Leimental
Einbruchwelle: 60 Einbrüche seit Dezember stören die Idylle im Leimental

Von Dezember bis Mitte Januar wurden im Leimental 60 Einbrüche registriert. Das sind fast drei Mal so viele wie letztes Jahr in diesem Zeitabschnitt. Die Gemeinden selbst können aber nur wenig tun um die Sicherheit sicherzustellen.

Jeremias Schulthess
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Bättwil im Leimental ist ein beliebtes Ziel für Einbrecher, die von Frankreich her über die Grenze kommen.

Bättwil im Leimental ist ein beliebtes Ziel für Einbrecher, die von Frankreich her über die Grenze kommen.

AZ Archiv

Ein Ehepaar fährt in die Ferien, der erwachsene Sohn bleibt zu Hause und hütet Hab und Gut. Geschichten wie diese hört man andauernd im solothurnischen Bättwil, wo die Einwohner heftig über die Einbrüche diskutieren.

Im Leimental fand in den letzten Monaten eine unvergleichliche Einbruchwelle statt. Von Dezember bis Mitte Januar registrierte die Solothurner Polizei rund 60 Einbrüche - im Vorjahr waren es im gleichen Zeitabschnitt nur 22.

Bättwil: Kein Sicherheitsdienst

In Bättwil nimmt man die Situation sehr ernst. Das Thema Einbrüche dominiert Bättwils Homepage. Gemeindepräsident François Sandoz meint aber, man könne vonseiten der Gemeinde nur wenig tun. «Die Sicherheit ist in erster Linie Aufgabe der Polizei.»

Diese Woche hat der Gemeinderat auch zu diesem Thema getagt. Sofortmassnahmen lehnt man ab. Einen privaten Sicherheitsdienst einzusetzen, sei «nicht nachhaltig», findet Sandoz: «Es würde zwar zur Beruhigung beitragen, wenn aber der Sicherheitsdienst nicht mehr da ist, ist es wieder wie vorher.»

Polizei wenig auskunftsfreudig

Ein weiteres Problem bei solchen Massnahmen macht Sandoz auch bei der Koordination mit der Polizei aus: «Wir erhalten keine detaillierten Informationen.» Sprich: Um effektiv gegen Einbrecher vorgehen zu können, müsse man wissen, wo und wann etwas passiert sei.

Im Moment gibt die Kantonspolizei diese Informationen nicht an Gemeinden. Das möchten die Gemeinderäte in Bättwil ändern. Sie richten das Anliegen an den Regierungsrat in Solothurn.

In Hofstetten-Flüh gibt es schon einen privaten Sicherheitsdienst. Die Gemeindeschreiberin Verena Rüger sagt: «Seither gibt es sicher weniger Einbrüche. Wir dürfen uns aber nicht in falscher Sicherheit wähnen.»

Die Sicherheitsfirma überwacht in erster Linie öffentliche Anlagen und patrouilliert seit einiger Zeit auch in den Wohngebieten. Wie effektiv der Sicherheitsdienst ist, lässt sich aber nicht abschliessend beurteilen - Zahlen fehlen. Betroffen sind auch Gemeinden im angrenzenden Baselland.

Die Einbrecher machen «nicht Halt vor Kantonsgrenzen», erklärt Peter Burch, Gemeindepräsident von Biel-Benken. Ein «Gefühl der Machtlosigkeit» habe sich breitgemacht. Das Problem sei die Grenznähe der Leimentaler Gemeinden, sagt Burch.

Viele Einbrecher kämen über die Grenze aus Frankreich. Die Baselbieter Polizei kommuniziert keine Zahlen zum basellandschaftlichen Leimental. Man hält nur fest: «Die Zahlen sind anhaltend hoch.»

Beim Gassigehen aufpassen

In der Bevölkerung bewirkt dieser Einbruchtourismus Missbehagen, auch gegen Ausländer. Auf Facebook diskutieren Bewohner des Leimentals die Situation mit Sätzen wie: «Das kommt davon, wenn wir die Grenzen derart aufmachen!».

Gemeindepräsident Burch versucht, die Sache vorurteilsfrei zu bewerten: «Es ist nicht so, dass die Einbrecher böse sind und wir die Guten. Es herrscht einfach ein Wohlstandsgefälle.»

In Bättwil will man die Sache mit vereinten Kräften angehen. Der Gemeinderat organisiert Infoabende zum Thema. Hundehalter werden angehalten, beim Gassigehen die Augen offen zu halten. Viel mehr als gute Ratschläge der Gemeinde und stärkere Polizeipräsenz bleibt im Kampf gegen den Kriminaltourismus aber nicht übrig.

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