Stefan Oser
Neu im Kantonsrat: Der rote Gärtner mit der Zaubernuss

Mit Stefan Oser (SP) aus Hofstetten-Flüh schickt das Leimental jetzt einen zweiten Vertreter in den Solothurner Kantonsrat. Der 39-Jährige hat ein Pflanzengeschäft in Basel. Im Kantonsrat möchte er «gute Arbeit machen».

Christian von Arx
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Der neue SP-Kantonsrat Stefan Oser aus Hofstetten-Flüh im Hinterhof seines Pflanzengeschäfts in der Basler Altstadt.

Der neue SP-Kantonsrat Stefan Oser aus Hofstetten-Flüh im Hinterhof seines Pflanzengeschäfts in der Basler Altstadt.

Christian von Arx

Seit den letzten Wahlen vom März 2013 war der Freisinnige Mark Winkler aus Witterswil der einzige Leimentaler im Solothurner Kantonsrat. Dabei zählt die Exklave an der französischen Grenze gut 8000 Einwohner, was eigentlich für 3 der 100 Sitze reichen müsste. Mit dem 39-jährigen Stefan Oser aus Hofstetten-Flüh hat nun im Januar ein zweiter Unternehmer aus dem Leimental im Ratssaal Platz genommen, diesmal ein «roter». Oser ersetzt in der SP-Fraktion Evelyn Borer aus Dornach.

Stefan Osers Arbeitsplatz liegt im Herzen von Basel, nur ein paar Schritte vom Marktplatz. Am Spalenberg führt der gelernte Zierpflanzengärtner sein Pflanzengeschäft «Cambria». Dort findet man Orchideen, Kräuter wie Minze, Rosmarin, Thymian, Verveine und Koriander, Gehölze wie Kornelkirsche oder Zaubernuss. Sein Sortiment bezieht Oser bei regionalen Gärtnern oder an der Blumenbörse. Wenn Kunden ihm kranke Pflanzen bringen, betätigt er sich auch als «Pflanzendoktor».

Das Dorf in der Altstadt

«Hier ist es wie in einem Dorf», beschreibt Oser das Umfeld seines Ein-Mann-Geschäfts in der Basler Altstadt. «Man kommt mit den Kunden ins Gespräch, das wird dann oft politisch.» Damit meint er Themen wie das Einkaufsverhalten, die Ökologie oder das Verkehrskonzept der Basler Innenstadt. Über Letzteres ärgert er sich, weil er als Geschäftsinhaber keine Bewilligung zum Dauerparkieren erhält. Darüber habe er sich schriftlich beim Basler Regierungsrat beschwert: Ein roter Solothurner Kantonsrat legt sich mit der rot-grün dominierten Basler Regierung an ...

Der Sitz im Kantonsrat ist Stefan Osers erstes Mandat aus einer Volkswahl. Seit acht Jahren präsidiert er die SP-Sektion Hofstetten-Flüh, und schon seit 14 Jahren macht er in der Werkkommission seiner Gemeinde mit – wo sein Grossvater Paul Oser einst Statthalter war. Im Musikverein Hofstetten spielt er Posaune und engagiert sich als Kassier im Vorstand.

Im Kantonsrat möchte Oser «gute Arbeit machen»: «Erfolg heisst für mich, dass ich in der Fraktion ernst genommen werde und auch mal einen Vorstoss durchbringe.» Wobei er es mit dem Motto «weniger ist mehr» hält: «An der ersten Sitzung im Kantonsrat habe ich über die Menge von Vorstössen gestaunt – das ist ja verrückt!»

«Ein Mittelfeldkanton halt»

Eingefahren ist ihm die geografische Distanz: «Mit dem Zug brauche ich fast zwei Stunden bis nach Solothurn!» Doch die Stadt findet er toll, ihre kulturelle Prägung spricht ihn an. Zu Solothurn als Kanton hat der neue Kantonsrat ein betont nüchternes Verhältnis: «Ein Mittelfeldkanton halt, er leuchtet nicht gerade heraus.» Klar werde auch in den Leimentaler Gemeinden manchmal über den Kanton geschimpft: «Aber solange es funktioniert, ist die Kantonszugehörigkeit nicht wirklich ein Thema.»

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