Kleinlützel/Erschwil
Hilfe, das Schulhaus rutscht: Zivilschützer evakuieren Schüler

Die Zivilschutzorganisation Region Thierstein hat im Rahmen einer Betreuungsübung Schülerinnen aus Kleinlützel evakuiert. Das Szenario: Ein Hangrutsch drohte.

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Zivilschutz live: Zivilschutz-Oblt Lorenc Lesa erläutert der 3./4.Klasse mit Lehrerin Sara Löw den spannenden Tagesverlauf. Links Gruppenführer Cédric Fuchs.

Zivilschutz live: Zivilschutz-Oblt Lorenc Lesa erläutert der 3./4.Klasse mit Lehrerin Sara Löw den spannenden Tagesverlauf. Links Gruppenführer Cédric Fuchs.

08/15 ist eine Redewendung, die für etwas ganz Gewöhnliches oder nichts Besonderes steht. 08.15 Uhr am vergangenen regnerischen Mittwoch dürfte aber für die 18 Schülerinnen und Schüler der 3./4. Klasse aus Kleinlützel doch etwas ganz Besonderes gewesen sein, mussten sie doch wegen eines drohenden Hangrutsches exakt um diese frühe Morgenzeit mit Kleinbussen aus der Gefahrenzone in die Betreuungsanlage Erschwil evakuiert werden.

So das Szenario einer zweitägigen Betreuungsübung der Zivilschutzorganisation Region Thierstein. «Vier solcher Anlagen in Breitenbach, Büsserach, Erschwil und Nunningen stehen bei einem grösseren Naturereignis der betroffenen Thiersteiner Bevölkerung als Notunterkunft zur Verfügung», wies Peter Anklin, RZSO-Kommissionspräsident und Erschwiler Gemeindevizepräsident, das Wochenblatt auf die Bedeutung einer möglichst realitätsnahen Übung im Massstab 1 : 1 hin.

Die 24 Stunden mit Betreuung in drei Schichten seien eine Première für seinen 22 Mann starken Betreuungszug, ergänzte als Chef Betreuung Oblt Lorenc Lesaj, der die Erschwiler Anlage, die Platz für 100 Personen bietet, mit seinen Leuten ganze zwei Jahre lang frisch gestrichen, in einem gewissen Rahmen auch wohnlich gestaltet und gar ein Kino im Aufenthaltsraum installiert hatte. «Jetzt sammeln wir im Umgang mit den Kindern möglichst viele neue Erfahrungen und lernen unsere Stärken und Schwächen kennen», so Lesaj.

So ist beispielsweise laut dem Leitbild der RZSO Thierstein bei der Betreuung von schutzsuchenden Personen oder traumatisierten Opfern von Katastrophen neben hoher psychischer Belastbarkeit und speziellen Sprachkenntnissen vor allem auch Sozialkompetenz gefragt.

«Herzlich willkommen, 3./4. Klasse!» hatten denn auch die Zivilschützer am Eingang zur Anlagenschleuse in ein grosses rotes Herz geschrieben, um ihre Freude über die kleinen Gäste auszudrücken. Diese waren sich fast übersprudelnd des Lobes voll über den ersten Teil ihrer Evakuation von Kleinlützel nach Erschwil. «Der Film über den Zivilschutz gleich nach unserer Ankunft war toll, die beiden folgenden Lektionen von Lehrerin Sara Löw in Rechnen und Deutsch «easy» und das Ragout mit Kartoffelstock der beiden Zivilschutzköche am Mittag einfach mega-gut», überboten sich Jael, Jlona, Shayenne und Valentin in ihren Superlativen.

«Ja, und erst die dreistöckigen Betten und das Kino samt Popcorn heute Abend, da schminken wir uns», setzte das Quartett noch einen drauf. Das war der richtige Zeitpunkt für Gruppenführer Marco Cattaruzza, der die Spätschicht leitete, zur nachmittäglichen Zivilschutz-Olympiade mit Punkten, einer Rangliste und mit Preisen zu bitten.

Vorher aber orientierte Oberleutnant Lesaj über die um 22.00 Uhr beginnende Nachtruhe und das Programm vom Donnerstag mit Morgenessen, zwei Schullektionen und einem Grillplausch im Schwalbennest. Dann gehe es wieder zurück nach Kleinlützel: «Der Regionale Führungsstab hat Entwarnung gegeben, das Schulhaus steht noch!». (bü.)

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