunft eine Idee erhalten, wie es im 12. Jahrhundert hätte sein können.

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