Recherswil
Recherswil braucht mehr Wasser - und das wird teuer

Die Gemeinde Recherswil kommt mit dem Tages-Durchschnittsverbrauch nicht mehr durch und muss zusätzliches Wasser beziehen - und das wird teuer. Darüber ärgert sich Wasserexperte Daniel Murer. «Der neue Preis artet ins Extrem aus»

Gundi Klemm
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Er ärgert sich über den neuen Preis: Wasserexperte Daniel Murer vor dem Pumpwerk Erlenmoos.

Er ärgert sich über den neuen Preis: Wasserexperte Daniel Murer vor dem Pumpwerk Erlenmoos.

Hanspeter Bärtschi

Eigentlich weiss man in Recherswil sehr genau, wo die «Knackpunkte» im revidierten Vertrag der Gruppenwasserversorgung Grenchen liegen. Doch nach breiter Diskussion mit Per Just blieb als Fazit: «Wir kommen nicht drum herum, den Vertrag zu unterschreiben.»

Da der Kanton Solothurn aus sachlichen Gründen nach hydrologischen Studien die Konzessionsmenge für die Gruppenwasserversorgung Grenchen halbiert hat, wirkt sich das auf die Wasserbezugsrechte der angeschlossenen Gemeinden aus.

Bisher standen Recherswil 509 Kubikmeter zu, die ab kommendem Jahr mit den jetzt 250 zugesicherten Kubikmetern den Tages-Durchschnittsverbrauch von 440 Kubikmeter nicht mehr decken. Das dann zusätzlich für den Bedarf eingespeiste Wasser wird teurer. Für die Mehrkosten veranschlagt Recherswil 87 000 Franken im Budget.

Als Werk- und Wasserchef hat Daniel Murer nach Alternativen gesucht wie etwa den Ankauf der zusätzlichen Wassermenge aus einer benachbarten Wasserversorgung. Aber alles zusammengerechnet käme das dann nur um 10 000 Franken günstiger.

Zudem sei ein Ausstieg aus dem bis 2036 laufenden Vertrag kaum möglich. «Der neue Preis allerdings artet ins Extrem aus», ärgerte sich Murer, der selbst als Delegierter in der Gruppenwasserversorgung mitarbeitet. Die Anschlussgemeinden müssten nun Lasten im Gemeinschaftswerk übernehmen, weil Grenchen in den Anfängen «überrissen» gebaut habe.

SWG soll Betriebsaufwand senken

«Es bringt nichts, auf unsere Vorfahren und das ab 1962 gültige Vertragswerk einzuprügeln», wehrte Per Just, Direktor der Städtischen Werke Grenchen SWG, die Kritik ab. Man könne in strittigen Fällen nicht immer gleicher Meinung sein. Der Rat gab ihm aber als dringliches Anliegen mit auf den Weg, dass der Betriebsaufwand gesenkt werden müsste und neue Abnehmer gefunden werden sollten. Schliesslich sollte der kommunale Anteil, der im Verteilschlüssel für Recherswil von jetzt 3 Prozent auf 5,98 Prozent steigt, «auf ein vernünftiges Mass» gesenkt werden.

Der Rat scheute auch nicht die Frage, ob es denn überhaupt drei Pumpwerke (Tannwald Obergerlafingen, Erlenmoos Recherswil und Kyburg-Matten) brauche, zumal der «Tannwald» wegen der Nähe zur Strasse eine äusserst problematische Schutzzone aufweise. «Wir brauchen alle drei, doch der endgültige Entscheid liegt bei den Delegierten der Gruppenwasserversorgung», antwortete Just. Zuvor hatte er die Historie des «grundsätzlich ja gut funktionierenden» Gemeinschaftswerks aufgezeigt, das ein Produkt der gigantischen Entwicklungsprognosen der Kneschaurek-Ära sei.

Er wies darauf hin, dass Grenchen in seiner heutigen Grösse durchaus mit 6000 bis 8000 täglichen Kubikmetern genügend Wasser aus der eigenen Jura-«Tunnelquelle» beziehe, aber von Anfang an die hohen Konzessionsgebühren für die gesamte Gruppenversorgung bezahlt habe.

An der Gemeindeversammlung wird Daniel Murer die komplexen Zusammenhänge innerhalb der Gruppenwasserversorgung erläutern. Dank der noch gut gepolsterten Spezialfinanzierung bleibt der Wasserpreis 2014 auf 1.45 Franken pro Kubikmeter. Die 30 Rappen für den teureren Einkauf werden noch nicht auf den Konsumenten abgewälzt.

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