Geschichte
Er haucht den Ruinen wieder Leben ein – ein 24-Jähriger führt über viele Burgen im Schwarzbubenland

Die vielen Schlösser im Schwarzbubenland haben es Nico Piazzalonga angetan, etwa das Schloss Neu-Thierstein in Büsserach. In Eigenregie veranstaltet er als «Schloss Schryber» diverse Führungen, die immer beliebter werden.

Dimitri Hofer
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Nico Piazzalonga weiss Bescheid über viele Burgen in der Region. Im Schloss Neu-Thierstein in Büsserach bietet er regelmässige Führungen an.

Nico Piazzalonga weiss Bescheid über viele Burgen in der Region. Im Schloss Neu-Thierstein in Büsserach bietet er regelmässige Führungen an.

Roland Schmid

Andere steigen nach der Arbeit auf ihr Rennvelo oder proben mit ihrer Band. Nico Piazzalonga nimmt am Feierabend oft ein dickes Geschichtsbuch zur Hand. Die Burgen im Raum Basel und Schwarzbubenland sind die grosse Leidenschaft des Betreuers. Seine Führungen durch die mittelalterlichen Bauwerke werden immer beliebter.

An der Bushaltestelle unterhalb des Schlosses Neu-Thierstein in Büsserach hängt ein Plakat des 24-Jährigen. Das Wahrzeichen des Lüsseltals gehört zu den Burgen, über die Piazzalonga berichtet. Immer am letzten Sonntag im Monat veranstaltet er hier eine öffentliche Führung. Durch die Ruinen Pfeffingen, Waldenburg und Gilgenberg sowie über den Burgengratweg von Aesch nach Pfeffingen führt er Besucherinnen und Besucher auf Anfrage. Für seine ungewöhnliche Tätigkeit hat er sich das Pseudonym Schloss Schryber zugelegt.

Ausflüge als Kind weckten das Interesse an den Burgen

Der Künstlername deutet an, dass sich der gebürtige Binninger, der heute in Basel wohnt, gut mit Burgen auskennt. «Mit der Familie machten wir viele Ausflüge an historische Stätten in der Region», erinnert er sich.

«Mein Vater erzählte uns Geschichten über die Burgen. Seine Worte packten mich und liessen mich nicht mehr los.»

Mit zunehmendem Alter habe er angefangen, die reichlich vorhandene Fachliteratur zu lesen. Dazu gehörten auch zahlreiche Werke des schweizweit renommierten Basler Uniprofessors und Burgenforschers Werner Meyer. «Mit ihm würde ich gerne einmal ein Bier trinken.»

Die Region verfügt über einen enormen Reichtum an Schlössern und Burgen. «Im Frühmittelalter um 1000 existierten im Raum Basel viele unterschiedliche Adelsherrschaften, die ihre eigenen Gebiete besassen. Es handelte sich um einen Flickenteppich», erklärt Nico Piazzalonga. «Der Jura war damals eine Wildnis. Wer das Land urbar machen konnte, durfte es nutzen.» All das habe dazu geführt, dass in dieser Zeit etliche Burgen errichtet wurden.

Eine Gemeinsamkeit der Burgen

Während seiner Führungen spricht Piazzalonga immer über die Geschichte der Anlagen. «Den meisten Burgen ist gemein, dass sie im Verlauf der Jahrhunderte in den verschiedensten Händen waren.» Auch das Schloss Neu-Thierstein in Büsserach, das ursprünglich um 1100 von den Grafen von Saugern-Pfeffingen gebaut wurde, hat etliche Besitzerwechsel hinter sich. Unter anderem herrschten hier die namensgebenden Grafen von Thierstein und später die Solothurner.

«Eine kuriose Episode ereignete sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals kauften Bändelherren aus Basel die Anlage und gaben sich der Burgenromantik hin.»

Die Männer hätten sich in ihren Runden sogar gegenseitig mit Graf angesprochen. Heute gehört das Schloss der Gemeinde.

Ein Met mit Rosmarin für das Schloss Neu-Thierstein

Wer in Büsserach eine Führung besucht, darf zum Schluss an einem Zinnbecher nippen. Die Liebe für das Mittelalter schlägt sich bei Nico Piazzalonga auch anderswo nieder: Nicht nur besucht er hin und wieder gerne Feste, wo der damaligen Lebensart gefrönt wird. Er produziert auch eigenen Met. Der Honigwein war schon bei den Wikingern beliebt und wurde im Mittelalter oft konsumiert.

Für das Schloss Neu-Thierstein stellt er einen speziellen Met her, dem er Rosmarin beimischt. «Ich wohnte zwei Jahre in der Büsseracher Nachbargemeinde Erschwil, die man vom Schloss aus sieht. Meine Nachbarn hatten Rosmarin im Garten», erzählt Piazzalonga. Den Ruinen Gilgenberg und Waldenburg widmete er ebenfalls einen angepassten Met. Vielleicht hängt die Herstellung von Met mit seinem früheren Job als Barkeeper zusammen.

Thematische Führungen sollen hinzukommen

Wie weit soll seine jetzige Tätigkeit als regionaler Burg-Führer noch gehen? «Ich möchte die Ruine Dorneck hinzunehmen. Ausserdem wäre es toll, künftig auch thematische Führungen zu veranstalten. Da denke ich etwa an die Hexenverbrennung», sagt er. Zum Leben wird es jedoch kaum reichen, auch wenn er sein Angebot erweitert.

«Das Geld, das ich durch die Führungen einnehme, reicht gerade, um die Kosten für den Met zu decken. Es geht mir auch überhaupt nicht darum, viel zu verdienen. Ich erzähle einfach gerne über die Geschichte der Burgen und habe Freude, wenn ich Leute begeistern kann.»

Zu seiner liebsten Anlage in der Region führt er übrigens bisher noch keine Besucherinnen und Besucher. «Ich mag die Burg Bärenfels bei Duggingen am meisten.» Die Ruine sei nicht wirklich bekannt. «Sie liegt auf einem wild zerklüfteten Felssporn. Von den Mauern ist nicht mehr viel erhalten.» Man müsse kraxeln, bis man da sei. Aber wer die Anstrengungen auf sich nehme, werde belohnt.

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