Schloss Waldegg
Ein Indianer sorgt auf der Waldegg für Aufruhr

Alle zwei Jahre wird auf Schloss Waldegg in Feldbrunnen eine Oper aus dem 18. Jahrhundert aufgeführt. Dieses Jahr ist es «Le Huron», der Hurone, von André Grétry.

Fränzi Rütti-Saner
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Proben zu «Le Huron» auf dem Schloss Waldegg
17 Bilder
Jonathan Sells als Le Huron
Gunta Smirnova und Jonathan Sells
Die Emotionen gehen in Le Huron hoch
Die Emotionen gehen in Le Huron hoch
Andrea Lauren Brown und Gunta Smirnova kokketieren um die Wette
Regisseur Georg Rootering greift in das Geschehen ein
Kritischer Blick auf die Bühne
Regisseur Georg Rootering hat alles unter Kontrolle
Schauspieler Rainer Appel wartet auf den nächsten Einsatz
Die musikalische Begleitung gehört auch dazu
Gesangsprobe neben der Bühne
Gunta Smirnova zeigt ihre gesanglichen Qualitäten
Die Emotionen gehen in Le Huron hoch
Regisseur Georg Rootering ist nicht immer zufrieden
Aram Ohanian gibt vollen Einsatz
Andrea Lauren Brown

Proben zu «Le Huron» auf dem Schloss Waldegg

Hanspeter Bärtschi

Französische Lebensart war vor zweihundert Jahren in Solothurn gang und gäbe. Mit der neuen Dauerausstellung auf Schloss Waldegg ist diese Zeit der Ambassadoren der hiesigen Bevölkerung auch wieder vermehrt ins Bewusstsein gerückt. Doch zur französischen Lebensart gehörten nicht nur politische Ränke und wirtschaftliche Bedingungen - dazu gehörte viel Kultur.

Seit zwölf Jahren schon erwecken Andreas Reize und sein Cantus Firmus Consort mit Solisten aus der ganzen Welt und dem Regisseur Georg Rootering die musikalischen Träume, die während der Barockzeit und der Klassik entstanden sind, für zeitgenössisches Publikum.

Dies im Zweijahresrhythmus und jedes Mal an einem anderen Standort rund um die Waldegg und immer von höchstem künstlerischen Anspruch. Vor zwei Jahren war es «Die Schöne und das Biest», dieses Jahr ein Indianer, ein «Hurone». Andreas Reize und sein Team besetzen damit eine musikalische Nische, die inzwischen auf schweiz-weites Interesse stösst.

Stück wurde zensuriert

Dieses Jahr wird der französische Komponist André Modeste Grétry, dessen 200. Todestag dieses Jahr begannen wird, zur Ehre kommen. Seine Oper «Le Huron», der Hurone, schrieb er nach einem Stück von Voltaire. Beim Erscheinen 1767 war das Stück von der Zensur stark beschnitten worden, das erzählt der Regisseur Georg Rootering beim Gespräch. Voltaire verstand es nämlich, in seinem Stück viel Kritik an der damaligen, vorrevolutionären französischen Gesellschaft und trotzdem einiges an Humor mit einzubauen.

Grétry habe als Komponist ein gutes Gespür für geeignete Stoffe gehabt, so Rootering weiter. Die Opernfassung wurde 1768 uraufgeführt. Bis heute allerdings nicht in der Schweiz. So handelt es sich bei dieser Inszenierung auf der Waldegg um die Schweizer Erstaufführung. Beim Stück geht es um einen «schönen, stattlichen» Indianer aus dem Stamm der Huronen.

Er kommt von Kanada, der ehemaligen Kolonie, nach Frankreich. Dort wird er als Nachkomme eines ausgewanderten Franzosen erkannt, und nachdem er seinen Heldenmut in einer Schlacht bewiesen hat, darf er endlich seine Angebetete, eine Französin, heiraten. Voltaire und Grétry üben mit diesem Stück Kritik am damaligen Klassendenken und der Künstlichkeit des höfischen Lebens gegenüber dem wahren Leben eines «Wilden». Ein Thema, das bekanntlich auch Jean-Jacques Rousseau stark beschäftigte. Trotz des 200-jährigen Stoffes, finden Andreas Reize und Georg Rootering immer noch eine Menge Anspielungen, die auf das Leben mit Andersartigen auch für unsere Gesellschaft noch zutreffend sind.

Selten zu sehende Opern

Zum besseren Verständnis der Handlung wurde ein Schauspieler als Erzähler eingefügt, die Sprechpassagen der Oper sind in Deutsch, die Arien werden in Französisch gesungen. iesmal wurde die Szenerie gleich beim Eingangsbereich von Schloss Waldegg eingerichtet. Die Bühne wird von Bäumen umrahmt - ein Hinweis auf die Naturverbundenheit des Hauptakteurs.

«Wir wollen selten gespielte Opern aufführen. Dies vor dem authentischen historischen Hintergrund, in allerbester musikalischer Qualität. So unser Konzept», sagt Rootering.

Seit 2001 sei damit Vertrauen bei Publikum und Sponsoren geschaffen worden. «Und es wird eine Lücke geschlossen, denn solche Produktionen sind auf Spielplänen nicht zu finden.»

Andreas Reize ist besonders glücklich über die engagierte Sängertruppe. Einige sind immer wieder mit dabei, neu konnte er mit dem Hauptdarsteller Jonathan Sells, Ensemblemitglied des Opernhauses Zürich, einen besonders agilen Bariton engagieren.

«Le Huron - Ein Indianer auf Schloss Waldegg». Premiere Fr. 9. August. Weitere Vorstellungen am 10., 11., 15., 16., 17. August jeweils 20.15 Uhr. Bei schlechtem Wetter im Konzertsaal.

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