Mümliswil-Ramiswil
Fasnachtszeitung attestiert: Guldenthaler sind «bitzli schüch und fad»

Die Tambouren Mümliswil-Ramiswil haben nicht nur einen Whistleblower, sondern ein ganzes Heer davon. Wie sonst sollen sie es schaffen, eine achtseitige Fasnachtszeitung mit Klatsch, Tratsch, Skandälchen und Fotos zu füllen?

Alois Winiger
Drucken
Teilen
Die Thaler vermissten einen Bericht zum letztjährigen Böögg

Die Thaler vermissten einen Bericht zum letztjährigen Böögg

Eine respektable Leistung. So was kennt man sonst nur noch von den Städten. Die Zeitung ist gestaltet gemäss Motto «Flauer Pauer» – oder zu Deutsch «Flower Power». Wenig Power wird dem neuen Logo attestiert, das sich die Gemeinde Mümliswil-Ramiswil zugelegt hat.

Es sei es halt einfach auf die lokale Mentalität zugeschnitten, nämlich «bitzli schüch und fad». Eine Beschreibung, die im Widerspruch steht zu einer Meldung vom Oktoberfäscht im Gäupark Egerkingen: «Mümliswiler randaliere, brüskiere und schockiere. Was die Goudetauer do hei bote, isch nit normau, das si Chaote.»

«Do hinge» und «dört vorne»

Der Kaktus vom Jahr geht an Anwohner der Chätzlimatt, weil sich diese gegen die dortigen Festereien bzw. den daraus entstehenden Lärm wehren. Nun gibts eine Gegenbewegung: Die Festfreudigen sammeln nun Unterschriften, um die Festligegner zu vertreiben: «Die dörfe uf kei Fall do hinge bliebe.» Bleibt die Frage: Was ist mit «do hinge» gemeint? Die Guldentaler werden sich doch wohl nicht selber als Hingerwäldler bezeichnen?

Wie auch immer: Jedenfalls wollen sie jetzt gegen «die vo vorne z Bauschtu» in die Schlacht ziehen. Ein Bild zeigt die Oberen der beiden Gemeinden, wie sie in Ritterrüstungen und mit Schwertern bewehrt zur Schlacht bei St. Wolfgang Aufstellung genommen haben. Freude herrscht hingegen, dass Miriam im schwarzen Negligé viel Sex-Appeal zeigt im «Burekaländer vom Novämber». Tröstende Worte bekommt Morena, die ihr Glück bei «Bauer, ledig, sucht...» versucht hat: «Dr Buur het die Angeri gno, Morena bisch froh.»

Martha, Martha...

Geheimnisse werden aufgedeckt. So ist jetzt endlich bekannt, warum Mümliswil dieses Jahr keinen Obernarren hat. Zwar möchten im Geheimen viele auch mal Fasnachtsführer werden, aber wenn es dann drauf ankommt... Das oberste Fasnachtsgericht hatte sich nämlich bereits für eine Obernärrin entschieden, doch diese habe nach den Sommerferien überraschend wieder abgesagt.

«Süsch jede Furz»

Beklagt wird, dass im vergangenen Jahr vom Abbrennen des Bööggs oder vielmehr des grossmächtigen Elefanten in der «Solothurner Zeitung» nichts erschienen ist: «I dr Zittig chunnt süsch jede Furz, aber dä Böögg isch dene schnurz.» Das könnte daran liegen, dass sonst jeder Furz im Voraus den Redaktionen angekündigt wird, dieser aber nicht. Nun hat das Ereignis hiermit doch noch den Weg in die Zeitung gefunden. Im Gegensatz zu den Guldentaler Fasnachtsoberen hatte diese Zeitung dafür nicht vergessen, Marthe Jäggi als Obernärrin zu verabschieden. Die Tambouren holen es jetzt nach und danken ihr: «Martha, Martha, du entschwandest. Leider ohne Blumenstrauss.»

Aktuelle Nachrichten