Egerkingen
Egerkinger Kurtaxe lockt Hotelbetriebe aus der Reserve

Laut war der Aufschrei, als der Egerkinger Souverän die Einführung der Kurtaxe von zwei Franken pro Übernachtung beschloss. Jetzt die Überraschung: Der grösste Gegner von damals sieht heute in der Kurtaxe einen Segen.

Erwin von Arb
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Mit den Einnahmen aus der Kurtaxe soll auch das touristische Umfeld unterhalten und ausgebaut werden. Unser Bild zeigt das Schattenhäuschen an der Jakobsleiter.

Mit den Einnahmen aus der Kurtaxe soll auch das touristische Umfeld unterhalten und ausgebaut werden. Unser Bild zeigt das Schattenhäuschen an der Jakobsleiter.

Hansruedi Aeschbacher

Als der Egerkinger Souverän Anfang November des letzten Jahres die Einführung der Kurtaxe beschloss, ging ein Aufschrei durch die Egerkinger Hotellandschaft. Der Ärger an der Réception für die ab 2012 fällig werdenden 2 Franken pro Logiernacht sei vorprogrammiert, monierte Louis Bischofberger vom Hotel Kreuz damals an der Gemeindeversammlung.

Auch im «Mövenpick» hielt sich die Begeisterung in Grenzen, schliesslich kämpfen die Egerkinger Hotelbetriebe schon seit längerer Zeit gegen rückläufige Übernachtungszahlen. Die Einführung der Kurtaxe sei aus dieser Optik nicht gerade förderlich, sagt Ute Dirks, Geschäftsleiterin Mövenpick Hotel Egerkingen. Das weitaus grössere Problem sei aber nach wie vor der starke Franken, welcher durch Europa reisende Geschäftsleute davon abhalte, in der Schweiz Station zu machen. Im Vergleich wirke sich die Kurtaxe nur marginal aus. Etwa bei Gruppenreisen, wo jeder Franken in die Waagschale geworfen werde, so Dirks.

Bischofberger nun ein Befürworter

Auch Kurtaxen-Gegner Louis Bischofberger ist rund sieben Monate nach deren Einführung zur Auffassung gelangt, dass sich diese nicht nachteilig auf das Gästeaufkommen in seinem Haus auswirkt. Mehr noch: Bischofberger hat inzwischen sogar das Lager gewechselt gehört nun zu den erklärten Befürwortern der Kurtaxe. «Wie kann ein Mann wie Louis Bischofberger vom Paulus zu Saulus werden, wird sich der geneigte Leser fragen. «Weil sie die Verantwortlichen der Egerkinger Hotellerie dazu veranlasst hat, einen einheitlichen Auftritt der Gemeinde Egerkingen im Internet zu lancieren. Das macht mir Freude und mich damit zu einem Fan der Kurtaxe», meint er. So gesehen sei die Kurtaxe sogar ein Segen für die Hotelbranche. «Allerdings nur, wenn die Einkünfte daraus auch wirklich zweckgebunden verwendet werden.»

Hotels: «Wir Erwarten eine Gegenleistung von der Gemeinde»

Wie die aus der Kurtaxe generierten Mittel eingesetzt werden, entscheidet primär der Egerkinger Gemeinderat. Die Hotels können sich mit Anträgen einbringen, so wie beim Projekt «RestandSleep - Stopover Egerkingen» (vgl. Artikel oben). Gemäss Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi soll ein Teil des Geldes auch weiterhin so zurück an die Hotelbetriebe fliessen.

«Mövenpick»-Geschäftsleiterin Ute Dirks begrüsst die bislang von der Gemeinde getätigten Investitionen aus den Einnahmen der Kurtaxe, stellt aber klar, dass die einzahlenden Betriebe eine Gegenleistung erwarten. Die Zusammenarbeit mit den Behörden, insbesondere Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi laufe erfreulich gut: «Man hat ein offenes Ohr für unsere Anliegen.» Die ungeliebte Kurtaxe habe beide Seiten einander näher gebracht. «Und sie eröffnet uns vielleicht auch neue Chancen für eine prosperierende Zukunft.» (eva)

Einheitlicher Auftritt im Internet

Erarbeitet wurde das gemeinsame Projekt von der City-Tax-Gruppe Egerkingen, der das «Mövenpick», das Comfort Hotel und das Hotel Kreuz angehören. Mit dem Webauftritt unter dem Slogan «RestandSleep - Stopover Egerkingen» wird die Gemeinde als idealer Standort für Aufenthalte und Übernachtungen angepriesen. Unter www.restandsleep.ch können neben den erwähnten Hotels auch die Homepages der anderen Restaurants im Dorf mit einem Klick heruntergeladen werden. Von der Kleintierpraxis über Garagenbetriebe bis hin zu Banken und Einkaufsmöglichkeiten ist praktisch jede wichtige Information auf diesem Portal zu finden.

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi freut sich über so viel innovative Schaffenskraft. «Dann hat die Kurtaxe zumindest etwas Positives bewirkt», meint sie im Rückblick auf die negativen Reaktionen. Der Gemeinderat unterstützt das Projekt mit einem Beitrag 10 000 Franken. Damit können die Initianten die Initialisierung finanzieren.

Weiter rückläufige Zahlen?

Für den Gemeinderat sei übrigens klar, dass die Einnahmen aus der Kurtaxe ausschliesslich für touristische Zwecke verwendet werden, meint die Gemeindepräsidentin. Der Rat hat sich demnach endgültig von der ursprünglichen Idee verabschiedet, mit der Kurtaxe die darbende Gemeindekasse etwas aufzufüllen. Bei den zu erwartenden Einnahmen von rund 120 000 Franken (gemessen an den Übernachtungen 2011) dürfte ihm dies in Anbetracht der eher düsteren Prognosen für den Gemeindehaushalt der kommenden Jahre nicht leicht gefallen sein. Dem Rat blieb aber nichts anderes übrig, sonst hätte die Kurtaxe an der Gemeindeversammlung wohl keine Chance gehabt. «Die zweckgebundene Verwendung der Gelder ist reglementarisch klar festgehalten», sagt Bartholdi zu diesem immer wieder heiss diskutierten Thema. «Wir rechnen aber mit weniger Übernachtungen als letztes Jahr und damit verbunden nur noch mit Einnahmen von etwa 90 000 Franken, so die Gemeindepräsidentin vorsichtig.

Zumindest indirekt profitieren kann die Einwohnergemeinde. Etwa bei der Beflaggung oder bei der Unterstützung von kulturellen Anlässen oder Einrichtungen. Das Geld darf gemäss Reglement auch für den Unterhalt und die Weiterentwicklung der Gemeinde eingesetzt werden.

Nicht abwegig findet «Kreuz»-Wirt Louis Bischofberger im Gespräch, dass auch das neue Spielgerät auf dem Spielplatz Zebra aus diesem Topf hätte finanziert werden können. Die IG Spielplatz Zebra, die wegen der Anschaffung des neuen Spielzuges noch auf Schulden in der Höhe von 1300 Franken sitzt (wir berichteten), hat ihre Möglichkeiten im Vorfeld also nicht ausgeschöpft. Der offizielle Weg über die Gemeinde hätte sich auszahlen können. «Solche Zuschüsse müssen aber klar ausgewiesen werden», hält Bischofberger fest.

Geld für Jakobsleiter und Picknickplatz

Dies ist auch so vorgesehen, wie der Egerkinger Finanzverwalter Rolf Maurer versichert. «Die Einnahmen aus der Kurtaxe fliessen auf ein separates Konto, das wir wie eine Spezialfinanzierung handhaben.» Von diesem Konto stammen weitere 10 000 Franken, welche der Gemeinderat kürzlich für die Sanierung der Jakobsleiter sowie die Wiederherstellung des Picknickplatzes auf der Hüseren gesprochen hat. Vorgesehen ist auch der Ersatz einiger Holzbänke beim Kreuzweg.

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