Bellach
«Heimelige Atmosphäre»: Ein ökologisches Holzhaus mit «Swissness»

In Bellach steht ein Vorzeigeobjekt für den Schweizer Holzbau. 92 Prozent des verwendeten Holzes stammen aus Schweizer Wäldern. Dafür wurde das Einfamilienhaus mit dem Zertifikat «Herkunftszeichen Schweizer Holz» ausgezeichnet.

Franz Schaible
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Das Holzhaus in Bellach ist mit dem Label «Herkunftszeichen Schweizer Holz» zertifiziert (v.l.): Markus Brunner, Direktor Waldwirtschaft Schweiz, Christoph Starck, Direktor Lignum, sowie die stolzen Hausbesitzer Lucilia Mendes von Däniken und Patrick von Däniken-Mendes mit ihren beiden Kindern.

Das Holzhaus in Bellach ist mit dem Label «Herkunftszeichen Schweizer Holz» zertifiziert (v.l.): Markus Brunner, Direktor Waldwirtschaft Schweiz, Christoph Starck, Direktor Lignum, sowie die stolzen Hausbesitzer Lucilia Mendes von Däniken und Patrick von Däniken-Mendes mit ihren beiden Kindern.

Felix Gerber

«Wir und unsere Kinder fühlen uns sehr wohl in unserem neuen Haus», sagen Lucilia Mendes von Däniken und Patrick von Däniken-Mendes übereinstimmend. Wie als Beweis berichtet Lucilia Mendes über eine Auffälligkeit. Eines der beiden Kinder, welches zuvor jeweils mehrmals in der Nacht aufwachte, schläft seit dem Einzug vom ersten Tag an durch, erzählt sie. Das Ehepaar und ihre beiden Kinder haben sich im vergangenen Jahr ihren Traum erfüllt. Seit dem 1. November wohnen sie am Seidenweg in Bellach in ihren eigenen vier Wänden.

So weit, so gut. Diesen Traum realisieren hierzulande Tausende von jungen Familien. Trotzdem ist die Familie von Däniken-Mendes ein Sonderfall. Denn 92 Prozent des verwendeten Holzes für ihr Haus stammen aus Schweizer Wäldern. Das Einfamilienhaus wurde dafür diese Woche mit dem Zertifikat «Herkunftszeichen Schweizer Holz» ausgezeichnet. Die Auszeichnung verleiht Lignum Schweiz, die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Forstwirtschaft.

PR für Schweizer Holz

Die Wald- und Holzbranche will dem Gütesiegel «Herkunftszeichen Schweizer Holz» - kurz «HSH» - zu noch mehr Durchschlagskraft verhelfen. Dazu habe man im vergangenen Frühling ein Werbepaket an über 300 Forstbetriebe verschickt, erklärte Markus Brunner, Direktor des Verbandes Waldwirtschaft Schweiz. Das Garantiezeichen sei nun vielerorts im Wald sichtbar. Ein vergleichbares Paket für Sägereien und die Holzindustrie sei geplant.

Zudem sei seit Anfang Jahr ein sogenannter «HSH-Promotor» landesweit unterwegs, um potenzielle Nutzer von Schweizer Holz wie Architekten, Planer oder Investoren zu beraten. Gerade im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens sei die Situation für das einheimische Holz noch unbefriedigend.

Dabei erlaubten bei genauer Betrachtung die gesetzlichen Grundlagen und die Gatt-WTO-Vorgaben einen grossen Spielraum für die Gestaltung der Ausschreibungsunterlagen, der Vergabekriterien und der Faktorengewichtung. «Bloss muss man diese Spielräume nutzen», betonte Brunner. «Da werden wir auf politischer Ebene weiterhin intensiv Druck aufsetzen müssen.» (FS)

«Nur rund 38 Prozent aus dem Schweizer Wald»

Wie selten das 2009 eingeführte Label noch ist, zeigte am Anlass Irene Froelicher, Leiterin der Arbeitsgruppe Pro Holz Solothurn, anhand einiger Eckdaten auf. «Das erste Mal im Kanton und eines der ersten Male schweizweit wird ein Einfamilienhaus mit der Marke zertifiziert.» Dabei könnten es durchaus mehr sein. Denn die Verwendung von Holz als Energieträger und eben auch als Baustoff habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. «Leider kommt Holz, das zum Bauen verwendet wird, grossmehrheitlich aus dem Ausland.» Die Zahlen lieferte der an der kleinen Feier ebenfalls anwesende Markus Brunner, Direktor Waldwirtschaft Schweiz. «Im Gebäudebereich wird in der Schweiz jährlich rund eine Million Kubikmeter Holz verbaut. Und davon stammen schätzungsweise rund 38 Prozent aus dem Schweizer Wald.» Dabei mache es mehr als Sinn, den einheimischen und nachwachsenden Rohstoff Holz zu nutzen, ergänzte Froelicher. «Die Haupttrümpfe sind kurze Transportwege und dass die Wertschöpfung entlang der gesamten Holzkette grösstenteils in der Region oder zumindest in der Schweiz bleibt.»

Das Holz gebe dem 3-geschossigen Bau mit einer Grundfläche von 8 mal 11 Metern und 6,5 Zimmern einen «speziellen Charakter», erklärte Architekt Thomas Späti. «Und zwar nicht nur durch die Fassade aus vorvergrautem Tannenholz, sondern auch im Innern mit den sichtbaren Balken und Wänden aus lasiertem Tannenholz.» Erbaut wurde das Haus durch die Späti Holzbau AG in Bellach. «Nur sieben Monate nach dem Spatenstich konnte die Familie einziehen», erläuterte Beat Späti vom Familienunternehmen. Die Elemente seien formaldehydfrei verleimt, was für ein gesundes Raumklima sorge. Und die Fassade sei anstrichfrei und deshalb unterhaltsfrei, erläuterte Späti einige Vorteile von Holz als Baustoff. Insgesamt habe man 75 Kubikmeter Holz verbaut und 92 Prozent davon stammen aus Schweizer Wäldern. «Swissness hat auch im Holzbau ein Potenzial. Wir glauben an diesen Markt und setzen uns deshalb für den vermehrten Einsatz von Schweizer Holz ein», zeigte sich der Co-Chef des traditionsreichen Familienunternehmens überzeugt.

Minergie-Haus mit heimeliger Atmosphäre

«Den Entscheid, ein Holzhaus zu bauen, haben wir noch nie bereut», freut sich die 39-jährige Lucilia Mendes. Das im Inneren verwendete Tannenholz sei weiss lasiert und vermittle eine «heimelige Atmosphäre, ohne in den Chaletstil abzudriften». Das Minergie-Haus habe einen eigenen Charakter und Charme. Ökologische Überlegungen hätten zum Entscheid, ein Haus aus Schweizer Holz zu bauen, geführt. Aber nicht nur, erzählt der 38-jährige Patrick von Däniken. Er meint seinen familiären und beruflichen Hintergrund. «Mein Grossvater Hans Späti gründete das Holzbauunternehmen und ich arbeite nach meinem Forstingenieur-Studium an der ETH bei einem Forstingenieur- und Umweltbüro.»

Lignum-Direktor Christoph Starck freute sich sehr, der Bellacher Familie das Zertifikat überreichen zu können. «Sie hat sich nicht für die billigste, sondern für die etwas teurere Variante mit Schweizer Holz entschieden.» Aber sie habe damit den ökologischeren Weg gewählt.

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